Zwei Tage in Jerewan: Programm und Erstbesucher-Leitfaden für Armeniens rosa Stadt ("Pink City")

Jerewan (auch Erewan oder Jeriwan) hat sofort unser Herz erobert. Die Hauptstadt Armeniens ist nur vier Flugstunden von Deutschland entfernt und durch seine Kultur, dem Lifestyle, Bars, Cafés und vor allen Dingen seiner köstlichen Küche ein absolutes Highlight im Kaukasus. Neugierige Reisende sollten diese spannende Stadt (und das Land sowieso) unbedingt mal besuchen – solange die Region weiterhin vom Tourismus so wunderbar unberührt ist.

Seit 1918 ist Jerewan die 13. Hauptstadt Armeniens (manchmal auch die 12. – je nach geschichtlicher Auslegung), mit kurzer Unterbrechung ab 1920 als Teil der Sowjetunion. Zwar wurden einige Viertel der armenischen Hauptstadt wurden schon vor mehr als 6.000 Jahren besiedelt, dennoch wird der Geburtstag der Stadt auf 782 v. Christus datiert.

Der Stadtgeburtstag wird jedes Jahr symbolisch von 2.750 Springbrunnen am Platz der Republik gefeiert – bei unserem Besuch waren die Brunnen leider aufgrund der starken Hitze und damit verbundener Wassersparmaßnahmen ausgeschaltet. Dazu wurden drei Steintafeln mit dem Gründungsdatum gefunden, zu sehen im History Museum of Armenia. Mit seinen 1,2 Millionen Einwohnern lebt hier knapp 40% der gesamten armenischen Bevölkerung. Zum Vergleich: Im internationalen Ausland leben nur sieben Millionen Armenier.

Das Zentrum Jerewans kannst du entspannt zu Fuß erkunden, auch wenn es zu jeder Tages- und Nachtzeit überall von Menschen wimmelt. Auch der Verkehr im Zentrum ist oft weit nach Mitternacht noch ziemlich belebt, die Straßen verstopft.

In diesem Artikel zeigen wir dir, was wir an zwei Tagen Jerewan alles erlebt haben: Unsere Aktivitäten, die Cafés, Restaurants, Bars und Museen. Und schon mal ein kleiner Spoiler: Zwei Tage waren uns zwar viel zu kurz, sind jedoch im Rahmen einer Rundreise in Armenien zunächst ideal, um einen ersten Eindruck von dieser pulsierenden, immer wachen Stadt zu bekommen. Jerewan hat enormes Entdecker- und damit absolutes Wiederkehrpotential!

Wesentliche Reisetipps vorab

Beste Reisezeit: Sommer (Mai-September; sehr heiß, trotzdem sehr beliebte Monate auch für Tagesausflüge).
Mein Tipp: August, da dann zahlreiche Weinfeste, Bierfeste und weitere Festivals stattfinden.
ReiseführerLonely Planet Reiseführer Georgien, Armenien, Aserbaidschan
Anreise: Direktflug mit Condor ab FFM, ab Berlin über Warschau mit LOT: Flüge finden
Unterkunft buchen: booking.com / Tripadvisor
Aktivitäten & Tickets vorab reservieren: Get Your Guide

Route für Jerewan planen

Vor deiner Städtereise nach Jerewan brauchst du eigentlich keinen genauen Plan oder Programm. Du solltest lediglich überlegen, wie viele Tage du in Jerewan verbringen möchtest. Als Nächstes empfehlen wir dir darüber nachzudenken, ob du nur die Hauptstadt besuchen oder auch Tagesausflüge unternehmen möchtest. Denn da bieten sich einige an:

  • Kloster Tatev
  • Sevansee und die Klöster auf der Sevan-Halbinsel (beliebter Urlaubsspot der Einheimischen)
  • Tempel in Garni und Geghard Kloster
  • Kloster Chor Virap vor dem Wahrzeichen, welches in der Türkei liegt: Berg Ararat
  • Weinanbaugebiet Areni mit vielen Winzern (Areni Wine Factory oder Hin Areni Winery)

Zwar blieb uns dafür keine Zeit, aber wenn du dich dafür interessierst: Rund um den Platz der Republik stehen viele Touranbieter, die Tagestouren ins ganze Land anbieten.

Wie viele Tage sollte man in Jerewan verbringen?

Für Jerewan gibt es kein Limit. Wir könnten dir auch ein Programm für eine Woche erstellen, ohne dass Langeweile aufkommt, aber schätzen, dass du wahrscheinlich, wie wir auf einer kürzeren Reise zu Besuch bist. Daher zeigen wir dir unser 2-tägiges Programm für Jerewan. Es war garantiert nicht dein letzter Besuch der armenischen Hauptstadt bleiben!

Meine persönliche Empfehlung ist es, mindestens 2-3 Nächte in Jerewan einzuplanen. Das Minimum, um die wichtigsten Highlights und ein wenig Kultur, die tollen Restaurants (und auch das Nachtleben) entdecken zu können.

Blaue Moschee in Jerewan, Armenien
Überraschend für viele, dass es im christlichen Armenien auch eine Moschee gibt

Anreise nach Jerewan

Mit dem Flugzeug: Nach Jerewan gibt es aktuell nur aus Frankfurt am Main Direktflüge. Condor fliegt regelmäßig den Internationalen Flughafen Zvartnots (mit dem Taxi ca. 30 Minuten vom Zentrum entfernt) an. Aus Berlin gibt es aktuell nur Flüge mit LOT (über Warschau), Condor (über Frankfurt) oder Turkish Airlines (über Istanbul). Alle weiteren Zubringer dauern zu lange. Recherchetipp: Nach Flügen suchen wir immer zuerst bei der Flugsuchmaschine skyscanner.de.

Mit dem Zug oder Bus über Tiflis (Georgien): Eine Alternative wäre eine Anreise über die georgische Hauptstadt Tiflis. Ab Tiflis kannst du mit dem Nachtzug bequem nach Jerewan reisen – und vielleicht gleich mit einer Rundreise durch das wunderschöne Nachbarland, mindestens aber mit einer Stadttour durch Tiflis verbinden.

Du kannst ab Tiflis auch mit dem Bus (Marshrutka) gelangen. Dieser ist günstiger und schneller als der Zug. Die Fahrt kostet ca. 12 Euro, die Fahrt dauert 5 bis 6 Stunden.

Planst du einen Roadtrip, bietet sich ein Mietwagen an, um ab Tiflis die Highlights auf der Route nach Jerewan zu erkunden.

Verkehrsmittel in Jerewan

  • Metro: Die schnellste und einfachste Art, sich in Jerewan fortzubewegen. Du kaufst am Eingang einen Coin für 100 DRAM (ca. 25 Cent) und kannst damit so weit fahren, wie du möchtest.
  • Taxis: Lade dir vor der Reise die Taxi App GG aufs Handy, um bequem von A nach B zu gelangen. Seit den Sanktionen gegen Russland können wir leider nicht mehr die russische Yandex Taxi App (ist gängig) nutzen, auch UBER scheint nicht zu funktionieren.

Hotel-Tipp: Ibis Hotel Yerevan

Das recht neue Ibis Yerevan Center Hotel liegt inmitten des Zentrum. Die Einkaufsstraßen, von uns getesteten Restaurants und Cafés befinden sich nur wenige Minuten zu Fuß vom Hotel entfernt. Auch die wichtigsten Sehenswürdigkeiten wie Platz der Republik, der armenischen Oper, Kaskaden und das Matenadaran Museum. Wir empfanden die Lage als ideal, das Frühstück haben wir allerdings nicht getestet, da wir mit vor Ort lebenden Freunden in Cafés zum Frühstücken verabredet waren (siehe Tipps fürs Essen und Trinken).

Ibis Hotel Jerewan Armenien Hotel-Tipp

Stadtplan mit den Highlights in Jerewan

Hier haben wir alle im Artikel erwähnten Orte markiert. So kannst du vor Ort einfach navigieren und das nächste Highlight in Jerewan finden:

Sehenswürdigkeiten in 2 Tagen

Jerewan ist eine sehr geschichtsträchtige Stadt. Wenn du mehr über die Details zur Geschichte wissen möchtest, empfehlen wir dir, eine Stadtführung zu unternehmen. Reiseführer und Webseiten mit Informationen weisen große Lücken auf. Von Locals erfährst du viel mehr über die Stadt und deren Einwohner.

Auch im Matenadaran Museum empfehlen wir eine Tour, diese gibt es sogar – nach Anmeldung – auf Deutsch. Denn: Ohne Guide ist es nur ein Museum mit vielen Schriften ohne detaillierte Erklärung, dabei lohnt es sich ungemein, sich die manchmal sehr spannenden Geschichten hinter dem Gedruckten und Gemalten anzuhören. Du kannst dem Guide vorab mitteilen, wie lange die Tour gehen sollte (unser Tipp: 45 Minuten genügen).

Tipp: Es gibt auch eine kostenlose Free Walking Tour durch Jerewan, bei denen du dem Guide am Ende der Tour ein Trinkgeld gibst. Du gibst dabei so viel, wie die Tour deiner Meinung nach wert war. In der Vergangenheit haben wir dabei nicht nur viel über die jeweiligen Städte, sondern auch den einen oder anderen Menschen kennengelernt, mit dem wir danach noch um die Häuser gezogen sind – und lasst euch das gesagt sein: Um die Häuser ziehen kann man in Jerewan prächtig!

🧆 ➡️ Hier findest du unseren Food-Guide für Jerewan mit vielen Tipps für hervorragendes Essen

Was du nicht zwingend sehen musst

Bist du wie wir an mehreren Orten in Armenien oder warst davor schon in Georgien, kannst du den Besuch bei der Statue Mother of Armenia (wie fast überall 1962 anstelle einer Stalin Skulptur errichtet) getrost weglassen. Auch den Besuch der Brandy Fabrik (entweder Ararat Brandy Factory oder Noah Ararat) mit Verkostung ist nicht nur in unseren Augen überflüssig (auch unsere lokalen Freunde waren dieser Meinung). Dasselbige gilt für das Genozid Memorial. Ein wichtiger Ort für Armenien, für uns genügt es, über die Geschichte Bescheid zu wissen. Hätten wir mehr Zeit gehabt, hätten wir lieber noch ein weiteres Restaurant oder Bar getestet 😉 Denn wie oft auf Reisen ist Zeit die wertvollste Währung!

Hier folgt also unser Vorschlag für ein Wochenende in Jerewan. Wir hatten eine etwas andere Reihenfolge, da wir, wie zuvor erwähnt, auch Freunde vor Ort haben. Wir haben das Programm für dich optimiert:

Tag 1: Beliebte Sehenswürdigkeiten und köstliches Essen

Am ersten Tag in Jerewan empfehlen wir, die wichtigsten und beliebtesten Sehenswürdigkeiten der Stadt zu besuchen und nebenbei die unglaublich köstliche und großartige armenische Essensszene zu erkunden. Schnall deinen Gürtel weiter, denn die Speisen sind großartig und die Portionen riesig.

Frühstück im Collective

Das Collective ist der kulinarische Nachbar und Ableger der hippen Cocktailbar Minas auf der trubeligen Pushkin Street. Lässige Musik, entspannte Leute, durchgestyltes Interieur und wahnwitzig großartige Kaffeekreationen machen nicht nur munter, hier wird man auch satt: Fantastische Eggs Benedict in verschiedenen Variationen, ein verführerisch süßliches Erdbeere-Sahnecroissant, Törtchen und fluffige Pancakes wollen dich gar nicht mehr gehen lassen. Ein lässiger Ort mit extrem freundlichem Personal und den schönsten Hifi-Boxen Europas – wirklich!

Tipp: Steht nicht auf der Karte, aber wenn du ihn höflich bestellst, dann mixt dir die Theke einen hippen Bumble: Espresso mit Orangensaft! Chris hatte einen "Sparkle", einen doppelten Espresso mit Tonic-Water. Klingt wie Restetrinken, schmeckt aber exzellent!

Stadtführung mit Highlights

Danach empfehlen wir sehr, dir eine Stadtführung zur Organisieren. Die kann dich direkt im Collective abholen. Sie führt dich über die North Avenue, Platz der Republik zu den Kaskaden. Wenn du auf eigene Faust marschieren willst, hier die grobe Route:

1. North Avenue

Über die North Avenue, so etwas wie die neue Einkaufsmeile mit feinen Geschäften und Designern, aber auch tollen Restaurants, geht's zum ...

Platz der Republik

"Das Herz Jerewans", hier liegen Regierungs- und Gewerkschaftshaus, das alte Postgebäude sowie das hübsch anzuschauende Mariott Hotel. Die Fundamente der Gebäude sind übrigens aus wasserabweisendem Basalt, darüber liegt Tuff.

Hier erkennst du auch gut, warum Jerewan "Pink City" genannt wird: Die Gebäude wurden zumeist aus natürlich gefärbten Vulkangestein in verschiedenen Rosatönen gebaut – das schimmert dann bei Tages- und insbesondere Abendlicht wunderschön "pink"!

Es lohnt sich, ein bisschen Zeit im Historischen Museum (im ehemaligen Gebäude des Ex-Außenministeriums) sowie der Nationalgemäldegalerie zu verbringen. Hier gibt es – aufhorchen! – den ältesten Schuh der Welt zu bewundern!

Der Brunnen spielt übrigens eine Abendshow! Die beginnt im Sommer um 21 Uhr beginnt und geht bis 23 Uhr, mit klassischer und Popmusik (im Winter von 20 bis 22 Uhr) und lockt die Leute – dich und euch! – mit bunter Beleuchtung.

3. Abovyan Straße und Moskau Kino am Charles Aznavour Platz

Auf der Abovyan Street geht es weiter, vorbei am Moskau Kino: Der strahlende Brunnen auf dem Charles Aznavour Platz davor so wie wechselnde Kunstobjekte wirken fast schon verspielt.

Mittagessen im Sherep

Jetzt sollte schon so langsam der Hunger durchkommen. Wie gut, dass das laut Internetbewertungen beste Restaurant Armeniens nur wenige Fußminute entfernt zu finden ist – das Sherep Restaurant! Aber Bewertungen sind das Eine; schmeckt es denn auch?

... JA! Beliebt bei Einheimischen wie Touristen ist dieses ultrastylische, aber rieeesige Lokal ein echtes Mekka für moderne armenische und georgische Küche. Es gehört zu Yeremyan Projects, die sich zahlreichen kulinarischen Diensten, Restaurants und Förderprogrammen für Armenien verschrieben haben.

Sensationelles Hummus, heißdampfendes Lavash, im ganzen gegrillte und am Tisch tranchierte Forelle, geschmorter Paprikasalat, gekochte oder gebratene Khinkali (verführerische Suppen-Teigtaschen aus Georgien) sowie ein am Tisch mit Alkohol flambierter Schoko-Lavakuchen ... und es gibt noch immens viel mehr in der riesigen Karte zu entdecken. Tipp: Unbedingt an der offenen Küche vorbeischauen!

Blaue Moschee

Nur ein paar hundert Meter vom Sherep entfernt liegt der einzige rituelle Ort islamischen Gebets in Armenien: die Blaue Moschee. Hier kann man dem lauten Trubel der Hauptstraße entfliehen und für ein paar Minuten im friedlichen Garten Rast machen.

Die Moschee stammt aus der Mitte des 18. Jh. und bietet eine signifikante, schön gearbeitete und mit türkis-gelben Fliesen geschmückte Kuppel.

Die Kaskade von Jerewan

Etwa eine dreiviertel Fußmarschstunde entfernt liegen die Kaskaden von Jerewan. Dieser schöne, mit allerlei Kunst aus aller Welt (unter anderem einige pralle Figuren von Fernando Botero) angereicherte Ort mit seinen ca. 572 Stufen ist nicht nur ein beliebter Ausflugs- und Aussichtspunkt, sondern beinhaltet auch viele Räume für wechselnde Kunstausstellungen. Wir haben es leider aufgrund des straffen Programms nicht geschafft, reinzuschauen, aber halten euch an, unbedingt einen Blick reinzuwerfen!

Adresse: 10 Tamanyan St, Yerevan 0009, Armenien

Matenadaran Museum

Besonders stolz sind die Armenier auf ihr Alphabet, und das nicht ohne Grund: Es gehört sowohl zu den ältesten als auch den jüngst veränderten Schriftbildern der Welt. Altarmenisch, die Sprache der ältesten erhaltenen Bibelübersetzung aus dem Jahr 404 n. Chr., war bis in das 19. Jahrhundert hinein Literatursprache und findet heute nur noch im kirchlichen Bereich Verwendung.

Wer mehr darüber erfahren will – und etwas Hirnarbeit sollte nach dem Mittagessen auch nötig sein! – dem sei das Matenadaran Museum unweit den Kaskaden empfohlen. Außerdem solltest du dein Ticket mitsamt Tour buchen, letztere sogar – nach Anmeldung – auf Deutsch. Das Museum ist noch dazu Armeniens größtes Handschriftenarchiv: Im Ausstellungsbereich sind lediglich 5 % der insgesamt 20.000 Handschriften ausgestellt, der Rest lagert gut gesichert und geschützt im Keller.

Ohne Guide ist es nur ein Museum mit vielen Schriften ohne detaillierte Erklärung, daher greift ruhig darauf zurück. So bekommst du die manchmal sehr spannenden Geschichten hinter dem Gedruckten und Gemalten zu hören. So siehst du unter anderem das kleinste Buch Armeniens – 104 Blätter, auf Ziegenhaut und nur mit einer Lupe lesbar – sowie den größten Schinken des Landes mit satten 28 Kilogramm und über 600 Seiten. Du kannst dem Guide übrigens vorab mitteilen, wie lange die Tour gehen sollte (unser Tipp: 45 Minuten genügen).

Hinweis: Willst du im Inneren Fotos machen? Dann musst du nochmals 2500 Dram bezahlen und das Ticket am Eingang vorzeigen.

Achtung, absoluter Geheimtipp! Versteckt hinter Hausfassaden kann man wunderbar durchatmen: Die Dalan Art Gallery birgt hinter ihren kunstvollen Pforten das wunderschön grüne Cafe Abovyan 12. Hier kann man – begrünt von Bäumen vor der offenen Bar und der kleinen Bühne mit Live-Musik – den einen oder anderen Kaffee, ein kühles Bier oder sogar kleine Happen wie Lahmacun genießen. Unbedingt hin!

Abendessen im The Club

Das The Club (die Webseite ist derzeit offline, probiert es am besten mal über Tripadvisor und schreibt eine Mail für die Reservierung) bezeichnet die wohl derzeit spannendste kulinarische Entwicklung Armeniens: Als eines der ersten Farm-to-Table Restaurants kommen bei Andranik Grigoryan nur Produkte dem Teller, die er in seinen Gärten auch selbst angebaut hat. Dieser "brutal-lokale" Trend kommt aus Skandinavien: Hier wurde bereits vor mehr als zehn Jahren mit dem "Scandinavian Cuisine Manifesto" der Wert von der eigenen Region, seiner Produkte und der Saison verdeutlicht.

In zehn Gängen bringt der junge Chefkoch Hayk Shakaryan eine Werkschau armenischer Produkte auf den Teller, darunter Zucchiniblüten gefüllt mit Erbsen und grünem Paprika-Hummus, Kirschtomaten mit fermentiertem Tomatensaft, gegrillte Waldpilze mit geröstetem Knoblauchpüree sowie gegrillte Feigen mit – ungewöhnlich! – Beluga-Kaviar. Das alles noch zu humanen Preisen, wohlgemerkt.

Überall im Lokal tummelt sich dabei einem Labor gleich verschiedenes Eingelegtes, Mariniertes und Fermentiertes.

Dazu schenkt der sympathische Gastgeber hauptsächlich Naturweine ein. Damit kennt er sich aus, denn das erste Projekt, mit dem sich Grigoryan vor vielen Jahren einen kulinarischen Namen in der Stadt gemacht hat, liegt nur wenige Gehminuten entfernt und lädt förmlich zu einem Absacker ein ...

Weinbar In Vino

Die Saryan Street wird im Volksmund auch "Wine Street" genannt: Hier reiht sich Weinlokal an Weinlokal. Das war jedoch nicht immer so: Als einer der ersten entschied sich Andranik Grigoryan – damals noch belächelt – 2012 für ein Wine-only-Konzept und eröffnete mit zwei Freunden des In Vino. Das hat viele andere inspiriert, sodass man sich hier heute gepflegt einen reinstellen kann! Am besten geht das natürlich in der Mutter aller Weinlokale ...

Damals startete Grigoryan noch mit zehn verschiedenen armenischen Weinen, heute sind es knapp 250 – und die Zahl wächst täglich! Unbedingt vorbeischauen und sich vom überaus freundlichen und englischmächtigen Personal abfü ... äh, verkosten lassen.

Tag 2: Ausflug zum Sewansee & Cocktails in der Stadt

Frühstück: Das beste Lahmacun der Stadt!

Lahmacun kennzeichnet den arabischen Einfluss in der armenischen Küche. Weicher Fladenbrotteig, Zwiebeln und mutig gewürztes Hackfleisch, mehr gehört da gar nicht rauf.

Nur wenige hundert Meter vom Hotel entfernt findest du die stadtbeste Pizza, ganz unscheinbar unter einer Wohnungseingangstreppe versteckt: "Lahmajo" ist ein sogenannter "Hole-in-the-Wall"-Imbiss und ein absoluter Geheimtipp! Für nur wenige Armenische Dram bekommst du eine köstliche, heiße und absolut frische Lahmacun, deren Qualität man hier in Deutschland wohl nur bei den besten Türkischen Grillrestaurants Berlins finden kann. Dazu ein erfrischender Ayran und der Tag kann starten

Adresse: 19 Moskovyan Street, Yerevan 0009

Ausflug zum Sewansee

Danach machst du einen Ausflug zum gigantisch großen Sewansee. Wir empfehlen für diese unsere Unternehmungen die wunderbare Yeva Harutyunyan von Red Hat Tours; ultrasympathisch und im ganzen Lande zuhause kann sie euch nicht nur allerhand zum Land, zur Kultur und den Leuten erzählen, sondern euch darüberhinaus noch enorm sicher von A nach B fahren.

Der Sewansee hat eine Länge von 78 und eine Breite von 56 Kilometern und ist damit der größte Süßwassersee Armeniens sowie des gesamten Kaukasus. Noch dazu liegt der See liegt auf 1.900 Metern Höhe und ist damit der zweithöchste See nach dem peruanischen Titikaka-See!

Ziel der Reisenden ist das 1,5 Stunden entfernte Provinz Gegharkunik unweit der größeren Stadt Sewan am norwestlichen Ufer des Sees. Dort liegt die uralte Klosteranlage Sewanawank.

Interessanterweise stand das Kloster ursprünglich auf einer kleinen Insel mitten im See, bis zum Ende des achten Jahrhunderts, als man massive Wassermengen vom See für die Landwirtschaft abließ. Jetzt ist das Kloster – das nun auf einer ausgedehnten Halbinsel liegt – über einen kurzen, aber durchaus steilen Treppenaufstieg zu erreichen.

Zu sehen sind zwei Kirchen, Surb Astvatsatsin („Die Mutter Gottes“) und Surb Arakelots („Der Heilige Apostel“), dazu der wunderschöne Ausblick über den rieeesigen See – einem Meer gleich! –, auf dem man auch allerlei Aktivitäten wie Tretbootfahren oder Sub-Kraxeleien unternehmen kann.

Mittagessen im Tshagkunk Restaurant

Nur 20 Minuten von den Kirchen entfernt liegt das kleine, aber kulinarisch enorm wichtige Örtchen Tsaghkunk. Die Großregion zählt nicht mehr als 2.000 Einwohner, die Straßen wurden aus privatem Investment gebaut und Kinder kommen nach der Schule hier her, um in Restaurants zu arbeiten und sich in gastronomische wie touristische Fußstapfen zu begeben.

Hier gibt es einige enorm interessante Restaurants, unter anderem das dem Ort gleichnamige Tsaghkunk Restaurant, in dem du unbedingt zu Mittag essen solltest.

Das wunderschöne wie stylishe Restaurant wurde erst 2021 eröffnet. Hier kannst du nicht nur köstliche armenische Tapas wie Chili-Pfeffer-Dips, einen betörenden Aveluk-Salat (Sauerampfer) und Vanahash – eine Art "Käsespätzle" der Armenier, die wir auf unserer Reise lieben gelernt haben – sowie hervorragende Poutouk (Lammkoteletts) verspeisen, sondern dich auch im Lavash-Backen ausprobieren.

Die junge Köchin Arevik Martirosyan versteht es, die uralten Traditionen der armenischen Küche mit nur wenigen Handgriffen ins neue Jahrtausend zu überführen – und das nahezu ohne wilde Experimente, Schäumchen oder selbstverliebten Fusionversuchen. Absolutes Highlight waren die Fisch-Dolma: gefüllte Weinblätter, die normalerweise mit Gemüse und Schwein gerollt werden, hier aber in weißfischiger Pracht zu höchstem Glanz erstrahlen. Süchtigmachend!

In einer Hütte direkt hinter dem Restaurant wird das traditionelle Lavash-Backen im Erdofen authentisch nachgestellt, und wer möchte, kann selbst ran. Aber obacht: Es sieht einfacher aus, als es ist ...

Jerewan: Gum Shuka Markt

Wir gehen auf unseren Reisen sehr gerne auf Märkte. Hier bekommt man einen sehr guten Eindruck von Menschen, Kulturen und den Umgang miteinander, noch dazu kann man sich einen Überblick über die Küche des jeweiligen Landes machen.

In Jerewan geht das besonders gut auf dem Gum Shuka Markt im Süden der Stadt. Hier lässt es sich gut und gerne eine Dreiviertelstunde durch die vielen Stationen zwischen Fisch, Fleisch, Käse und dem riesigen Gemüse- und Obstangebot flanieren.

Adresse: 35 Movses Khorenatsi Street, Yerevan 0018, Armenien

Abendessen im Vostan

Das Vostan verschreibt sich der traditionellen Armenischen Küche. Einmal durch die wunderschöne, uralte Tür geschritten tut sich – mitten im lauten Zentrum Jerewans – ein wahres kulinarisches Kleinod auf.

Hier verspeist du am besten ... nun ... alles?! Der Aveluk-Salat aus knusprigen Sauerampfer-Blättern ist zum Niederknien, aber auch die verschiedenen, hauchzarten und schön rauchigen BBQ-Fleischstücke sind eine wahre Wonne; besonders Lachs und Lamm sind in dieser Qualität wohl nicht überall zu finden.

Beim Abendessen lernten wir den Armen Yeritsyan kennen, eine echte Berühmtheit in Armenien. Seine Kunst und Mode sind außergewöhnlich – er als Mensch sowieso. Vielleicht läuft er euch ja auch über den Weg?

Drinks im Minas Cocktail Room

Nur wenige Gehminuten vom Vostan entfernt liegt der hippe Minas Cocktail Room, gleich neben dem "Collective", in dem du vielleicht gefrühstückt hast. Hier werden dir Cocktails auf Weltniveau gemixt, dazu moderne Kunst und lässige Musik gespielt. Hier kann man ein paar Stunden verbringen und eintauchen in das Nachtleben der Armenier. Und das kann durchaus bis in die frühen Morgenstunden gehen ...

Weitere Tipps

Beste Reiseführer für Jerewan

Für Jerewan haben wir auf den Lonely Planet für Armenien, Azerbaidschan und Georgien auf Englisch zurückgegriffen. Da der Guide der aktuellste war und außerdem Stadtrundgänge für jedes Viertel enthielt, habe ich mir diesen Reiseführer gekauft.

Stadtführungen in Jerewan

In Jerewan gibt es viele Möglichkeiten für eine Stadtführung oder geführte Touren in Museen. Wenn du wenig Zeit hast, empfehle ich dir folgende:

Warst du schon einmal in Jerewan? Welches sind für dich die schönsten Highlights in Jerewan?

Hinterlasse uns einen Kommentar, wenn du Fragen hast! Wir sind neugierig auf deine Highlights in der armenischen Hauptstadt und freuen uns über dein Feedback.

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Chris Lippert
Hi ich bin Chris!

Hi ich bin Chris Ich bin Musiker, spiele Gitarre, Bass, Klavier, manage Künstler und schreibe Songs. Als Restaurantkritiker liebe ich gutes Essen und das Reisen ist für mich der beste Weg, den eigenen Horizont zu erweitern. Kulinarische Reisen führten mich bisher nach Japan, China, Vietnam, Sri Lanka, Mexiko, Dänemark, Finnland, Norwegen, Indien, Österreich, Schweiz, Großbritannien, Israel, Thailand, Myanmar u.v.m.

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