11 wichtige Benimmregeln für Japan

Je weiter wir uns von Europa entfernen, desto unterschiedlicher sind die Sitten und Gebräuche. Je nach Land sieht man das mehr oder weniger streng. Wenn du bald eine Reise nach Japan planst, dann ergibt es Sinn, dass du dich mit den dortigen Gepflogenheiten vertraut machst. Vieles, was wir als unhöflich empfinden, ist in Japan absolut normal oder gehört sogar zum guten Ton. Das Gleiche gilt auch umgekehrt.

In diesem kleinen Japan Knigge möchten wir dir ein paar Verhaltensregeln mit an die Hand geben, um die üblichen Fettnäpfchen zu vermeiden. Aber wir können dir schon an dieser Stelle beruhigen. Die Japaner wissen, dass sie sehr unterschiedliche Verhaltensregeln zur westlichen Welt haben. Touristen wird ein Fehler schneller verziehen. Dennoch kann es sicherlich nicht schaden, ein paar Tipps im Gepäck zu haben.

Viel Spaß beim Lesen. Lass uns gerne in den Kommentaren am Ende des Artikels wissen, welche Erfahrungen du in Japan gemacht hast.

Verbeugung

Händeschütteln zur Begrüßung? In Japan bitte nicht. Eigentlich ist körperlicher Kontakt in der Öffentlichkeit grundsätzlich unüblich. Dafür gehört die Verbeugung zum gesellschaftlichen Leben. Sie wird nicht nur zur Begrüßung, sondern auch zum Dank, zum Abschied oder als Signal zum Aufbruch genutzt.

Je nach Tiefe und Dauer der Verbeugung wird der Status des Verbeugenden und dessen vor dem sich verbeugt klar. Grundsätzlich gilt die Regel: der Rangniedrigere verbeugt sich länger. Somit verleihst du deinem Gegenüber Respekt.

Bei Westlern wird in der Regel eine mittlere Verbeugung akzeptiert. Als Faustregel kannst du dabei ungefähr eine Winkel von 30 bis 45 Grad anwenden, die Verbeugung wird 3 Sekunden gehalten. Wichtig ist nur, dass du nur mit dem Oberkörper nach unten geht. Die Beine bleiben gestreckt und der Po wird nicht nach hinten gestreckt.

In anderen Teilen Asiens werden auch die Hände beim Verbeugen zusammengelegt. Das gilt nicht für Japan, hier werden die Hände auf den Oberschenkeln abgelegt und dann verbeugt.

Die Verbeugung von Servicepersonal musst du nicht erwidern, das gehört zum guten Service dazu. Ein Lächeln oder Nicken als Zustimmung reichen hier aus.

Geschenke

Gastgeschenke haben in Japan eine große Tradition. Solltest du eine private Einladung erhalten, ist es üblich ein Gastgeschenk mitzubringen. Auch bei manchen Geschäftsessen sind Geschenke angebracht. Hierbei gibt es auch einige Regeln zu beachten, um nicht in Verlegenheit zu geraten.

Üblicherweise wird als Gastgeschenk gerne etwas essbares in aufwendiger Verpackung verschenkt. Dies gilt als Zeichen der Wertschätzung. Besonders Obst ist als Gastgeschenk sehr beliebt. Dies ist allerdings auch etwas teurer als wir es aus Deutschland kennen, schließlich kommt nur das schönste und perfekte Obst in den Handel.

Europäer müssen sich im Übrigen nicht ganz so streng an die Gastgeschenk Regeln halten, bzw. es wird nicht von ihnen erwartet. Wenn du etwas Traditionelles aus der Heimat mitbringst, machst du alles richtig. Sei nur nicht enttäuscht, falls der Beschenkte das Gastgeschenk nicht in deinem Beisein öffnet. So möchte man vermeiden ein enttäuschtes Gesicht zu machen und somit den Schenkenden in Verlegenheit zu bringen.

Japan Knigge: Obst ist ein beliebtes Geschenk bei Einladungen
Obst ist ein beliebtes Geschenk, vor allem weil es so teuer ist. Diese zwei Äpfel haben fast 3 Euro gekostet.

Stäbchen

In Japan wird traditionell mit Stäbchen gegessen. Schon alleine mit ihnen fehlerfrei das Sushi in den Mund zu bugsieren, ist eine Kunst für sich. Was du aber immer vermeiden solltest, ist Folgendes:

  • Mit Stäbchen Essen an eine andere Person übergeben
  • Mit Stäbchen spielen, auf den Tisch klopfen oder damit trommeln
  • Mit Stäbchen, die schon den Mund berührt haben, gemeinschaftliches Essen berühren
  • Die Essstäbchen senkrecht in Reis stecken
  • Schüsseln mit den Stäbchen zu sich heranziehen

Außerdem ist Rülpsen und sich die Nase putzen am Tisch ein absoluter Regelbruch und No-Go. Das Schlürfen von Suppe ist allerdings gerne gesehen bzw. gehört,. Dies ist ein Zeichen dafür, dass es gut schmeckt und dient der vollen Entfaltung des Geschmacks am Gaumen.

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Beim Essen mit Stäbchen gibt es viel zu beachten. Reibt die Stäbchen nicht aneinander, das unterstellt dem Gastgeber mindere Qualität.

Zusammen trinken und Alkohol

Es gibt nichts Besseres in Japan als einen Abend in einer Izakaya. Wir hatten unsere schönstes Bar Izakaya Abend in Nara. Wer darüber mehr erfahren möchte, sollte unbedingt den Artikel zu Nara lesen.

Doch auch hier gibt es ein paar Tipps, damit auch dort alles regelkonform abläuft. Wenn du in Gesellschaft bist gilt, dass man sich nicht selber nachschenkt. Das übernimmt deine Begleitung, also auch du selber deinem Gegenüber. Also Vorsicht, wenn du nichts mehr trinken möchtest, dann trinke dein Glas nicht leer. Sonst ist das eine Endlosschleife und du bekommst immer wieder nachgeschenkt.

Wer sich übrigens fragt, warum die Japaner so oft rasant betrunken sind: Manchen fehlt ein Enzym, dass für den Abbau von Alkohol verantwortlich ist. Sie können also "fast" nichts dafür.

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Japanisches Bier schmeckt vorzüglich, aber Vorsicht beim Trinken in Gesellschaft.

Trinkgeld und Feilschen

Das Geben von Trinkgeld ist in Japan nicht üblich. Es gilt sogar als unhöflich. Auch Servicepersonal und Taxis werden nicht getippt. Es soll sogar schon Situationen gegeben haben, wo Taxifahrer hinter ihren Fahrgästen hergelaufen sind, um ihnen das Rückgeld zurückzugeben.

Wenn du deine Wertschätzung für guten Service Ausdruck verleihen möchtest, reicht ein normales Danke und Nicken oder Verbeugen. Für uns Europäer ist das oft ungewohnt, aber an sich doch mal eine nette Abwechslung nicht rechnen zu müssen.

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Einfache Regel in Japan: kein Trinkgeld.

Zug fahren

Viele der Regeln in Japan was das Zug fahren angehen, sollten uns bekannt sein. Es wird in Zügen nicht gegessen (abgesehen vom Shinkansen), man legt seine Füße nicht auf den Sitz. Wenn man auf einem Sitz sitzt, der für Schwangere oder Ältere vorgesehen ist, dann sollte dieser frei gemacht werden, wenn dieser gebraucht wird.

Eine Erfahrung, die wir allerdings gemacht haben, die sich doch deutlich von Europa unterscheidet, ist das Anstehen und Drängeln. Drängeln gilt als äußerst unhöflich und an jeder Bahnstation gibt es Markierungen am Boden, die dir zeigt, wo du stehen musst.

Und falls die Bahn voll ist, nicht mit voller Gewalt rein pressen. In der Regel kommt die nächste nur wenige Minuten später und dann kannst du sicher mitfahren.

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Schlange stehen können die Japaner sehr gut.

Toilettenbesuch

In Hakone in unserem Guesthouse haben wir zum ersten Mal Kontakt mit Toilettenschlappen gemacht. Grundsätzlich werden Häuser in Japan nicht mit Schuhen betreten. Am Eingang werden die Schuhe ausgezogen und man erhält entweder Gästeschlappen oder läuft in Socken weiter. Als kleiner Tipp: achte darauf, dass deine Socken immer in Ordnung sind. Man weiß nie, wann andere sie zu Gesicht bekommen.

Toiletten werden übrigens nicht mit Socken betreten. Dafür gibt es die Toilettenschlappen. Diese verlassen den Toilettenraum auch nicht, also achte darauf, diese genau am Eingang wieder auszuziehen. Es gehört sich auch, dass man die Schlappen so positioniert, dass der nächste problemlos in sie hinein schlüpfen kann.

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Diese Schlappen verlassen niemals den WC Bereich.

Onsen

Für viele ist der Besuch eines Onsen, eines japanischen Bades, ein Must-Do auf einer Japanreise. Aber auch hier gibt es einige Regeln, an die du dich halten solltest.

In vielen Onsen wird schon an der Türe deutlich: „Keine Tattoos“ erlaubt. Dies hängt noch mit der japanischen Vergangenheit zusammen, wo vorwiegend Mitglieder der japanischen Mafia, der Yakuza, tätowiert waren. Falls du am Eingang des Onsen einen Hinweis darauf findet, ist dies bindend. Das gilt auch für jedes noch so kleine Tattoo.

Die Größe ist dabei nicht entscheidend. Wer Tattoos hat, sollte sich vorher über die Regeln des Wunsch-Onsen informieren. Ansonsten gibt es auch die Möglichkeit einen privaten Onsen zu buchen z. B. in einem Guesthouse. Dort kannst du dann auch mit Körperkunst in aller Ruhe schwitzen.

Traditionell wird im Onsen auch nach männlich und weiblich getrennt. Diese Bäder dienen der Entspannung und nicht dem Spaß. Verhalte dich ruhig und rücksichtsvoll sowohl im als auch außerhalb des Wassers. Fotos sind verboten, ebenso wie laute Gespräche oder herumspringen.

Vor dem Bad im Onsen ist Duschen absolute Pflicht. Dort reinigst du dich, um das Onsenwasser nicht zu beschmutzen. Falls du kleine Hocke rin den Duschräumen seht, sollten diese genutzt werden. Aufstehen gilt in solchen Fällen als unhöflich.

Je nach Einrichtung findest du Duschbrausen oder große Schüsseln mit kaltem und warmem Wasser. Das kleine Handtuch, Tenugui, dient dir zum Einseifen und Schweiß abwischen während des Onsenbesuchs. Dieses Handtuch kommt allerdings nicht mit dem Onsenwasser in Berührung. Es wird während der Sitzung im Wasser auf dem Kopf getragen. Wer sich unsicher fühlt, einfach die Japaner beobachten und ihnen gleich tun.

Rauchen

In Japan wird in vielen Restaurants und Bars noch geraucht. Mittlerweile verzichten zwar viele Lokale auf diese Angewohnheit, dennoch wirst du in Japan noch mehr Raucherlokale finden als z. B. in Deutschland. Das Rauchen in der Öffentlichkeit ist allerdings verpönt. Vor allem beim Gehen zu rauchen gilt als absoluter Fauxpas.

Wenn du Raucher bist, nutze dafür unbedingt die vorgesehenen Raucherbereiche. Diese sind klar gekennzeichnet und befinden sich meist versetzt zum Bürgersteig hinter Glaswänden, um die Mitmenschen zu schonen.

Da es in Japan kaum öffentliche Mülleimer gibt, ergibt es Sinn einen eigenen Taschenaschenbecher mitzuführen. Das Entsorgen der Stummel auf der Straße ist nämlich verboten.

Im Tempel

Japan ist das Land der Tempel und Schreine. In jeder Stadt findest du eine Vielzahl von Tempeln, die du besichtigen kannst. Diese sind unglaublich schön. Die Verhaltensregeln sind aber auch hier relativ streng.

Natürlich solltest ihr du dich hier ruhig verhalten, Handys sollten lautlos sein und vor jedem Tempel gibt es Hinweisschilder mit den dort geltenden Regeln.

Eine Erfahrung, die wir allerdings selbst gemacht haben, galt dem Verzehr von Getränken. Dies ist grundsätzlich in vielen Tempeln gesetzwidrig. Dazu gehört auch das Trinken von Wasser. Nimm noch mal einen großen Schluck bevor du eine Tempelanlage betrittst. Übrigens wird oft auch das Kauen von Kaugummis verboten.

In historischen Anlagen ohne Steinboden musst du oft die Schuhe ausziehen und Leihschlappen anziehen oder in Socken unterwegs sein. Deine Schuhe werden dann in einem Regal aufbewahrt oder du bekommst dafür eine separate Tüte. Um deine Nerven zu schonen, empfehlen wir dir Schuhe zu tragen, die du schnell an und wieder ausziehen kannst. Wir mussten bei einer Tempelbesichtigung sage und schreibe 5x unsere Schuhe an und wieder ausziehen.

Das Wort Nein

Das Wort „Nein“ gilt als sehr unhöflich in Japan. Immerhin drückt man dadurch Ablehnung aus und das vermeiden Japaner grundsätzlich. Schließlich möchte man seinem Gegenüber kein schlechtes Gefühl geben.
Aus diesem Grunde wird das reine „Nein“ im täglichen Sprachgebrauch auch eigentlich nicht genutzt. Man zieht sich eher durch dezente Aussagen zurück. Die Sandwich-Methode ist dabei besonders beliebt.

Die Ablehnung wird zwischen Höflichkeiten verpackt. Beispiel: „Ich würde sehr gerne mit Ihnen essen gehen, aber…“. 

Auch beliebt ist die Aussage „Das ist schwierig.“ anstatt eines klaren Nein. Hier gilt es also auch zwischen den Zeilen zu lesen. Aber auch selber kann man das direkte Nein im Koffer lassen.

Fazit

Wir hoffen, dieser kleine Guide hilft dir als Vorbereitung für Japan. Er gibt dir ein wenig mehr Sicherheit, wie du dich verhalten solltest ohne in zu viele unangenehme Situationen zu kommen. Mach dir nicht zu viele Sorgen, wer höflich und rücksichtsvoll ist, wird genau so behandelt. Schließlich ist Japan dafür bekannt.

Hast du noch Erfahrungswerte oder lustige Geschichten aus Japan? Haben wir Dinge vergessen, die verboten sind? Dann schreibt uns gerne in die Kommentare.

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Hannah
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Hi, ich heiße Hannah. Nach einigen beruflichen Stationen als Online-Marketing Manager hat mich das Reisefieber gepackt. Weg vom Schreibtisch, rein ins Abenteuer. Am liebsten sitze ich auf einem meiner Fahrräder oder packe meine Koffer für die nächste Reise. Wer mich kennt weiß, dass ich eine riesige Schwäche für gutes Essen habe. Für VIEL UNTERWEGS suche ich die neusten Food-Spots.

1 KOMMENTAR
  • Besucher Kommentar von Manouk Fehr
    Manouk Fehr
    12. Juli 2021 um 18:24 Uhr

    Liebes Team/Person
    Vielen Dank für diese tolle Website. Ich hoffe, ich darf einige Informationen von dieser Website für meinen Vortrag verwenden. Die Regeln sind klar beschrieben und hat keine Fehler!


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