Highlights und Tipps in Uganda

Uganda: Gorillas, Löwen, Giraffen & Wasserprojekte

Uganda – über das kleine Land in Ostafrika wusste ich vor meiner Reise nicht allzu viel. Natürlich sind mir die Bilder der „Operation Entebbe“, der bekannten Geiselbefreiung im Jahre 1976, im Gedächtnis, auch die blutige Diktatur Idi Amins schrieb grausame Geschichte. Doch es ist viel passiert in diesem Land, das sich in den vergangenen Jahrzehnten mehr und mehr dem Tourismus öffnete und neben einer unglaublichen Natur- und Artenvielfalt durch seine offenen, herzlichen Menschen sowie großartigen NGO-Projekten wie „Viva con Agua“ besticht, das ich euch – neben all den fantastischen Fotos von den Safaris und vielen Reisetipps – vorstellen möchte. Los geht’s!

Anreise nach Uganda

Mit Turkish Airways ging es nach Istanbul, von dort aus fliege ich weiter nach Entebbe. Es jagt mir eine ordentliche Gänsehaut ein, auf den Rollfeldern des Flughafens zu landen; die mutige Geisel-Rettungsaktion in den 70er Jahren wirkt auf einmal sehr nah.

Entebbe ist ein Vorort von Kampala, der Hauptstadt Ugandas. Wie die meisten Reisenden verbringe ich hier nur eine Nacht im sehr komfortablen Best Western Hotel, direkt an der Victoria-Mall, in der man sich nochmal mit Nötigstem (Mückenschutz, Sonnencreme, Geld) eindecken kann, bevor es mit unserem Fahrer Beki weiter zum Kibale Nationalpark geht. Hier wird mir bewusst, warum die Fahrtzeit für nur wenige Kilometer enorm lang ist: Die Straßen sind zum Teil sehr holprig. So brauchen wir für 290 km knappe sechs Stunden. Daran sollte ich mich die nächsten Tage gewöhnen.

Die Landschaft entschuldigt indes die „African Massage“, wie die mobile Schaukelei genannt wird: grün, grün und nochmals grün zieht an uns vorbei, die Diversität der Landschaften wird bereits auf der ersten Fahrt mehr als deutlich. Beeindruckend!

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Kibale National Park: Schreiende Schimpansen

Gegen späten Nachmittag kommen wir in der urigen, aber herrlich versteckten „Primate Lodge“ an. Die Hütten, die über schmale Wege abseits der Hauptanlage erreichbar sind, liegen mitten im Urwald. Vogelgezwitscher, irre laute Grillen und das eine oder andere Insekt bieten mir den perfekten Einstieg in das, was am nächsten Morgen folgen soll: Schimpansen-Tracking!

Nach einer fachgerechten Einweisung durch den Ranger geht es in den Wald. Die Guides sind allesamt über Walkie-Talkies miteinander verbunden, um herauszufinden, in welcher Richtung die ulkigen Menschenaffen zu finden sind.

Und es dauert keine halbe Stunde, da sehen wir schon die ersten wild umherschaukelnden Exemplare, die sich in aller Regelmäßigkeit heftigst anbrüllen. Heftig auch die Kämpfe um die Alpha-Männchenposition: Der Affenkandidat besiegt in guter, alter „Blood Sport“-Manier alle Anhänger des führenden Männchens. Dabei gehen alle Beteiligten recht effizient vor: Der wohl schnellste Weg zum Sieg führt nämlich über das Abreißen des gegnerischen Testikels. Danach kann der Reißer einfach weggehen oder noch ein wenig auf dem Gerissenen rumspringen – das Ergebnis ist das gleiche.

Brutal, genau so wie die kleinen, fiesen Feuerameisen, die alle paar hundert Meter über den Pfad wandern und die man nicht am Hosenbein haben will. Die schaffen’s bis zum Bauch. Und pieken.

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Queen Elizabeth National Park: Nilpferde & Löwen-Schmaus

Raus aus dem Dschungel, rein in die offene Savanne des Queen Elizabeth National Park, dem wohl artenreichsten Nationalpark des Landes. Ein „Launch Cruise“-Wassersafari verdeutlicht dies auf dem Fuße bzw. Schiff: Wasserbüffel, Krokodile, verschiedenste (Wasser-)Vogelarten und Nilpferde.

Letztere sind unter den Top10 der gefährlichsten Tiere der Welt, bringen bis zu 40 Stundenkilometer auf die Piste und zermalmen alles, was sie zermalmen möchten.

Im Wasser wirken diese gar-nicht-so-happy Hippos allerdings äußerst friedlich, schwimmen und tauchen behäbig, aber dennoch voller Grazie durch das Kühle Nass.

So richtig bekannt ist der Park aber eher für seine Savannen-Safaris, und so starten wir am nächsten Morgen zum Sonnenaufgang mit unserem Toyota Landcruiser auf die Suche nach Löwen und Leoparden.

Auch hier habe ich Glück: Nach nur wenigen Kilometern, vorbei an Antilopen, Wasserbüffeln und Warzenschweinen, sehen wir eine ganze Löwenfamilie beim Frühstück. Sie haben sich einen schmackhaften Wasserbüffel gerissen, und während Papa und Mama Löwe sich bereits vollgefressen im Schatten räkeln, dürfen sich die Kinder mit dem Schwanz des Tiers vergnügen. Die Büffel-Karkasse wird derweil von einer Löwin ausgenommen. Ich stehe nur 50 Meter entfernt und beobachte das Naturschauspiel durch die Linse der Kamera. Wow.

Baumlöwen, die sich hier im Schatten der Kronen entspannen, sehen wir leider nicht – aber die Raubtierration war auch mehr als ausreichend.

 

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Bwindi National Park: Gorillas!

„Wenn man die Augen fest zusammenkneift, kann man die Gorillas sogar von hier sehen“, scherzt der Manager der wunderschönen „Silverback Lodge“ bei unserer Ankunft. Das Gewitzel erfüllt dennoch den Zweck, dass die Vorfreude auf die majestätischen Sitzriesen, die ich nur von Fotos und Videos kenne, ungemein steigt.

Eine Black Mamba, mitten auf dem Weg – da mussten selbst die Ranger schlucken. Auf die Frage, ob sie ein Gegengift dabei haben, wurde nur laut gelacht.

Unser Tracking startet, nach Einweisung unserer kecken Rangerin Goreth, um 8 Uhr morgens. Ich empfehle an dieser Stelle jedem, sich feste und wasserdichte Wanderschuhe einzupacken – meine alten Laufschuhe, die ich eh wegschmeißen wollte, stoßen bei derartigen Dschungel-Tracks an ihre Grenzen.

Bei der Überquerung eines kleinen Flusses zog ich sie auch lieber Bilharziose-müde aus. Andererseits: Nach den vier Stunden im Dschungel ist eh alles und jeder nass. Nichts für Schönwetter-Gorillafreunde!

Irgendwann stoßen wir dann auf die Gorilla-Familie namens „Rushegura“, ganz unverhofft sitzt eine Dame am Wegesrand und schaut ein klein wenig verloren drein. Etwas weiter im Dschungel sind dann Papa, Mama und ihre beiden Kinder. Die sind mit nicht viel mehr als fressen, liegen, Fressen suchen, Gefundenes fressen, liegen und gucken beschäftigt. Und pupen. Was nämlich keiner so richtig weiß: Gorillas blähen erstaunlich viel, und genau so, wie sie unsere Anwesenheit nicht sonderlich stört, stört sie auch nicht, dass wir alles hören können.

Wir kommen den Tieren wahnsinnig nah – man rät zwar zu sieben Metern Abstand, aber gerade zum Ende hin, bevor ein heftiger Regen sowohl die Affenmenschen als auch die Gorillas vertreibt, sind es nicht mehr als drei. Mimik, Gestik und die gesamte Körperhaltung erinnern an Menschen, andächtiges Schweigen macht die Runde. Was soll man da noch sagen? Dann doch eher: zeigen.

Schaut euch auch Katrins Bericht zum Gorilla-Trekking in Uganda an.

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Lake Mburo: Zebras, Elefanten & Giraffen

Haben „Giraffen“ etwas mit „Affen“ zu tun? Ich hoffe, im Lake Mburo National Park Antwort auf diese Frage zu finden.

 

Nach der Ankunft in der wohl schönsten Lodge der Reise, der „Mihingo Lodge“, geht es direkt und erneut auf die Tiersuche. Die Zebras dürfen sich fortan in meiner persönlichen Top-fünf der Lieblingstiere wissen; sie changieren derart ungekonnt zwischen edel, planlos, scheu und neugierig, dass ich jedes dieser schönen Geschöpfe fotografieren musste.

Am Morgen danach begeben wir uns auf eine Walking-Safari, bei der uns die Giraffen begegnen. Evolutionär ist es durchaus bemerkenswert, wie ein Tier so wachsen kann. Langer Hals, lange Beine, ein verhältnismäßig normaler Körper, dazu noch diese braunen Camouflage-Flecken. Darauf muss man erst einmal kommen.

Bei der Rückkehr in die wunderschöne Lodge stellen wir dann fest, dass sich ein paar freche Blauaffen Zugang zu unserem Haus verschafft haben. Die kleinen, fiesen Dinger wühlen nach Essbarem und hinterlassen ein ordentliches Chaos; gerne hätte ich gesehen, wie sich die Äffchen den Weg durch unser Zimmer gebahnt haben, so bleiben leider auch hier einige Fragen offen: Ist es ein einzelner Affe oder eine Affen-Gang?

Läuft die Suche bedächtig-vorsichtig ab, oder drehen die Tiere einfach komplett am Rad und schreien und springen auf allem rum? Da nichts außer eine Kaffeetasse kaputt gegangen ist, können wir darüber lachen.

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Viva con Agua: Kampala & Hamburg tun Gutes

Kampala ist die Hauptstadt Ugandas und hat so gar nichts mit der Savannen-Romantik zu tun, die ich in den letzten Tagen erleben durfte. Bereits bei Überquerung der äußeren Stadtgrenze türmt sich der Verkehr, bei dem vor allen Dingen die Bodabodas (Motorradtaxis) fahren, wie sie wollen.

Rote Ampeln sind eher als Anregung zu verstehen – und so darf ich quasi „hautnah“ dabei sein, als mein Taxifahrer ein rechts in der Kurve überholendes Motorrad anfährt. Dabei ist das Knöchel der hinteren Beifahrerin zwischen Auto und Motorrad. Es beginnt ein angeregtes Hin und Her inmitten der übervollen Hauptstraße, aus dem ich mich gerne raushalte und dem netten alten Mann neben mir Feuer für seine Zigarette gebe. Als Weißer bin ich hier Außenseiter, und ich bin durchaus froh, als es dann weiter geht.

Das „Uganda Museum“ wirft wichtige, historisch komplexe Fragen auf.

Zu sehen gibt es in Kampala nicht all zu viel. Das Nationalmuseum ist eher grau und etwas traurig, lediglich die Gaddafi-Moschee ist einen Besuch wert. Das riesige Gebetshaus fasst 13.000 Betende und der Turm bietet einen herrlichen Ausblick auf die gesamte Stadt. Das lohnt sich!

Am Abend treffe ich mich mit Francis Mugoya von „Viva con Agua“, einer Non-Profit-Organisation aus Hamburg, die sich für die Trinkwasserversorgung in Dritte-Welt-Ländern einsetzt. Francis ist Teil des Teams in Uganda, und er erzählt mir so einiges über die Arbeit zur Verbesserung der Wasser-, Sanitär- und Hygiene-Situation (kurz: WASH).

Das ugandische Durchschnittsalter beträgt unglaubliche 15,5 Jahre, die Arbeit fokussiert sich also vorrangig auf die fußballversessenen Kinder in den Schulen in der nordöstlichen Karamoja-Region, deren bei den Einheimischen als ärmlich verrufenes Image nun von Jahr zu Jahr besser wird.

Schlechte Hygiene-Standards und -Bildung haben eine hohe Kindersterblichkeit zur Folge, der durch die gezielte, zumeist spielerische Aufklärungsarbeit entgegengewirkt wird. Dazu zählt der umsichtige Wasserverbrauch sowie grundlegende Dinge wie der Toilettengang.

Durchschnittlich werden 9 EUR benötigt, um hier einer Person den Zugang zu sauberem Trinkwasser zu ermöglichen, und mit einer Spende unterstützt man hier auf unzählbar vielen Ebenen. Hier geht’s lang!

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Uganda: Reisetipps

ESSEN

Kulinarisch ist Uganda sicher keine Gourmet-Destination, dennoch lohnt es, sich abseits der Hotelküche auf die Straße zu begeben. Der Knaller ist „Rolex“, kokettierend-lautmalerisch für „Rolled Eggs“: Ein Chapati (indisches Fladenbrot) ummantelt ein herzhaft gewürztes Omelett mit Karotten-Kohl-Füllung. Die kleinen Rolex-Straßenstände findet man an jeder Ecke, eine Dosis Eierrolle gibt es für nicht mal 50 Cent.

Sehr urig-delikat sind „Muchomo“, also Fleisch am Spieß. Auf meiner Fahrt nach Kampala empfiehlt mir mein Taxifahrer einen Muchomo-Street-Food-Stand seiner Gunst, und wir teilen uns brüderlich einige Spieße mit Hühnerherzen und -Leber. Merke: Wenn der Einheimische zubeißt, kann man sicher sein, dass die Qualität gut und frisch ist. Mambo sawa!

Eine typische Ration ugandischer Köstlichkeiten – und überaus sättigend.
Hier gibt es die wohl günstigste „Rolex“ der Welt.

 

In Restaurants ordert man am besten „Luwombo“, herzhafte Fleisch-Stews, die im Bananenblatt gegart werden. Auch die aus Indien stammenden frittierten Samosas sind weit verbreitet und gefüllt mit Fleisch und/oder Gemüse. Das ugandische Grundnahrungsmittel ist Matoke, die Kochbanane, die sich als Sättigungsbeilage in nahezu jedem Gericht finden lässt.

WÄHRUNG

Man zahlt entweder mit Ugandischen Schillingen oder US-Dollar. Bei letzteren sollte man darauf achten, nur neue und einigermaßen intakte Scheine (ab 2006 – aber das variiert, unbedingt vorher checken) mitzuführen. ATMs sind gerade in ländlichen Gebieten rar gesät, deshalb ruhig ein bisschen mehr Bargeld einpacken.

ANREISE

Turkish Airways fliegt über Istanbul nach Entebbe. Beim Hinflug gibt es einen kurzen Zwischenstopp im Nachbarland Ruanda, bevor es weiter nach Uganda geht.

 

REISE IM LAND

Ein Mietwagen oder ein Wagen mit Fahrer sind die besten Möglichkeiten, im Land umherzukommen. Die Fahrtzeiten sind lang, die Straßen sehr schlecht – unbedingt genug Zeit einplanen.

Schaut in Katrins Reisebericht für Uganda. Sie war in Uganda mit dem Auto unterwegs. Tipps zum Autofahren in Uganda findet ihr hier.

REISEDAUER

Das oben genannte Programm lässt sich straff in eine Woche packen, das wird dann allerdings etwas stressig. Besser: 10 – 14 Tage und in den schönen Lodges noch ein paar Nächte länger Dschungel- und Savannenluft durch den Körper schieben.

Katrin war 4 Wochen in Uganda und Ruanda unterwegs. Ihren Reisebericht für Uganda und Ruanda hier ansehen.

SAFARIS BUCHEN

Unser sehr freundlicher wie sicherer Fahrer Beki führte uns von den „Great Lake Safaris“ durch die vielseitige Tierwelt des Landes. Aber auch eure Unterkunft kann euch ganz sicher bei der Wahl der richtigen Safari-Tour behilflich sein.

HOTELS

Ein großes Dankeschön an Uganda TourismusTurkish Airways und die Great Lake Safaris für diese wunderbare Reise – meine Meinung ist natürlich und trotzdem meine eigene. Dank gilt auch Sony für die Leihgabe der luxuriösen Sony Alpha 9, ohne die ich euch wohl kaum solch tolle Fotos zeigen könnte! 

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Hi ich bin Chris!

Ich bin Musiker, spiele Gitarre, Bass, Klavier, manage Künstler und schreibe Songs. Als Restaurantkritiker liebe ich natürlich Essen und das Reisen ist für mich der beste Weg, den eigenen Horizont zu erweitern.