Ein Stück Geschichte Amerika: Zu Besuch auf ehemaligen Plantagen

Entlang der River Road im Pelican State Louisiana gibt es noch viele Möglichkeiten zur Besichtigung von Plantagenhäusern. Besuchst du die Herrenhäuser der Plantagen, die einst zum Anbau von Zuckerrohr und Baumwolle Sklaven hielten, kannst du viel über die komplizierte Geschichte, Architektur und das Leben der Menschen auf den Plantagen in Louisiana erfahren.

Bevor wir uns mit den Einzelheiten der Liste der von uns besuchten Plantagen in Louisiana befassen, lohnt es sich zu fragen, warum wir uns überhaupt auf die Vorkriegsgeschichte im tiefen Süden konzentrieren sollten.

Schließlich sind seit der Blütezeit der Plantagen im Süden über 150 Jahre vergangen – und sie gehören immer noch zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten der Südstaaten.

Vielleicht liegt es daran, dass ihre weitläufige Architektur den Schlössern Europas am Nächsten kommt und die Menschen es lieben, sich hübsche Häuser anzusehen?

Vielleicht liegt es daran, dass man sich in den Vereinigten Staaten an die Geschichte der Sklaverei erinnern möchte, damit sie sich nie wieder wiederhol? Egal, wie schwierig es ist, sich dem Thema direkt zu stellen. Wir haben drei Plantagen und ein paar weitere einstige Herrenhäuser in Mississippi gesehen. Wir sind immer noch erstaunt darüber, dass Menschen damals so viel Geld haben konnten, um diese riesigen Grundstücke zu besitzen.

Eins war uns nach der Reise bewusst: Es gibt so viel, dass wir nicht über die Sklaverei in den USA wussten. Wir haben sehr viel gelernt. Auch über den komplett unterschiedlichen Umgang auf Führungen bei den Plantagen, die wir besucht haben.

Destrehan Plantation (Louisiana)

Nur 30 Minuten vom Stadtzentrum New Orleans‘ entfernt liegt die „Destrehan Plantation“. Hier kann man hautnah miterleben, wie die Menschen – Plantagenbesitzer und ihre Sklaven – lebten. Die 1787 von Jean-Baptiste d'Estrehan de Beaupré gegründete Anlage ist dabei die älteste dokumentierte Plantage im unteren Tal des Mississippis.

Das Hauptgebäude ist geprägt von französischer und spanischer Kolonialzeit. Über das Gelände führt uns Dianne Honore Destrehan, von vielen auch „Gumbo Marie“ genannt, eine direkte Nachfahrin von Jean-Baptiste Estrehan, der mit ihrer Urgroßmutter Genevieve Bienville – einer Sklavin – verkehrte.

Wir kriegen Gänsehaut, als sie uns über die menschenverachtenden Dinge erzählt, die hier geschehen sind; besonders bei einer Tafel, die die Sklavenpreise anhand des Alters, Geschlechts und der Fähigkeiten bemisst, müssen wir schlucken.

Hier – wie in den meisten anderen Plantagen der Gegend – wurde hauptsächlich Zuckerrohr angebaut und geerntet. Diese Arbeit ist besonders kräftezehrend, denn Zuckerrohr hat immer Saison; es ist schließt sich Ernte an Ernte an Ernte …

Während der Tour sind wir stets umgebenen von den riesigen, teils hunderte Jahre alten Eichen mitsamt des für die Gegend charakteristischen spanischen Moos‘; eine einzigartige Kulisse, die du dir auf keinen Fall entgehen lassen solltest.

Destrehan Plantage Louisiana

Oak Alley Plantation (Louisiana)

Die wohl bekannteste als auch optisch eindrucksvollste Plantage der Region ist die „Oak Alley Plantation“.

Berühmt für seinen mit 28 mächtigen Eichen gesäumten, 250 Meter langen und namensgebenden Weg bietet dieser Ort aus jedem Blickwinkel beeindruckende Kulissen. Die zahllosen freistehenden Eichen verstärken nochmals den mystischen Eindruck, der uns in der Zeit zurückreisen lässt.

Auch Oak Alley war einst eine Zuckerplantage die von versklavten Männern, Frauen und Kindern gebaut und betrieben wurde. Die „Slavery Exhibit“-Ausstellung, die in sechs originalgetreu nachgebauten Sklavenhütten Platz findet, thematisiert alle Facetten des Sklavenlebens auf der Plantage.

Dabei konzentriert sich die Ausstellung auf einige konkrete Personen, die auf der Plantage gehalten wurden, und erzählt von ihrem Leben und ihrem Leiden. Dadurch bekommt man einen viel direkteren Bezug zu den Geschichten und dem Alltag in einer Zeit, in der Menschen noch in Klassen aufgeteilt wurden. Eindrucksvoll wie beklemmend.

Im optischen Zentrum der Anlage steht das „Big House“; so wurden die großen Herrenvillen einer Plantage genannt. Prestige, Macht und Luxus strahlt hier aus jeder Einrichtungspore und sollte seit jeher verdeutlichen, welchen Wohlstand die Plantagenherren genossen – gerade im Vergleich zu den direkt anliegenden Sklavenhäusern (von denen die meistens damals noch außer Sichtweite, viel weiter hinten am Feld lagen) wird uns bewusst, wie grausam paradox das Ganze war.

Eine Führung lohnt sich, besonders hinsichtlich der Geschichte der Sklaverei die – so finden wir schnell heraus – in jeder Plantage unterschiedlichen, hier aber den gebührenden Fokus findet.

Wir empfehlen, hier zum späten Nachmittag anzureisen und den Sonnenuntergang zu beobachten. Im Anschluss ist eine Übernachtung in einer der gemütlichen und gepflegten Gästehäuser ein Muss: Uns hat der frühe Morgen, in dem die Eichen und ihre spanisches Moos surreal im morgendlichen Nebel erwachten, fasziniert. Nach dem Frühstück eine ausführliche Führung, und dann weiter – perfekt!

Oak Alley Plantage Eichenallee

Houmas House (Louisiana)

Das Houmas House Estate liegt zwischen Baton Rouge und New Orleans und versucht, seinen Besuchern das Leben auf einer Zuckerrohrplantage im 19. Jahrhundert erlebbar zu machen.

Die Plantage hat seine Geschichte von allen drei von uns besuchten in unseren Augen am weitesten professionalisiert: Es gibt zwei Museen, drei Restaurants, mehrere Bars, bewohnbare Cottages, riesige Räume für Hochzeiten und sonstige Banketts sowie zahlreiche Mitarbeiter, die uns auf Wunsch bequem mit Golf-Karts von A nach B bringen können.

Das Herrenhaus wurde in die Antebellum-Ära zurückversetzt und spiegelt die Opulenz und den Reichtum dieser Zuckerrohrfarm in den 1880er Jahren wider. Überall findet sich Kitsch und Tinnef, nahezu jedes Holzdekor ist mit Schnitzereien verziert.

Die Tour durch das „Big House“ führt durch die 250-jährige Geschichte und zeigt die architektonische Entwicklung. Die Frauen, die durch die Räume führen, tragen dabei historische Kleidung.

Wir sind etwas irritiert, dass dabei die Sklaverei nicht mal im Nebensatz zur Sprache kommt; so scheint jede Plantage auf ihre Art mit ihrer Vergangenheit umzugehen. Wir finden es aber durchaus befremdlich, diesen Teil der bewegten Geschichte gänzlich zu verschweigen.

Das Gelände, auf dem wir zwei Bungalows für unsere letzte Nacht unserer Reise beziehen, ist jedenfalls riesig und sehr gepflegt. Kleine Wege durch stetig wuchernde Natur, ein kleiner Teich mit fetten Enten und schwarzen (!) Schwänen sowie die nicht-sattsehbaren Eichen mitsamt spanischen Mooses laden zum Erkunden ein.

Drinks in der “Turtle Bar”

Die Bar ist klein, aber enorm hoch, an den Wänden mischt sich edelster Tropfen mit ausgestopften, verkleideten Tierköpfen; in der „Turtle Bar“ geht es bizarr zu.

Die Drinks indes sind es wert, hier ein wenig zu verweilen. Besonders der Sazerac, ein lokaler, an Old Fashioned erinnernder Cocktail, schmeckt hier besonders süffig.

Dinner im „The Carriage House Restaurant“

Klassisches Südstaatenessen zwischen Gumbo, Burger und Shrimp Po’Boys; hier kann man nichts falsch machen, und besonders die Gumbo – hier mit Okraschoten zubereitet – schmeckt vorzüglich.

Die Weinkarte liest sich sehr europäisch und die Bedienung gibt sich Mühe, die Rebsorte auf die gewählten Speisen abzustimmen. Das erleben wir nicht oft auf unserer Reise!

Houmas House Plantage
Houmas House Plantage

The Myrtle Plantation

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Katrin Lehr viel-unterwegs.de Gründerin
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Ich bin Katrin und viel unterwegs! Mit Campervan oder Rucksack möchte ich die ganze Welt entdecken. Um meine Erfahrungen & Erlebnisse zu teilen, habe ich diesen Reiseblog gegründet!

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