Ein Wochenende in Schmalkalden-Meiningen

Thüringen, da fällt uns ein: Rostbratwurst, Wartburg, Goethe. Doch der Freistaat ist derart groß, dass es lohnt, sich dezidierter mit ihm zu beschäftigen. Wir haben uns für drei Tage in den Südwesten – genauer gesagt in die Region Schmalkalden-Meiningen – begeben und können jetzt schon sagen: Es gibt viel zu sehen, zu erklimmen und zu verspeisen! Auf geht’s ...

Angrenzend an Bayern und Hessen erstreckt sich Schmalkalden-Meinigen von der Rhön bis zum Weser-Ableger Werra. Wir konzentrieren uns hier auf das Städtchen Schmalkalden, das vor Architektur, Geschichte, Kultur und Natur nur so strotzt, und seine Umgebung.

Street-Art & Kultur

Fachwerk, Schlösser, Kirchen und Burgen ... und moderne Street Art! Wie diese Fledermaus von Street-Artist ROA.

Fledermaus von ROA

Fachwerke abbummeln

Schon auf den ersten paar hundert Metern fallen uns die wunderschönen Fachwerkhäuser auf. Die Stadt gehört zur sogenannten „Fachwerkstraße“, überall ragen kleine und große, mal stattliche und mal ein bisschen krumme Bauwerke in die kleinen, äußerst gepflegten Straßen.

Besonders im Sonnenauf- und Untergang sehen die wunderbar gepflegten Häuser eindrucksvoll aus.

An einer besonderen Stadtführung teilnehmen

Wir sind sonst eher die „Auf-eigene-Faust“-Typen, aber diesmal ist es absolut empfehlenswert, sich eine Stadtführung von Norbert Hospes (am besten direkt nach ihm fragen) geben zu lassen.

Der schmeißt sich nämlich nicht nur stadthistorisch in Schale – uns mimte er den hiesigen Nougatrevolutionär Willi Viebahn – sondern glänzt mit einem Wissen und Anekdoten, die Seinesgleichen suchen.

Sehr unterhaltsam, absolut kurzweilig, und das Beste: Man ist sofort gefangen von der Vielschichtigkeit des Ortes. Oder wusstest du, was eine „Ofensau“ ist, wie eine „Kacknase“ aussieht oder woher der Begriff „steinreich“ kommt?

Street-Art entdecken

Neben den Fachwerkschönheiten finden sich zwischen den Häuserzeilen mal kleine, aber auch großflächige Street-Art-Malereien, die sich zum Teil mit der Geschichte der Stadt, zum anderen Teil mit dem Genozid des Zweiten Weltkrieges auseinandersetzen.

So ist es eindrucksvoll wie ergreifend, wenn uns ein hausfassadengroßes Porträt von Magda Brown, die als 17-Jährige nach Auschwitz und später nach Buchenwald deportiert wurde, mit den mahnenden Worten „Ich teile meine Geschichte, um diese Generation an die Gefahren von Hass, Vorurteilen und Diskriminierung zu erinnern“ anschaut. Gemalt hat das „Akut“, einer der weltweit renommiertesten Street-Art-Künstler.

Eine andere Fassade zeigt eine Darstellerin des Films „The Day the Clown Cried“ von Jerry Lewis; dieser filmische Versuch, das Dasein eines Clowns in einem KZ festzuhalten, hat nie das Licht der Öffentlichkeit erblickt. Umso wichtiger, dass seine traurige Geschichte hier optisch festgehalten wird.

Aber auch zwischen den Straßen und Häusern finden sich immer wieder mal Malereien. Augen auf beim Schmalkalden-Lauf!

Das Schloss Wilhelmsburg bewundern

Nur wenige hundert Meter vom Schmalkaldener Marktplatz entfernt findet sich das über den mittelalterlichen Stadtkern lugende Schloss Wilhelmsburg.

Hier lebt und atmet die Renaissance, nahezu alles ist noch im Originalzustand. Das fällt vor allen Dingen im mit merklich viel Liebe und Sorgfalt zusammengetragenen Schlossmuseum auf, das einen quer durch das gesamte Gebäude, durch all die gründlich restaurierten Räume des Prachtbaus schickt.

Im Museum finden sich auch wechselnd kuratierte Ausstellungen neuer Künstler. In unserem Fall konnten wir die teils abgründigen, teils fantastischen und das Altertümliche mit dem Jetzt verbindenden Ölmalereien des in Berlin lebenden vietnamesischen Künstlers Nguyen Xuan Huy bewundern.

Besonders hübsch ist die Schlosskirche, die regelmäßig Konzerte veranstaltet. Im Zentrum der Aufmerksamkeit: Eine der ältesten noch bespielbaren Renaissance-Orgeln in Zentraleuropa. Wir hatten das Glück, dass der Organist sich bei unserem Besuch auf den Abend vorbereitete; ein Wahnsinnsklang!

Natur & Wandern

Im direkten Umland räkelt sich der Thüringer Wald und das Mittelgebirge um die Stadt – auch hier gibt es so einiges zu sehen!

Wanderweg zum Bergsee Ebertswiese

Vom Nachbarort Floh führt ein prächtiger Rundwanderweg zum kleinen, malerisch gelegenen Bergsee Ebertswiese.

Die knapp 12 Kilometer lange Route führt über den auf 590 Höhenmeter gelegenen Maßkopf mit eindrucksvollem Blick auf das Tal weiter durch den dichten Tannenwald, stetig bergauf, bis das kühle Wasser des Sees die nötige Abkühlung bringt.

Nach dem Planschen lockt Kurti’s Baude mit einer Bratwurst und einem Radler, bevor es über Berge und Wiesen bergab zurück nach Floh geht.

Neben dieser etwas herausfordernden Route gibt es allerdings noch zahlreiche weitere Wanderwege durch die Region – am besten beim Touristenzentrum oder im Internet informieren.

Besucherbergwerk Finstertal

Wenige Autominuten von Schmalkalden entfernt lädt das ehemalige Eisenerz-Bergwerk Finstertal zu einem geführten Besuch ein.

Nicht nur die schmalen, zum Teil haarsträubenden Gänge und Werkzeuge verdeutlichen, welche Plackerei das damals war, auch echte Naturphänomene begeistern das Auge: So lässt sich hier mit kurzwelligem UV-Licht fluoreszierendes Gestein finden. Weltweit einzigartig!

Mit dem bloßen Auge sieht es aus, als befände man sich tief im Weltraum, mit der Kamera ist das aber nur schwerlich einzufangen. Unbedingt mit eigenen Augen sehen!

Hochofen-Museum „Neue Hütte“

Das, was aus den Eisenerz-Bergwerken der Umgebung abgebaut wurde, ließ man im Hochofen „Neue Hütte“ schmelzen und zu einem echten Wahrzeichen der Stadt avancieren: das Schmalkaldener Werkzeug.

Das „VEB Werkzeugkombinat Schmalkalden“ war der bedeutendste Werkzeughersteller der DDR, vorrangig deshalb, weil das hier abgebaute Eisenerz einen enorm hohen Mangananteil besaß, was dem Eisen eine Struktur und Festigkeit verlieh, die an Stahl erinnerte.
Das Museum umläuft den gigantischen Hochofen – der schlappe vier Tage brauchte, bis er Betriebstemperatur hatte! – in mehreren Etagen.

Burg Wallenburg im Trusetal

Inmitten eines dichten Waldes, etwa eine Auto-Viertelstunde nördlich von Schmalkalden, findet sich die Burg Wallenburg.

Etwa 120 Stufen trennen den Besucher von einem herrlichen Blick über den Thüringer Wald, am Fuße des Turms lockt die Turmbaude mit rustikalen Speisen und Kreuzberger Dunkelbier.

Kulinarische Highlights

Thüringen steht für deftig-rustikale Küche, und auch Schmalkalden und Umgebung lassen sich in Sachen mütterlicher Hausmannskost nicht lumpen. Hier ein paar Tipps.

1. Die Thüringer Rostbratwurst

Die Thüringer Rostbratwurst ist geschützt und muss laut einer EU-Verordnung mindestens 15 Zentimeter lang sein, mittelfein gewolft und im engen Naturdarm verschnürt werden, bevor sie roh oder gebrüht auf den Holzkohle- oder Gasgrill, niemals aber (!) in die Pfanne kommt.

Was auch nicht viele wissen: Der Thüringer Rennsteig wird in hiesigen Kreisen als „Kümmeläquator“ bezeichnet. Heißt: Nördlich davon wird Kümmel in die Thüringer Bratwurst getan, südlich – da, wo wir uns befanden – nicht. Ein Direktvergleich war uns leider nicht möglich, aber wir möchten behaupten, dass wir den Kümmel nicht vermissten.

Gerade im Sommer finden sich an jeder Straßenecke kleine Bratwurst-Stände – und mit dem Thüringer BORN-Senf schmecken sie mehr als köstlich. Für den Wurst-Snack zwischendurch – zum Beispiel als Wegzehrung bei einer Wanderung – empfehle ich die köstlichen dünnen und dicken Knacker der Fleischerei Pfannstiel, gleich beim Marktplatz. Wir waren zwei mal da!

2. Klöße, Gulasch, Braten & Rouladen

Thüringer Gastfreundlichkeit sowie hervorragende Klöße – hier auch als „Hütes“ bezeichnet – finden sich im Schmalkaldener Ratskeller sowie – so sagt man sich, aber bei unserem Besuch leider aufgrund von Corona noch geschlossen – im Gasthof Zum Kirchhof mit tollem Blick auf die umliegenden Fachwerkarchitektur. Besonders zum Sonnenuntergang strahlt der Planet romantisch zwischen den Gebäuden hindurch.

Wer mal Abwechslung von deutscher Fleischeslust sucht, dem sei das MAYKEL'S empfohlen. Hier findet auch der Vegetarier sein Glück mit Flammkuchen und Vegi-Burgern.

Außerhalb von Schmalkalden locken der Berggasthof Queste, das Teichhotel sowie das im tiefen Grün gelegene Waldhotel Ehrental mit feinen Deftigkeiten.

Weiter nördlich – im Trusetal, unweit der Wallenburg – gibt es mit dem Berggasthof und Pension Hohe Klinge die wohl fantastischste Aussicht über das Tal. Der Weg – und die Reservierung, ohne geht gar nichts – lohnt sich.

Ein wichtiger Hinweis bzgl. der Öffnungszeiten: Anders als in nachteuligen Großstädten schließen die Restaurants in dieser Region schon früher als man vermuten könnte. Oft ist die Küche bereits um ca. 20 Uhr kalt. Es empfiehlt sich also, früh zu speisen – ist eh gesünder ...

3. Süßes in der Viba-Nougat-Welt

Gerade mit Kindern schön: ein Besuch in der Viba-Nougat-Welt. Bereits seit dem 19. Jahrhundert wird im Landkreis Schmalkalden-Meiningen der weltbekannte Nougat produziert.

Den Anfang machten Willi Viebahn und seine Schwester Anna Reim mit einem Kaffeehaus in Schmalkalden. Damals wurde der Nougat noch in Riegel verpackt – bis Viebahn bei einem Gespräch mit einem Zigarrenhersteller auf die Idee kam, seinen Nougat als runde Stangen zu verkaufen. Das brachte den Erfolg, und seitdem sind Schmalkalden und Nougat nicht mehr voneinander zu trennen.

Mehr zur Geschichte und natürlich zahlreiche Proben für den berühmten Nougat gibt’s in der Viba-Nougat-Welt zu sehen und verkosten. Ein kleiner Rundgang durch das Museum im ersten Stock lohnt sich ebenfalls.

Fazit zu Schmalkalden-Meiningen

Lasst es mich so sagen: Als wir in der Stadt waren fand gerade das jährliche Schmalkaldener Weinfest statt. Zu späterer Stunde kam uns ein etwas angetrunkener, aber überaus fröhlicher Weinfreund entgegen und rief in den Nachthimmel: „Ich liebe meinen Osten – ich liebe Schmalkalden!“ – besser hätten wir es nicht ausdrücken können. Es lohnt sich also, diese Thüringer Prachtregion auf die Liste seiner Reiseziele zu packen.

Häufige Fragen

Wie komme ich nach Schmalkalden-Meiningen?

Mit dem Zug ist’s eher schwierig, zumal man sich vor Ort der Reiseflexibilität beraubt. Wir empfehlen die Anreise mit dem Auto.

Wie reise ich in der Region?

Auch hier empfiehlt sich das Auto. Wir haben einige mutige Menschen mit dem Fahrrad gesehen; wer sportlich ist und keine Angst vor dem Mittelgebirge sowie ausreichend Zeit hat, der kann das gerne probieren.

Wie lange brauche ich für Schmalkalden-Meiningen?

Wir haben uns ausschließlich auf die Stadt Schmalkalden und Umgebung konzentriert, und wenn man das ganze oben beschriebene Paket abdecken will, sollte man schon zwei bis drei Nächte einplanen. Empfehlenswert ist dann die Weiterreise in andere Städte wie zum Beispiel Oberhof oder Meiningen.

Hotel-Tipps für Schmalkalden

Wir nächtigten im Hotel Grünes Tor, einem hübschen Fachwerk-Hotel mit kleinem, aber hervorragendem Frühstück – das lag vorrangig an den wohl perfektesten Kocheiern, die wir seit langem von einer Hotelgastronomie erleben durften.

Was ist die beste Reisezeit für die Region?

Jede Jahreszeit hat ihre Vorzüge: Sommer und Frühherbst, wer der Wanderung frönt. An jedem letzten Augustwochenende findet außerdem das Schmalkaldener Stadtfest statt – ein Fest mit langer Tradition. Im Winter kommen die Schneesportler voll auf ihre Kosten.

Ein großes Dankeschön an Prachtregion.de/#VisitSchmalkalden für diese wunderbare Reise – meine Meinung ist natürlich meine eigene.

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Chris Lippert
Hi ich bin Chris!

Hi ich bin Chris Ich bin Musiker, spiele Gitarre, Bass, Klavier, manage Künstler und schreibe Songs. Als Restaurantkritiker liebe ich gutes Essen und das Reisen ist für mich der beste Weg, den eigenen Horizont zu erweitern. Kulinarische Reisen führten mich bisher nach Japan, China, Vietnam, Sri Lanka, Mexiko, Dänemark, Finnland, Norwegen, Indien, Österreich, Schweiz, Großbritannien, Israel, Thailand, Myanmar u.v.m.

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