Jerewan ist das ideale Ziel für Fressbegeisterte

Armenien – das wird nicht jeder Foodie auf seiner Agenda haben. Und doch passiert in und um der trubeligen Hauptstadt Jerewan sehr viel Spannendes wie Entdeckungswürdiges.

Von modernisierter armenischer Landküche über stylische Cafés, beeindruckender Farm-to-Table-Küche bis hin zu kosmopolitischen Cocktails und köstlichen Frühstückskreationen gibt es in dieser Stadt unendlich viel zu entdecken. Diese Orientierung sollte euch helfen, ein paar vollbäuchige Tage in Armeniens Hauptstadt zu verbringen ...

Tipp: Wer's ernst meint, versucht so viele armenische Spezialitäten von meiner Checklist am Ende des Artikels abzuarbeiten, wie möglich!

🧳 ➡️ Falls du generelle Tipps zur Reise nach Armenien suchst, schaue dir unseren Artikel für zwei proppevolle Tage in Jerewan an!

Moderne Kaukasus-Küche im Sherep Restaurant

Das laut Internetbewertungen beste Restaurant Armeniens liegt nur wenige Fußminute entfernt vom Platz der Republik: das Sherep Restaurant! Aber Bewertungen sind das Eine; schmeckt es denn auch?

... JA! Beliebt bei Einheimischen wie Touristen ist dieses ultrastylische, aber rieeesige Lokal ein echtes Mekka für moderne armenische und georgische Küche. Es gehört zu Yeremyan Projects, die sich zahlreichen kulinarischen Diensten, Restaurants und Förderprogrammen für Armenien verschrieben haben.

Sensationelles Hummus, heißdampfendes Lavash, im ganzen gegrillte und am Tisch tranchierte Forelle, geschmorter Paprikasalat, gekochte oder gebratene Khinkali (verführerische Suppen-Teigtaschen aus Georgien) sowie ein am Tisch mit Alkohol flambierter Schoko-Lavakuchen ... und es gibt noch immens viel mehr in der riesigen Karte zu entdecken. Tipp: Unbedingt an der offenen Küche vorbeischauen!

Für ein ausgiebiges Frühstück: Collective

Das Collective ist der kulinarische Nachbar und Ableger der hippen Cocktailbar Minas auf der trubeligen Pushkin Street. Lässige Musik, entspannte Leute, durchgestyltes Interieur und wahnwitzig großartige Kaffeekreationen machen nicht nur munter, hier wird man auch satt: Fantastische Eggs Benedict in verschiedenen Variationen, ein verführerisch süßliches Erdbeere-Sahnecroissant, Törtchen und fluffige Pancakes wollen dich gar nicht mehr gehen lassen. Ein lässiger Ort mit extrem freundlichem Personal und den schönsten Hifi-Boxen Europas – wirklich!

Tipp: Steht nicht auf der Karte, aber wenn du ihn höflich bestellst, dann mixt dir die Theke einen hippen Bumble: Espresso mit Orangensaft! Ich hatte außerdem einen "Sparkle", einen doppelten Espresso mit Tonic-Water. Klingt wie Restetrinken, schmeckt aber exzellent!

Casual Fine Dining im The Club

Das The Club (die Webseite ist derzeit offline, probiert es am besten mal über Tripadvisor und schreibt eine Mail für die Reservierung) bezeichnet die wohl derzeit spannendste kulinarische Entwicklung Armeniens: Als eines der ersten Farm-to-Table Restaurants kommen bei Andranik Grigoryan nur Produkte dem Teller, die er in seinen Gärten auch selbst angebaut hat. Dieser "brutal-lokale" Trend kommt aus Skandinavien: Hier wurde bereits vor mehr als zehn Jahren mit dem "Scandinavian Cuisine Manifesto" der Wert von der eigenen Region, seiner Produkte und der Saison verdeutlicht.

In zehn Gängen bringt der junge Chefkoch Hayk Shakaryan eine Werkschau armenischer Produkte auf den Teller, darunter Zucchiniblüten gefüllt mit Erbsen und grünem Paprika-Hummus, Kirschtomaten mit fermentiertem Tomatensaft, gegrillte Waldpilze mit geröstetem Knoblauchpüree sowie gegrillte Feigen mit – ungewöhnlich! – Beluga-Kaviar. Das alles noch zu humanen Preisen, wohlgemerkt.

Überall im Lokal tummelt sich dabei einem Labor gleich verschiedenes Eingelegtes, Mariniertes und Fermentiertes.

Dazu schenkt der sympathische Gastgeber hauptsächlich Naturweine ein. Damit kennt er sich aus, denn das erste Projekt, mit dem sich Grigoryan vor vielen Jahren einen kulinarischen Namen in der Stadt gemacht hat, liegt nur wenige Gehminuten entfernt und lädt förmlich zu einem Absacker ein ...

Das beste Lahmacun der Stadt!

Lahmacun kennzeichnet den arabischen Einfluss in der armenischen Küche. Weicher Fladenbrotteig, Zwiebeln und mutig gewürztes Hackfleisch, mehr gehört da gar nicht rauf.

Nur wenige hundert Meter vom Platz der Republik entfernt findest du die stadtbeste Pizza, ganz unscheinbar unter einer Wohnungseingangstreppe versteckt: "Lahmajo" ist ein sogenannter "Hole-in-the-Wall"-Imbiss und ein absoluter Geheimtipp! Für nur wenige Armenische Dram bekommst du eine köstliche, heiße und absolut frische Lahmacun, deren Qualität man hier in Deutschland wohl nur bei den besten Türkischen Grillrestaurants Berlins finden kann. Dazu ein erfrischender Ayran und der Tag kann starten

Adresse: 19 Moskovyan Street, Yerevan 0009

Armenische Landküche: Tshagkunk Restaurant beim Sewansee

Etwas außerhalb – nur 20 Minuten vom bekannten Sewansee, den ihr womöglich sowieso besuchen werdet entfernt – liegt das kleine, aber kulinarisch enorm wichtige Örtchen Tsaghkunk. Die Großregion zählt nicht mehr als 2.000 Einwohner, die Straßen wurden aus privatem Investment gebaut und Kinder kommen nach der Schule hier her, um in Restaurants zu arbeiten und sich in gastronomische wie touristische Fußstapfen zu begeben.

Hier gibt es einige enorm interessante Restaurants, unter anderem das dem Ort gleichnamige Tsaghkunk Restaurant, in dem du unbedingt zu Mittag essen solltest.

Das wunderschöne wie stylishe Restaurant wurde erst 2021 eröffnet. Hier kannst du nicht nur köstliche armenische Tapas wie Chili-Pfeffer-Dips, einen betörenden Aveluk-Salat (Sauerampfer) und Vanahash – eine Art "Käsespätzle" der Armenier, die wir auf unserer Reise lieben gelernt haben – sowie hervorragende Poutouk (Lammkoteletts) verspeisen, sondern dich auch im Lavash-Backen ausprobieren.

Die junge Köchin Arevik Martirosyan versteht es, die uralten Traditionen der armenischen Küche mit nur wenigen Handgriffen ins neue Jahrtausend zu überführen – und das nahezu ohne wilde Experimente, Schäumchen oder selbstverliebten Fusionversuchen. Absolutes Highlight waren die Fisch-Dolma: gefüllte Weinblätter, die normalerweise mit Gemüse und Schwein gerollt werden, hier aber in weißfischiger Pracht zu höchstem Glanz erstrahlen. Süchtigmachend!

In einer Hütte direkt hinter dem Restaurant wird das traditionelle Lavash-Backen im Erdofen authentisch nachgestellt, und wer möchte, kann selbst ran. Aber obacht: Es sieht einfacher aus, als es ist ...

Achtung, absoluter Geheimtipp! Versteckt hinter Hausfassaden eines Souvenir-Shops kann man wunderbar durchatmen: Die Dalan Art Gallery birgt hinter ihren kunstvollen Pforten das wunderschön grüne Cafe Abovyan 12. Hier kann man – begrünt von Bäumen vor der offenen Bar und der kleinen Bühne mit Live-Musik – den einen oder anderen Kaffee, ein kühles Bier oder sogar kleine Happen wie Lahmacun genießen. Unbedingt hin!

Gum Shuka Markt

Wir gehen auf unseren Reisen sehr gerne auf Märkte. Hier bekommt man einen sehr guten Eindruck von Menschen, Kulturen und den Umgang miteinander, noch dazu kann man sich einen Überblick über die Küche des jeweiligen Landes machen.

In Jerewan geht das besonders gut auf dem Gum Shuka Markt im Süden der Stadt. Hier lässt es sich gut und gerne eine Dreiviertelstunde durch die vielen Stationen zwischen Fisch, Fleisch, Käse und dem riesigen Gemüse- und Obstangebot flanieren, die Großmütter an den Ständen versorgen euch gerne mit kleinen Probehappen ...

Adresse: 35 Movses Khorenatsi Street, Yerevan 0018, Armenien

Saryan Street & Weinbar In Vino

Die Saryan Street wird im Volksmund auch "Wine Street" genannt: Hier reiht sich Weinlokal an Weinlokal. Das war jedoch nicht immer so: Als einer der ersten entschied sich Andranik Grigoryan – damals noch belächelt – 2012 für ein Wine-only-Konzept und eröffnete mit zwei Freunden des In Vino. Das hat viele andere inspiriert, sodass man sich hier heute gepflegt einen reinstellen kann! Am besten geht das natürlich in der Mutter aller Weinlokale ...

Damals startete Grigoryan noch mit zehn verschiedenen armenischen Weinen, heute sind es knapp 250 – und die Zahl wächst täglich! Unbedingt vorbeischauen und sich vom überaus freundlichen und englischmächtigen Personal abfü ... äh, verkosten lassen.

Armenische Tradition im Vostan

Das Vostan verschreibt sich der traditionellen Armenischen Küche. Einmal durch die wunderschöne, uralte Tür geschritten tut sich – mitten im lauten Zentrum Jerewans – ein wahres kulinarisches Kleinod auf.

Hier verspeist du am besten ... nun ... alles?! Der Aveluk-Salat aus knusprigen Sauerampfer-Blättern ist zum Niederknien, aber auch die verschiedenen, hauchzarten und schön rauchigen BBQ-Fleischstücke sind eine wahre Wonne; besonders Lachs und Lamm sind in dieser Qualität wohl nicht überall zu finden.

Beim Abendessen lernten wir den Armen Yeritsyan kennen, eine echte Berühmtheit in Armenien. Seine Kunst und Mode sind außergewöhnlich – er als Mensch sowieso. Vielleicht läuft er euch ja auch über den Weg?

Drinks im Minas Cocktail Room

Nur wenige Gehminuten vom Vostan entfernt liegt der hippe Minas Cocktail Room, gleich neben dem "Collective". Hier werden dir Cocktails auf Weltniveau gemixt, dazu moderne Kunst und lässige Musik gespielt. Hier kann man ein paar Stunden verbringen und eintauchen in das Nachtleben der Armenier. Und das kann durchaus bis in die frühen Morgenstunden gehen ...

Armenisches Essen: Die ultimative Checklist

Geschichtsbedingt mischt sich in Armenien eine Art "Best of" der Nachbarländer: Türkische, Georgische, Aserbaidschanische und Russische Einflüsse formen die traditionelle, sehr stolze Küche. Wie vor jeder Reise stelle ich mir eine "To-Do"-Liste für die Spezialitäten des jeweiligen Landes zusammen. Für Armenien ist diese Auflistung besonders lang – schaut mal, wie viel ihr davon abhaken könnt!:

  • das berühmte Lavash: traditionell im Erdofen gebackenes Brot- Dolma: Wein- oder Kohlblätter mit Hackfleisch- oder Fischfüllung
  • Dolma: gesäuerte Wein- oder Kohlblätter gefüllt mit Hackfleisch oder Fisch
  • Basturma: luftgetrocknetes Rind- oder Lammfleisch
  • Schaschlik- und Kebab-Sortiment: Lamm, insb.: Lyulya Kebab (lang geknetet)
  • Khorovats: spezielle Grillmethode für Schweinefleischspieße
  • Lahmacun/Lahmajun: dünner Teig mit Hackfleisch
  • Vanakhash (ganzjährig, meistens im Winter): Die "Käsespätzle" der Armenier. Lavash-Fetzen werden mit buttrigen Zwiebeln, Chechil (strenger Trockenkäse) und etwas Wasser gemischt
  • Gata/Kata: süßes Brot aus Milch, Schlagsahne & Eiern, mit Butter gefüllt
  • Armenische Aubergine: vegetarisches Gericht, Vorspeise oder Beilage
  • Sujuk (Churchkhela): süße Schokoriegel aus Nüssen
  • Dabgadz Banir Boerag: Gebäck gefüllt mit diversen Käsesorten
  • Topik: Kichererbsen-Dumplings
  • Zhingyalov: frittiertes Fladenbrot mit Sauerrahm und Gemüse
  • „Itch“ oder „Eech“: Armenischer Bulgursalat mit Knoblauch, Zwiebeln, grüner Paprika, Tomaten
  • Harissa: Breiartiger Eintopf aus geschältem Weizen und Fleisch/Huhn
  • Gefüllte Paprika
  • Panrkhash: altes armenisches Nationalgericht, das sehr typisch für die Menschen in der Region Shirak ist
  • Tabouleh
  • Khash: Suppe aus ganzen Tierteilen, meist zum Frühstück serviert (!)
  • Manti: im Ofen gebackene Knödel gefüllt mit Fleisch, serviert mit Joghurt und Knoblauch
  • Ghapama: Kürbis gefüllt mit Reis, Trockenfrüchten, Rosinen, Nüssen, Zimt …
  • Tjvjik/Tzhvzhik: gebratene Rinderleber und Zwiebeln
  • Kchuch: reichhaltiger Fleisch- und Gemüseeintopf
  • Cig Kofte/Chikofte
  • Armenisches Steak Tartar: Rind, Lamm oder Ziege
  • Fasulya / Lobahashu: Bohnensuppe
  • Armenische Linsenköfte (Vospov Köfte)
  • Sini Köfte: Im Ofen gebacken mit Puten- oder Lammfleisch
  • Armenischer Reispilaf: cremig und reichhaltig, mit Butter und Hühnerbrühe
  • Dzhash: Eintopf auf Tomatenbasis, Gemüse, Fleisch
  • Baklava: fettig-süßliche Happen
  • Choereg: süßes Hefebrot mit bestreutem Sesam
  • Tarama: Sauce aus Kaviar und Knoblauch (im Fischrestaurant)

Ein großer Dank gilt Lena Koshemjakina und Yulia Ivanova, unseren Food-Experten in Jerewan!

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Chris Lippert
Hi ich bin Chris!

Hi ich bin Chris Ich bin Musiker, spiele Gitarre, Bass, Klavier, manage Künstler und schreibe Songs. Als Restaurantkritiker liebe ich gutes Essen und das Reisen ist für mich der beste Weg, den eigenen Horizont zu erweitern. Kulinarische Reisen führten mich bisher nach Japan, China, Vietnam, Sri Lanka, Mexiko, Dänemark, Finnland, Norwegen, Indien, Österreich, Schweiz, Großbritannien, Israel, Thailand, Myanmar u.v.m.

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