Mein erster Besuch im Cockpit – Eure Fragen an Piloten

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Kurz vor meiner Abreise nach Südafrika kam eine Email von Condor ins Postfach geflattert „Du bekommst eine Sondergenehmigung und darfst ins Cockpit!“.

Zu diesem Zeitpunkt war ich noch voll mit der Reiseplanung für Südafrika und den letzten Arbeitstagen in meinem alten Job beschäftigt. 

Dann kam mir die Idee, euch auf Facebook zu fragen:

Welche Fragen wolltet ihr schon immer mal einem Pilot oder der Crew eines Flugzeugs stellen?

Fragen an Piloten

Ihr hab mir geantwortet und eure Fragen gepostet und gemailt. Zeitgleich habe ich einen Freund, der bei einer anderen Airline Pilot ist gefragt, welche Frage er gerne mal gestellt bekommen würde. Es konnte also los gehen. Ich fühlte mich bestens gewappnet für einen Besuch im Cockpit.

Kurz vor dem offiziellen Check-In bekamen wir (ich war im Rahmen einer Bloggerreise mit Südafrika Tourismus und Condor unterwegs) die Info, vor allen anderen Passagieren ins Flugzeug zu dürfen. Als wir das „Go“ bekamen, aufstanden und durch die Kontrolle gingen, dachten leider alle anderen Gäste auch, dass sie dran wären.

Ups, peinlich. Eine lang Schlange bildete sich in kürzester Zeit am Schalter..

Noch vor dem Eingang zur Gangway empfing uns die Crew um Kapitän Christoph, Senior First Officer Florian und First Officer Katharina. Hände schütteln und ein kurzes und lustiges Kennenlernen war angesagt (sorry, das ging alles viel zu schnell und ich habe vergessen Fotos zu machen).

Beim Betreten eines völlig leeren Flugzeugs kam mir alles noch viel größer vor:

Vor dem Flug in den Flieger

Besuch im Cockpit

Nachdem alle Passagiere im Flugzeug sitzen und wir die Erlaubnis zum Start bekommen, kann die Reise beginnen. Das Warten beginnt. Im Gegensatz zu den mitgereisten Bloggern entscheide ich mich für einen nächtlichen Besuch im Cockpit. Als Bonus darf ich noch einmal zum Sonnenaufgang den Gang ins Cockpit antreten. Inka durfte sogar bei der Landung ins Cockpit (Video am Ende des Artikels).

Nach dem Abendessen und weiteren zwei Stunden war es soweit: Gegen 1.30 Uhr werde ich vom Purser (so wird der Chefflugbegleiter genannt) abgeholt, laufe zielstrebig durch die Reihen der ersten Klasse, bis ich vor einer geschlossenen Türe stehe.

Nach kurzen Klopfzeichen und Telefonat ins Cockpit öffnet sich die Türe zur überraschend kleinen Kabine. Aus Erzählungen von Freunden dachte ich immer, dass der Raum viel größer wäre. Kapitän Christoph und Senior First Officer Flo sitzen hinterm Steuer, während Katharina ihre Ruhepause hat und vermutlich tief und fest schläft.

Mein Platz ist auf dem dritten Sitz hinter den beiden. Meine Blicke schweifen zwischen den vielen Monitoren und Knöpfen hin und her.

Cockpit Monitore

Ganz schön viele Dinge die die beiden im Blick haben müssen. Flo klärt mich auf: „Soviel ist es überhaupt nicht. Auf beiden Seiten sind exakt dieselben Monitore und Knöpfe vorhanden. Alles doppelt.“ Er grinst. Klar. Alles easy.

Nun bin ich an der Reihe, um eure Fragen zu stellen. Die beiden sind schon sehr gespannt.

Eure Fragen an die Piloten

Wie erlebt man den heiligen Abend oder Silvester auf einem Langstreckenflug? – Janett

Condor als Arbeitgeber ist sehr kulant und kommt uns an solchen Tagen sehr entgegen. Wir dürfen schauen, dass wir an Weihnachten und Silvester mit Kollegen zusammen fliegen können, mit denen wir uns auch privat prima verstehen. Das macht die Sache um einiges angenehmer. Auch kann mal ein Familienangehöriger dabei sein, damit Weihnachten nicht allzu einsam ist.

(Übrigens ist Katharina auf unserem Rückflug – welcher zufällig am 24. Dezember stattfindet – wieder mit von der Partie. Leider schläft sie gerade tief und fest, sodass ich ihr die Frage nicht stellen kann)

Wo kann man den schönsten Sonnenaufgang und Sonnenuntergang im Cockpit erleben? – Tobias

In Tansania mit Blick auf den Kilimandscharo. Man landet auf einem kleinen Flughafen, wo schon mal die Tiere von der Landebahn verscheucht werden müssen.

Wieviel Prozent macht hat der Autopilot und gibt es einen kompletten Instrumentenflug? – Peter

Der Start erfolgt manuell. Dann übernimmt der Autopilot – natürlich unter stetiger Bewachung durch die Cockpitcrew. Dieser “fliegt” bis kurz vor der Landung. Dann wird alles wieder manuell übernommen. Während dem Flug wird es nicht langweilig: Wir müssen neben dem Autopiloten zum Beispiel auch das Wetter im Auge behalten und Funkkontakt zu Fluglotsen halten.

Was steht vor und nach dem Flug noch für Arbeit an?

Vor dem Flug findet sich die Cockpit-Crew in der Verkehrszentrale ein, wo wir von den Dispatchern zum Beispiel die genau errechnete Flugroute und die Wetterbedingungen erfahren. Im Anschluss findet ein Briefing mit der gesamten Crew statt, wonach die Crew direkt zum Flugzeug fährt und dieses für die Passagiere vorbereitet. Dazu gehören zum Beispiel Sicherheitschecks in der Kabine und die Vorbereitungen im Cockpit.

Nach dem Flug füllt das Cockpit einige schriftliche Unterlagen aus. Außerdem findet nach jedem Flug ein Debriefing mit der gesamten Crew über etwaige Besonderheiten des Fluges an. Dann haben auch wir Feierabend.

Thema essen: Bekommt ihr das gleiche Essen wie Passagiere oder andere Gerichte?

Wir bekommen eine Auswahl an den Gerichten, die übrig bleiben. Außerdem kann extra Crew-Essen bestellt werden. Auch eigenes Essen dürfen wir mitbringen. Wie ihr bei eurem Job auch. 

Gibt es eine Lieblingsstrecke und wenn ja welche?

Kapstadt gehört auf jedenfall zu den beliebtesten Strecken bei Condor. Der Anflug auf Kapstadt ist wunderschön. Als Wunschziel ist Kapstadt bei der ganzen Crew immer schnell vergriffen (man darf Wunschziele äußern).

Welcher ist euer Lieblingsflughafen?

Mozambique (Maputo) und Tansania wegen dem Anblick des Kilimandscharo. Der Berg sieht immer anders aus und der kleine Flughafen zur Zwischenlandung am Kilimandscharo wirkt auf uns, als ob man der erste Mensch dort wäre. Wenn man nach draußen schaut sieht man links und rechts Tiere. Das ist wunderschön.

Isas Aufforderung „Selfie ausm Cockpit mit Pilotenmütze bitte“ komme ich gerne nach.

Es ist zwar kein Selfie und auch nicht mit Pilotenmütze (diese wurde bei Condor schon seit längerem abgeschafft):

Piloten und ich
Christoph, ich und Flo (v.l.n.r.)

Für Maikes Frage „Was machen die Piloten während eines laaaaaannnngen Nachtfluges, wenn eine hübsche Reisebloggerin zu Besuch kommt?!?!“ hatte ich dann leider keine Zeit mehr….

Ich muss mir schließlich noch ein paar Dinge erklären lassen, die mich selbst brennend interessieren. Christoph erklärt mir den Radar, was man darauf erkennt und diverse andere Geräte, von welchen ich aus Erzählungen (wie ich schon sagte gibt es einen Piloten im Freundeskreis) gehört habe.

Zwischendurch stockt er immer wieder, da auf seinem Kopfhörer Funksprüche ankommen, welchen er lauschen muss. In Afrika läuft das ganze nämlich ein wenig anders ab als auf anderen Flugstrecken. So ganz auf die Fluglotsen möchte man sich nicht verlassen und fliegt immer rechts von seiner idealen Fluglinie.

Uns entgegenkommende Flugzeuge verhalten sich genauso. Das kann man ein wenig später auch super anhand der Linien und Punkte erkennen.

Da ich wissen möchte, wie groß der Abstand zu anderen Flugzeugen ist (ihr habt sicher auch schon während eines Fluges ein Flugzeug nahe über oder unter euch durchfliegen sehen) erklärt mir diesmal Flo die Richtlinien:  Nach oben und unten mindestens 300 m Abstand. Beim Start sind es 5 km Abstand zwischen den Flugzeugen.

Über uns ist in diesem Moment ein Flugzeug, welches 1800 Fuß über uns fliegt. Unsere Flughöhe beträgt 33000 Fuß. 

Zusätzlich haben beide Tablets neben sich montiert. Hier sind alle wichtigen Daten gespeichert. Nur die Wetterkarten liegen noch in ausgedruckter Form vor:

wetterkarte pilotWährend Christoph mir die eingezeichneten Winde und die markierten Uhrzeiten erklärt, fangen die Turbulenzen an. Florian aktiviert die „Angeschnallt“-Zeichen und macht eine Durchsage. Mittlerweile haben wir um die 2 Uhr nachts. Die meisten müssten jetzt schlafen.

Im Cockpit ist es überraschend ruhig und friedlich. Die Atmosphäre wirkt auf mich entspannend und beruhigend. Erst recht als Christoph mich auf den vierten Platz hinten links lotst. „Schau mal nach oben aus dem Fenster“ – dieser Aufforderung komme ich nur allzugerne nach.

Ich bin sprachlos. Ich habe schon viele atemberaubende Sternenhimmel gesehen. Vor allem in dünn besiedelten Ländern. Der Anblick der sich mir jetzt bietet, toppt jedoch alles. Ich behalte ihn tief in meinem Gedächtnis. Leider ist es auch schon an der Zeit das Cockpit zu verlassen.

Ich falle in einen kurzen Schlaf und träume vom Sternenhimmel, bis ich kurz nach 4 Uhr erneut geweckt werde. Für ein paar Minuten darf ich nochmal ins Cockpit, um Bilder vom Sonnenaufgang zu machen. Wir sind jetzt irgendwo über Namibia und die Sonne scheint uns direkt in die Augen.

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Bei Sonnenaufgang treffe ich auch Katharina an!
Cockpit Flo
Flo strahlt auch mit der Sonne um die Wette
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Der Blick aus dem seitlichen Fenster des Cockpits

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Hier seht ihr Inkas Video zum Landeanflug auf Kapstadt:

Vielen Dank an Condor, dass mir die Spezialgenehmigung zu einem Besuch im Cockpit erteilt wurde. Danke!!!

1 KOMMENTAR

  1. Hallo Katrin,

    Mensch das ist ja mal Erlebnis !!
    Leider ist es nicht vielen vergönnt, einmal ein Cockpit von innen zu sehen !!!
    Aber hast einen tollen Bericht draus gemacht, der einen ja ein wenig neidisch werden lässt !!

    Viele Grüße
    Bibo

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