Sightseeing in Berlin: Touren die du machen musst

Die Deutsche Hauptstadt Berlin ist immer eine Reise wert. Ich bin mehrmals im Jahr in Berlin und schon lange nicht mehr als Tourist. Touren unternehme ich äußerst selten.

Da ich aber immer wieder gefragt werde, habe ich dir hier meine Lieblings-Touren und Tipps für eine Reise nach Berlin zusammengefasst. Mit dem Rad, dem Schiff und unter der Erde in den Berliner Unterwelten. Berlin von einer anderen Seite? Hier sind meine Tipps:

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Street Art Touren in Berlin

In Berlin findest du sie überall: Graffitis, Murals, Skulpturen oder Aufkleber. Am meisten Informationen erhältst du im Rahmen einer Street Art Tour in Berlin.

Ich habe bereits zwei Touren gemacht und unterschiedliche Anbieter getestet. Hier findest du meinen ausführlichen Bericht zur Street Art Tour in Berlin mit The Hidden Path.

Astronaut Viktro Ash Kreuzberg Berlin
Der bekannte Astronauten von Vitkro Ash in der Mariannenstraße in Kreuzberg
El Mac Kofie Street Art Berlin
El Mac und Kofie sind für dieses Kunstwerk verantwortlich

Sightseeing Fahrradtouren in Berlin

Ich entdecke Städte sehr gern mit dem Fahrrad, um einen ersten Überblick zu bekommen. In Berlin habe ich schon zweimal Touren mit Berlin on Bike unternommen. Einmal eine knapp 3-stündige Fahrradtour entlang der ehemaligen Mauer und einmal eine Individuelle mit anderen Bloggern. Dabei ging es quer durch die Stadt.

Berlin on Bike bietet unterschiedliche Themen-Fahrradtouren durch Berlin an. Eine tolle Art eine Stadt kennenzulernen. Nach langer Überlegung (Kreuzberg & Spreeufer oder Berliner Mauer) entscheiden wir uns für die Fahrradtour „Berliner Mauer“ (Link zur Tour).

Über 20 Jahre nach dem Mauerfall muss man auf Spurensuche gehen, um Überreste der alten Grenzanlagen zu entdecken. Genau diese wollen wir auf dem Fahrrad entdecken.

Die Tour ist ca. 15 km lang und führt von der Kulturbrauerei über den Ort des Mauerfalls, der Bornholmer Straße, bis zum Regierungsviertel. Manche Spuren des „Antifaschistischen Schutzwalls“ sind sichtbar, andere dafür nicht. Unser Guide hält oft an und erzählt uns viele – auch persönliche Geschichten. Manchmal ist es lustig, andere umso trauriger und unfassbarer. So passieren wir ehemalige Grenzübergänge, fahren durch den Mauerpark und machen einen längeren Halt an der Gedenkstätte Bernauer Straße, den einzigen noch intakten Mauerabschnitt mit Wachturm und Dokumentationszentrum.

Durch die Tour auf dem Mauerradweg lernen nicht nur Touristen Berlin von einer anderen Seite kennen.

Ein besonderes Highlight erleben wir am Spandauer Schifffahrtskanal: Wachturm der ehemaligen Führungsstelle Kieler Eck und die Gedenkstätte Günter Litfin.  Er starb am 24. August als erster DDR-Bürger beim Fluchtversuch nach West-Berlin. Litfin wurde beim Durchschwimmen des Humboldt-Hafens mit einem gezielten Kopfschuss erschossen. Im Wachturm selbst befindet sich eine Dauerausstellung zur Situation an der Grenze zwischen 1961 und 1989. Mit Zeitungsartikeln und vielen privaten Fotos. Jürgen Litfin, Bruder des getöteten, führt heute die Gedenkstätte.

Wir haben Glück: Jürgen Litfin ist da und erzählt emotional von den Ereignissen damals. Wie er davon erfuhr, dass sein Bruder auf der Flucht erschossen wurde, er selbst festgenommen wurde und den Sarg seines Bruders gewaltsam öffnete.

Man merkt wie sehr ihn die Ereignisse von damals noch heute emotional aufwühlen. Auch wir sind sprachlos. Bereitwillig antwortet Litfin auf Fragen unserer Mit-Radler, bis er uns höflich bittet zu gehen.

Diese Radtour auf dem geschichtsträchtigen Weg ist ein Erlebnis, welches uns noch lange in Erinnerung bleibt.

Infos zu den Fahrradtouren durch Berlin:

  • Die Touren dauert alle ungefähr 3,5 – 4 Stunden und kosten zwischen 19 – 22 Euro.
  • Berlin ist relativ flach und demensprechend sind die Touren nicht sehr anspruchsvoll.

Weitere Fahrradtouren in Berlin die ich empfehle:

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Berliner Unterwelten – Einblicke in den Untergrund Berlins

Wahre und lebendige Geschichte erlebt man am Besten im Untergrund. Durch die Berliner-Unterwelten Tour erlebten wir eine faszinierende und aufschlussreiche Führung durch die Welt, die unterhalb der Straßen Berlins existiert:

Die 90 Minütige Führung beginnt an einer kleinen unscheinbaren Tür in der Brunnenstraße. Wir müssen viele Treppen hinunterstiegen, gehen durch mehrere Stahltüren und gelangen in einen großen Raum – der Schutzraum. Dieser wurde in den 1980er Jahren für den Fall eines Atomkrieges renoviert. Was uns schockiert: Die Anlage war viel zu leistungsschwach und nie sicher. Im Falle einer Detonation hätte der Bunker einer Rakete nicht standgehalten. Falls doch hätte das schlechte Lüftungssystem für den sicheren Tod gesorgt.

Zum Glück wurden diese Bunker nie gebraucht.

Direkt im U-Bahnhof Gesundbrunnen gehen wir durch eine weitere unscheinbare Tür. Hunderte von Menschen laufen täglich an der grünen Tür vorbei, ohne zu ahnen, dass dahinter ein weiterer sich auf 4 Etagen erstreckender Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg verborgen ist. Berlins Untergrund ist löchrig wie Schweizer Käse!

Die Atmosphäre ist futuristisch, steril und zugleich beengend: dicke weiße Mauern und ebenso dicke Tore aus Stahlbeton sowie die kalten Stahlbeschläge verursachen ein mulmiges Gefühl. Drängelsperren, große Schlafsäle -vollgestellt mit Vierstockbetten. Das Schicksal der Überlebenden eines Atomkrieges wird einem vor Augen geführt.

Zu hören ist nur das Surren der Lüftungsanlagen – damals wohl noch das Dröhnen der Bomber am Himmel und die dumpfen Schläge der Detonationen.

Die Führung zeigt Krankenhausbetten, sanitäre Einrichtungen, Abwasser- und Filtersysteme, Schlafsäle mit eng aneinander stehenden Stockbetten, die Küche mit kompletter Einrichtung und Konservendosen, Bunkeruniformen und Überbleibsel aus dem Krieg (Helme, Knöpf, Kondome…).

Die weitere schockierende Nachricht: Dieser zweite Bunker hätte die Schutzsuchenden nach 14 Tagen automatisch zwangsgeräumt. Nach einem Atomaren Angriff hätte der Bunker das Leben seiner Insassen lediglich um 2 Wochen verlängert und sie anschließend dem sicheren Tod ausgeliefert. Erschreckend.

Die von uns besuchte Tour war Tour 1 da Tour M – Mauerdurchbrüche an diesem Tag schon ausgebucht war. Denn: Hier gibt es keinen Vorverkauft, wer zuerst kommt mahlt zuerst. Außerdem ist keine Kartenzahlung – Nur Barzahlung möglich!

Infos zur Berliner-Unterwelten-Tour:

Die Touren im Überblickt hier ansehen: Berliner Unterwelten Führungen http://berliner-unterwelten.de)

Der Kartenverkauf erfolgt am Tag der Führung am Pavillon neben dem Eingang des U-Bahnhofs Gesundbrunnen (vor „Kaufland“, Ausgang → Humboldthain, Brunnenstraße).

Kontakt: Brunnenstraße 105; 13355 Berlin Wedding; Tel.: 030 – 49910518; E-Mail: [email protected]

Eingang Unterwelt
Der unscheinbare Eingang zum Schutzbunker
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Leuchtfarbe im Falle eines Stromausfalls markieren die Wege

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Spreerundfahrt mit dem Schiff

Eine Lieblingsbeschäftigung an Sonntagen ist eine Spreerundfahrt. Hier trefft ihr nicht nur Touristen sondern Berliner aller Altersklassen. Bei schönem Wetter genießen sie ihre Stadt vom Wasser aus, trinken Berliner Weiße und essen Kuchen. Manch einer nutzt die Bootstour an der frischen Luft auch nur, um den Kater vom Vortag zu vertreiben.

Wir suchen uns die „Große Brückenfahrt“ aus. 23 km lang durch Spree und Landwehrkanal, Dauer ca. 3.5 Stunden. Die Sonne scheint. Wir suchen uns ein gemütliches Plätzchen an Deck des Schiffes aus.

Wir legen ab und fahren in einem großen Kreis durch Charlottenburg, Moabit, Mitte, Friedrichshain und Kreuzberg. Zahlreiche Sehenswürdigkeiten ziehen an uns vorbei: Regierungsviertel, Kanzleramt, Hauptbahnhof, Reichstag, Museumsinsel, der Berliner Dom und das Nikolaiviertel.

In Kreuzberg fahren wir unter der Oberbaumbrücke durch, sehen die berühmte East-Side-Gallery und am Ufer gegenüber die neuen Kreativ-Zentren. Ab hier schippert wir über den Landwehrkanal entlang prunkvollen Altbauten und vielen Cafés am Ufer.

Unterhalten werden wir von einem älteren Berliner mit einer richtig geilen Berliner Schnautze. Er bringt uns öfter zum lachen und es wird wirklich nicht langweilig.

Wusstest ihr schon…

…es soll in Berlin mehr Brücken wie in Venedig geben! Alleine 63 Brücken unterfährt man bei dieser Tour.

Infos zur Tour:

Die Rundfahrt ist eine „Sternfahrt“ was bedeutet, dass ihr an verschiedenen Schiffs-Anlegestellen ein- und  – wenn es euch zu lange dauert – wieder aussteigen könnt.

Dauer: ca. 3- 3,5 Stunden

Sehenswürdigkeiten die man auf der Tour sieht:
Moabit, Hansabrücke, Innenministerium, Schloss Bellevue, Siegessäule, Haus der Kulturen der Welt, Bundeskanzleramt, Moltkebrücke, Reichstagsgebäude, Bahnhof Friedrichstraße, Museumsinsel, Alte Nationalgalerie, Berliner Dom, Fernsehturm, Nikolaiviertel, Mühlendammschleuse, Märkisches Museum, East Side Gallery, Oberbaumbrücke, Treptowers, Oberschleuse, Urbanhafen, Deutsches Technikmuseum, Potsdamer Platz, Staatsbibliothek, Philharmonie, Neue Nationalgalerie, Gemäldegalerie, Shell-Haus, Villa van der Heydt, Bauhaus-Archiv, Zoo, Unterschleuse, Charlottenburger Tor

Preise:
Erwachsene: 21 Euro
Kinder: 10,50 Euro

Detaillierte Infos: Reederei Riedel (http://reederei-riedel.de)

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Jüdisches Museum Berlin

Das Museum selbst ist ein architektonisches Meisterwerk von Daniel Libeskind. Das Gebäude ist längst zu einem Wahrzeichen Berlins geworden. Schon lange wollte ich das Museum besuchen und wurde immer wieder von Freunden darauf hingewiesen, dass ich unbedingt die Ausstellung besuchen muss.

15 Jahre nach Eröffnung habe ich es endlich geschafft. Das Museum selbst zeigt als Dauerausstellung über zwei Jahrtausende deutsch-jüdische Geschichte. Von handgeschriebenen Briefen bis zu Alltagsgegenständen, Fotos und Einrichtungsgegenständen. Das Museum ist lebendig und überhaupt nicht langweilig. Schnell vergeht die Zeit und die Geschichten gehen unter die Haut.

Infos zum Jüdischen Museum Berlin:

  • Tickets: Erwachsene 8 Euro, ermäßigt 3 Euro.
  • Audioguide: Ich empfehle dir, den Audiguide zu nutzen. Sehr informativ und man muss nicht alles selbst nachlesen.
  • Führungen: Jeden Samstag (15 Uhr) und Sonntag (11 Uhr) finden Führungen statt.
  • Öffnungszeiten: täglich 10 – 20 Uhr, montags bis 22 Uhr.
  • Öffentliche Verkehrsmittel: U1, U6 Hallesches Tor oder U6 Kochstraße.
  • Webseite

Kostenlose Sehenswürdigkeiten und Touren in Berlin

Grenzerfahrungen – Alltag der deutschen Grenzteilung

Großbildprojektion am Reichstagsufer immer von Juli bis Oktober

6 Kommentare

  • Oh, ja, die Bootstour ist nett. Mache ich auch bei jedem zweiten Berlinbesuch, zumindest die 1-h-Tour, wenn die Zeit reicht aber auch die 3,5h Tour über Spree und Landwehrkanal ;) Kenne die wahrscheinlich schon auswenig… zuletzt die kurze im November *brrrr*

    Untergrundtour klingt nach etwas, was ich im Sommer mal machen will :)

  • Danke für die tollen Ausflugstipps. Die Untergrundtour klingt sehr spannend. Allein die Vorstellung lässt mir einen kalten Schauer über den Rücken laufen. Ich glaube, ich muss mal wieder nach Berlin. :-)

    • Danke Mandy! Beim nächsten Besuch möchte ich noch ne andere Unterwelten-Tour machen. Zur ITB war ja leider die Zeit zu knapp. Den gesamten Mauerweg mit dem Rad abfahren hört sich super an. Wenn ich mal länger in Berlin bin ne gute Option.

  • Hallo Katrin,
    ich plane gerade gerade ein verlängertes Wochenende in Berlin und bin dabei auf die Berlin Welcome Card gestoßen. Sie beinhaltet das Fahren mit den öffentlichen Verkehrsmittel und Rabatte für viele Sehenswürdigkeiten. Für 48 Stunden kostet sie 19,90 €. Außerdem sind Kinder bis 14 Jahren umsonst. Wir haben eine Radtour bei Free Berlin reserviert und können mit der Berlin Welcome Card schon 14 € sparen. Vielleicht kann dieser Tipp deinen Lesern helfen.
    Viele Grüße
    Karin

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