Inhalt
Das Wichtigste in Kürze
- Für scharfe Mondfotos nutze ich eine Systemkamera mit Teleobjektiv. Mit längerer Brennweite bekommst du den Mond größer ins Bild, ein Teleskop zeigt noch deutlich mehr Details.
- Als Ausgangspunkt funktionieren ISO 100, Blende f/8 bis f/11 und etwa 1/60 bis 1/125 Sekunde gut. Die genaue Einstellung hängt von Mondphase und Helligkeit ab.
- Ein stabiles Stativ und ein sauber gesetzter Fokus sind wichtiger als teure Ausrüstung. Ich fokussiere den Mond am liebsten manuell über die vergrößerte Live-View-Ansicht.
- Für sichtbare Kraterstrukturen fotografiere ich lieber kurz vor Vollmond als exakt bei Vollmond. Durch das seitlichere Licht treten die Konturen stärker hervor.
- Mit dem Smartphone sind die Möglichkeiten begrenzt. Digitaler Zoom ersetzt kein Teleobjektiv, außerdem rechnen manche Smartphones bei Mondaufnahmen Details per Software hinzu.

Welche Kamera und Objektive brauche ich, um den Mond zu fotografieren?
Für scharfe Mondfotos brauchst du keine teure Profi-Ausrüstung, aber ganz ohne Zoom bleibt der Mond ein kleiner heller Punkt am Himmel. Ein Teleobjektiv oder ein Teleskop ist also Pflicht.
Welche Kamera brauchst du?
Eine Systemkamera mit Telezoom reicht für gute Ergebnisse aus. Ich fotografiere den Mond aktuell mit meiner Sony Alpha 7 IV und bin mit den Aufnahmen zufrieden.
Noch mehr Details bekommst du mit einem Teleskop und Kamera-Adapter. Mein Bruder besitzt schon lange ein Omega 90/1000 EQ-2. An dieses kannst du mit passendem Adapter deine Kamera anschließen und somit quasi durch das Teleskop fotografieren. Seine Bilder zeigen deutlich mehr Strukturen und Krater als meine Aufnahmen mit dem Telezoom.
Für mich lohnt sich die Anschaffung eines Teleskops trotzdem nicht. Dafür fotografiere ich den Mond zu selten. Mit meinem Teleobjektiv bin ich für meine Zwecke völlig zufrieden.
Welche Objektive eignen sich?
Je länger die Brennweite, desto größer bekommst du den Mond ins Bild. Mit Vollformat würde ich ab etwa 300 mm anfangen. Bei einer Kamera mit Crop-Sensor kommst du auch mit weniger Brennweite gut zurecht.
Ich nutze zwei Varianten:
- ein 100–400-mm-Telezoom
- mein 70–200 mm mit 2-fach-Konverter, also effektiv 140–400 mm
Da das 70-200 mm ein lichtstärkeres Objektiv ist, sind die Aufnahmen damit und Konverter schärfer als mit dem nativen 100–400er. Daher habe ich das 100-400 mm kaum noch im Einsatz.
Welches Stativ brauchst du?
Wenn du den Mond ohne Verwacklung fotografieren möchtest, solltest du unbedingt ein Stativ nutzen. Mein liebstes Kamerastativ ist von Peak Design (Travel Tripod).
Wichtig für Sony-Nutzer: Ich schalte den Bildstabilisator beziehungsweise Steady Shot aus, sobald die Kamera auf dem Stativ steht. Sonst kann es passieren, dass die Stabilisierung selbst leichte Unschärfen verursacht.
Welches Modell sich auf Reisen eignet, findest du in meinem Reisestative-Test.
Vorbereitung: Die richtigen Kamera-Einstellungen zum Mond fotografieren
Als Ausgangspunkt kannst du dich an der Looney-11-Regel orientieren: Blende f/11, ISO 100 und etwa 1/125 Sekunde. Von dort passe ich die Werte an die Helligkeit des Mondes und die jeweilige Situation an.
Warum der Mond schnell überbelichtet
Der Mond wirkt am dunklen Nachthimmel deutlich dunkler, als er tatsächlich ist. Die Belichtungsmessung der Kamera kommt damit nicht immer gut zurecht. Das Ergebnis ist dann schnell eine helle weiße Scheibe ohne erkennbare Krater.
Deshalb fotografiere ich den Mond nicht im Automatikmodus, sondern stelle Belichtung und Fokus selbst ein.
Meine Kamera-Einstellungen als Ausgangspunkt
- ISO: 100, bei Bedarf bis 400
- Blende: f/8 bis f/11
- Verschlusszeit: etwa 1/60 bis 1/125 Sekunde
- Format: RAW
- Fokus: manuell (empfohlen) oder mit kleinem Autofokusfeld direkt auf den Mond (weniger empfohlen)
- Auslösung: 2-Sekunden-Selbstauslöser, Fernauslöser oder App
- Stativ: bei langer Brennweite ein Muss und empfehlenswert
Die Werte sind keine festen Regeln. Je nach Mondphase, Objektiv und Helligkeit kann es sinnvoll sein, etwas davon abzuweichen.
So fokussiere ich den Mond
Mit aktuellen Kameras funktioniert der Autofokus beim Mond erstaunlich gut. Der Mond ist hell genug, sodass du mit einem kleinen Fokusfeld oder einer Spotmessung direkt auf die Oberfläche zielen kannst.
Ich fokussiere bei Nachtaufnahmen trotzdem meistens manuell. Das empfehle ich allerdings vor allem dann, wenn die Kamera auf einem Stativ steht.
Bei Systemkameras kannst du das Bild beim manuellen Fokussieren stark vergrößern. So sehe ich im Sucher oder auf dem Display ziemlich genau, wann Krater und Mondrand wirklich scharf sind.
Auch hier gilt: ausprobieren und üben. Je öfter du den Mond fotografierst, desto schneller bekommst du ein Gefühl dafür, wann der Fokus wirklich sitzt.
Wichtig: Lösche vor Ort keine Fotos. Auf dem kleinen Kameradisplay sehen Bilder oft ganz anders aus als später am Computer. Eine leicht unterbelichtete Aufnahme kann sich bei der Bearbeitung als die beste herausstellen. Kleine Verwackler erkenne ich unterwegs ebenfalls nicht immer sofort.
Verwacklungen vermeiden
Bei langer Brennweite reichen schon kleinste Bewegungen aus, um das Bild unscharf zu machen.
Ich achte deshalb auf zwei Dinge:
- Kamera auf ein stabiles Stativ
- mit mindestens 2 Sekunden Verzögerung, Fernauslöser oder App auslösen
Schon das Drücken des Auslösers kann bei 300 oder 400 mm zu kleinen Verwacklungen führen.
Bei meiner Sony schalte ich außerdem den Steady Shot aus, sobald die Kamera auf dem Stativ steht.
Das Timing, Lichtverschmutzung und Apps
Wann ist die beste Zeit für Mondfotos?
Als Erstes prüfe ich die Mondphase. Für sichtbare Krater fotografiere ich den Mond am liebsten 1 bis 2 Tage vor Vollmond. Dann fällt das Licht etwas seitlicher auf die Oberfläche und die Konturen treten stärker hervor.
Hier findest du einen Online Mondkalender (oder sieh dir meine Tipps für praktische Apps an).
Genauso wichtig ist das Wetter. Ideal ist ein klarer oder nur leicht bewölkter Himmel.
Auch die Luftqualität spielt eine Rolle. Je ruhiger und klarer die Luft, desto besser werden die Details. Bei Dunst, Staub oder viel Feuchtigkeit können die Aufnahmen trotz guter Kamera-Einstellungen weich wirken.
Das habe ich selbst schon bei der Astrofotografie erlebt: Wir waren an einem der dunkelsten Orte in Baden-Württemberg, um die Milchstraße zu fotografieren. Das Wetter sah perfekt aus. Gleichzeitig fuhren tagsüber und teilweise noch nachts Mähdrescher über die umliegenden Felder. Der Staub hing in der Luft und die Bilder waren deutlich weniger klar, als wir erwartet hatten.
Für mich gehört deshalb zur Nachtfotografie immer auch ein Blick auf Wetter, Luft und Umgebung.
Lichtverschmutzung prüfen
Für Mondfotos ist ein komplett dunkler Himmel weniger wichtig als bei der Milchstraße. Trotzdem suche ich möglichst einen Standort ohne helle Straßenlaternen oder starkes Umgebungslicht direkt neben mir.
Hier findest du eine gute Karte zur Lichtverschmutzung
Für die Planung nutze ich Karten zur Lichtverschmutzung wie:
- Lightpollutionmap
- Darkside finder
- Dark Sky Map App (Android und App Store)
Apps für Mondphasen und Planung
Ich nutze mehrere Apps, je nachdem, was ich gerade planen möchte:
- Sky Guide: zeigt Sternbilder, Planeten, Milchstraße und die Position des Mondes
- PhotoPills: meine umfangreichste App für Mondphasen, Mondaufgang, Sonnenuntergang und genaue Planung
- Sun Surveyor: ähnlich wie PhotoPills, mit übersichtlichen Angaben zu Auf- und Untergang
- SolarWatch: im Pro-Modus ebenfalls hilfreich für Sonnen- und Mondplanung
- Sky Live: zeigt eine Vorschau der Bedingungen für die Nacht
- Meteoblue Astronomical Seeing: hilfreich für Wolkendecke und Bedingungen in höheren Luftschichten
- WeatherPro: nutze ich zusätzlich für die normale Wetterprognose
Welche App dir am besten liegt, musst du selbst ausprobieren. Bei Wetter-Apps gehen die Meinungen sowieso auseinander. Mein Bruder schwört auf Yr, ich auf WeatherPro. Nach meiner Erfahrung hat WeatherPro auf meinen Reisen weltweit oft sehr zuverlässig vorhergesagt, wie stark die Bewölkung tatsächlich wird.
Mondbilder richtig bearbeiten
Um die RAW Entwicklung zu machen, nutze ich fast immer Adobe Lightroom Classic. Seltener Adobe Photoshop. Du kannst natürlich auch andere Tools nutzen, ich bin einfach seit meiner Ausbildung zur Mediengestalterin Hardcore-Anwenderin aller Adobe Grafikprogramme und besitze daher die komplette Adobe Cloud.
Nachdem ich die Fotos importiert habe, wechsele ich in den Entwickeln-Modus. Zuerst klicke ich einmal den „automatisch“-Button und schaue, was passiert. Manchmal sind die Ergebnisse dann schon ziemlich gut.
Ich gehe mit den Höhen immer ein bisschen nach unten, bei den Tiefen ein wenig nach oben. Manchmal ergibt es auch Sinn, ein wenig nachzuschärfen.
Vermeide aber ein Überschärfen! Spiele mit dem Kontrast und der Struktur ein wenig. Die Funktion „Dunst vermeiden“ nutze ich nie bei der Mondfotografie.
Ist ein Foto unscharf oder verwackelt? Dann lösche es gleich vom Datenträger.
FAQ: Häufige Fragen zur Mond-Fotografie
Für den Mond selbst als Motiv sind 1 bis 2 Tage vor Vollmond ideal, das seitliche Licht zeigt die Krater am deutlichsten. Willst du dagegen die Milchstraße oder einzelne Sterne fotografieren, ist Neumond die bessere Wahl, dann stört kein Mondlicht den dunklen Nachthimmel.
Bei der Astrofotografie fotografierst du in Neumond-Nächten mit langen Belichtungszeiten, offener Blende und Weitwinkelobjektiv, etwa für die Milchstraße. Bei der Mondfotografie ist es umgekehrt: kurze Belichtungszeiten, geschlossene Blende und ein Teleobjektiv. Wie du die Milchstraße fotografierst, habe ich in einem eigenen Beitrag beschrieben.
Ja, aber die Ergebnisse bleiben begrenzt. Ohne optischen Zoom bleibt der Mond ein kleiner heller Fleck, und der digitale Zoom bringt kaum mehr Details. Viele aktuelle Smartphones gleichen das mit KI aus und rechnen bei starkem Zoom Details in den Mond hinein, die der Sensor gar nicht aufgenommen hat, das ist inzwischen gut dokumentiert. Ich finde das nicht schön, ehrlich gesagt: Das ist dann kein Foto mehr, sondern eine Illustration. Willst du den Mond wirklich mit dem Handy fotografieren, hilft am ehesten ein Adapter, der dein Smartphone an ein Teleskop oder Fernglas koppelt.
Weitere Tipps & Zubehör
Mondfinsternis
Eine Mondfinsternis tritt nur bei Vollmond auf. Die Erde steht dann zwischen Sonne und Mond und wirft ihren Schatten auf den Mond. Je nachdem, wie weit der Mond in diesen Schatten eintaucht, handelt es sich um eine Halbschatten-, partielle oder totale Mondfinsternis.
Die nächste gute Gelegenheit gibt es bereits am 28. August 2026. Dann ist auch über Deutschland eine partielle Mondfinsternis zu sehen. Die Halbschattenphase beginnt gegen 3:23 Uhr, die partielle Phase gegen 5:12 Uhr MESZ. Je nach Standort geht der Mond allerdings schon während der Finsternis unter.
Für Fotos kannst du zunächst mit ähnlichen Einstellungen starten wie bei meinen normalen Mondaufnahmen. Sobald sich der Mond stärker verdunkelt, musst du allerdings reagieren. Ich erhöhe dann zuerst den ISO-Wert und passe bei Bedarf die Verschlusszeit an.
Das ist der Punkt, an dem ich nicht stur an einer Einstellung festhalten würde. Kontrolliere die Fotos immer wieder und passe die Belichtung an. Während einer Mondfinsternis verändert sich die Helligkeit deutlich.
Stativ und manueller Fokus bleiben für mich dabei Pflicht. Gerade bei längeren Brennweiten würde ich außerdem weiterhin mit Selbstauslöser, Fernauslöser oder App fotografieren.
Blutmond fotografieren
Als Blutmond wird umgangssprachlich der rötlich gefärbte Mond während einer totalen Mondfinsternis bezeichnet. Der Mond befindet sich dann vollständig im Kernschatten der Erde.
Ganz dunkel wird er trotzdem nicht. Sonnenlicht wird durch die Erdatmosphäre gebrochen und vor allem der langwellige rote Anteil erreicht noch die Mondoberfläche. Dadurch kann der Mond kupferrot bis dunkelrot aussehen.
Die partielle Mondfinsternis im August 2026 ist kein Blutmond, denn der Mond taucht nicht vollständig in den Kernschatten ein.
Auf einen echten Blutmond müssen wir in Deutschland noch etwas warten: Die nächste totale Mondfinsternis, die hier zu sehen ist, findet am 31. Dezember 2028 statt. Die totale Phase beginnt gegen 17:16 Uhr und endet gegen 18:27 Uhr MEZ.
Das finde ich fotografisch deutlich spannender. Allerdings ist der Mond während der Totalität wesentlich dunkler als bei einem normalen Vollmond. ISO 100 und 1/125 Sekunde werden dann in der Regel nicht mehr funktionieren. Hier musst du die Einstellungen während der Finsternis immer wieder anpassen.
Weitere Mondfinsternisse
Falls das Wetter im August 2026 nicht mitspielt, gibt es in den kommenden Jahren weitere Gelegenheiten:
- 20. Februar 2027: Halbschatten-Mondfinsternis
- 12. Januar 2028: partielle Mondfinsternis
- 6. Juli 2028: partielle Mondfinsternis
- 31. Dezember 2028: totale Mondfinsternis und damit Blutmond
Eine Halbschattenfinsternis ist fürs Fotografieren weniger spektakulär. Dabei wird der Mond nur etwas dunkler, teilweise fällt der Unterschied mit bloßem Auge kaum auf.
Buchtipp zur Astrofotografie
Wenn du tiefer in die Astrofotografie einsteigen möchtest, kann ich dir das Buch Astrofotografie empfehlen. Darin wird nachvollziehbar erklärt, wie du Mond, Milchstraße und Sterne fotografierst.
Spannend wird es, wenn du noch mehr ausprobieren möchtest. Auch Kometen, die ISS, Galaxien und Nebel werden behandelt. Dazu gibt es Tipps, wie du deine Kamera speziell für Astrofotografie einsetzen oder sogar modifizieren kannst.
Fazit und Zusammenfassung
"Übung macht den Meister!", wie man so schön sagt. Auch ich bin kein Foto-Profi und habe es nur durch viel Übung geschafft, scharfe Fotos des Mondes zu machen. Die Mondfotografie ist (finde ich) ideal für Einsteiger, um schnell tolle Ergebnisse zu bekommen. Weitaus anspruchsvoller finde ich die Fotografie der Milchstraße. Denn einen Stern manuell zu fokussieren ist nicht so einfach...
Hier habe ich einen Artikel geschrieben und erkläre, wie du auch die Sterne und Milchstraße einfach fotografieren kannst.
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Das sagen unsere Leser
1 KOMMENTARDiana Schäfer
2. Dezember 2020 um 18:41 UhrHallo, Katrin sehr fundierter Artikel, danke! Ich werde diese beim nächsten Vollmond ausprobieren. LG Diana