Fiestas Patrias – Chiles Fest zur Unabhängigkeit

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Chile ist das Laufstegmodel unter den südamerikanischen Ländern: Groß und schlank schmiegt es sich elegant an die Westküste des facettenreichen Kontinents und vereint scheinbar selbstlos die Einflüsse seiner Nachbarn Peru, Bolivien und Argentinien.

Das Land löste sich 1810 von den spanischen Eroberern. Diesem Umstand wird jedes Jahr im September aufs neue mit dem Fiestas Patrias Tribut gezollt, den nationalen Feiertagen zur Unabhängigkeit. Ich bin sehr froh, dieser Party als Zaungast beiwohnen und mir außerdem – wie oft ist man schon mal hier? – die wunderbaren Landschaften, Berge, Täler und Seen Chiles anschauen zu dürfen.

Viel Spaß mit meinem Reisebericht, der mit vielen Tipps zu Santiago und Pucón gespickt ist!

Santiago: Belebter Stillstand

Als Hauptstadt des Landes geht es in dieser 8-Millionen-Metropole in der Regel sehr wuselig zu: Unzählige Autos und Menschen beleben die Straßen, Bars und Cafés säumen die Wege, ebenso wie der stets präsente Anblick von Street Art-Gemälden; eine bunte, laute, geschäftige Stadt, die bei meiner Ankunft jedoch stillzustehen scheint. Die Feiertage haben die Menschen von den Straßen in die zahlreichen Fondas gefegt.

Das Viertel Bella Vista

Wie Dorffeste in der großen Stadt wird hier gegessen, gespielt, getrunken und getanzt. Einer der bekanntesten Fondas befindet sich im wunderschönen Parque O’Higgings, überall riecht es nach Grillfleisch, nach Röstaromen und Pisco Sour, dem alkoholreichen Nationalgetränk.

Spaß und Spiel auf den Fondas

Nicht ganz so traditionsreich, aber dennoch vor Umdrehung strotzend genehmige ich mir einige Terremotos, also Erdbeben: Dazu werden Weißwein, harter Alkohol (Cognac, Pisco oder Fernet Branca) und eine ordentliche Portion Ananas-Eis gemischt. Heraus kommt ein gefährlicher, kaum nach Alkohol schmeckender Cocktail, dessen Intensität man sich erst bewusst wird, wenn man sich aufrecht bewegen will. Wie ein Erdbeben – und damit kennen sich die Chilenen als eines der erdbebenreichsten Länder des Planeten aus – beginne ich zu schwanken. Gefährlich, etwas trashig, aber lecker. Einige Empanadas, das sind gebackene oder frittierte und mit Fleisch oder Käse gefüllte Teigtaschen, bringen die Erde wieder zum Stillstand.

Ich erfahre, dass die Fondas überall im Land zu finden sind, und wir besuchen die unterschiedlichsten Auswüchse: Von klein und intim, fast schon familiär-dörflich, zu riesengroß, voll und kommerziell ist alles dabei. Doch immer tanzen Jung und Alt Cueca, eine uralte Form des Balztanzes, bei dem sich Mann und Frau gegenseitig bezirzen, mal laut und heftig, mal unschuldig und zurückhaltend. Eine Tanzstunde beweist mir eindrucksvoll am eigenen, ungelenken Leib, dass es gar nicht so einfach ist, die Abfolgen und Regeln dieses scheinbar improvisierten Tanzes zu befolgen. Aber ich war auch nie der große Tänzer.

Antichucho – ohne diese gegrillte Fleischspeise geht auf den Fondas gar nichts

Die Feiertags-geschuldete Leere der Stadt hat durchaus etwas Positives: Wir können uns mehr oder minder ungestört durch die sonst so vollen Straßen bewegen. Mit dem Fahrrad führt uns ein charmanter Guide vom La Bicicleta Verde durch das wunderbar kreativ-bunte Viertel Bella Vista, zeigt uns den geschäftigsten Markt der Stadt, Mercado Central, und führt an, dass man hier den ganzen Tag verbringen kann, wenn man möchte.

Zwischen all den flanierenden, gesprächigen Menschen betreibt man hier nicht nur unterhaltsame Konversation, sondern wird auch nie Hunger leiden; die Auswahl an Obst, Gemüse und Fleisch ist riesig und nicht zuletzt den Nachbarländern geschuldet, die das Land um peruanische, bolivische und argentinische Produkte bereichern.

Mercado Central in Santiago

Haras de Pirque – Einer der renommiertesten Weinhersteller

Neben Kupfer ist der größte Exportschlager des Landes wohl der chilenische Wein, dem ich bei meinen Restaurantbesuchen als Tester vor allen Dingen im Fine-Dining-Bereich nun öfter begegnet bin. Rau und verspielt sind es besonders die Rotwein-Cuvées, die hohes Ansehen genießen, und das ist Grund genug, mit Haras de Pirque einen der renommiertesten Weinhersteller des Landes zu besuchen.

Die Weinhänge und die gesamte Anlage sind prächtig und vereinen Modernität und Tradition in eindrucksvoller Weise. Eine Führung samt Verkostung ist mehr als empfehlenswert!

Die Weinhänge beim Haras de Pirque

Pucón & Umgebung: Natur, Natur, Natur!

Zwar hat Santiago noch viel mehr zu bieten – allein schon die Dichte an tollen Restaurants wie zum Beispiel dem „Boragó“ ist bemerkenswert – aber es ruft die Natur und damit das Hauptreiseziel vieler Touristen. Wir fliegen in die Araucanía-Region, genauer gesagt nach Pucón.

Diese für Touristen aus dem Boden ge-Botox-te Stadt (so fühlt es sich zumindest an) lässt  zwar etwas an Charme missen, macht das aber durch seine unglaubliche Umgebung wett: Natural Hot Springs, Vulkane, Schnee, Sonne, indigene Völker, malerische Landschaften – ich könnte ewig so weitermachen. Es ist zwar erst früher Frühling, aber trotzdem sprießen bereits die ersten Knospen, und die Sonne taucht die Schneelandschaften der Berge in ein malerisches Licht.

Pucón und Umgebung bieten herrliche Landschaften und viel Unternehmungspotenzial

Wir besuchen die Mapuche, ein indigenes Volk, das sich vor allem in Argentinien und Chile finden lässt. Sie bewahren sich seit jeher ihre Unabhängigkeit und leben als Selbstversorger scheinbar unberührt von der Modernisierung. Das Frönen alter Traditionen, tief verwurzelt im Glauben, ist immer wieder eindrucksvoll und sehr weit weg von dem, was wir in unserer industrialisierten Welt gewohnt sind.

Die Mapuche

Wir bekommen ein ausuferndes Mahl, darunter Cazuela, einen deftigen Eintopf mit Huhn und Kartoffeln, köstlich und bei diesem regnerischen, nasskalten Wetter äußerst belebend.

Ein absolutes Muss sind die Hot Springs um Pucón. Einige Stunden dürfen wir, in heißen, mineralischen Außenbädern schwimmend, die wunderschönen Bergketten im Quimey-co bestaunen. Das kinderreiche Chile hat gerade zu den Feiertagen viele Einheimische in diese Wellness-Oase gebracht, und doch ist hier zu keiner Zeit hektisch oder überfüllt – im Gegenteil, wir kommen erholt, entspannt und aufgeheizt zu unserem Fahrer Ricardo zurück, der uns im Anschluss eine echte kulinarische Überraschung liefert: Im Amankay Café kocht der sympathische Hüne von Besitzer (dessen Name mir leider abhanden gekommen ist) irgendwo im Nirgendwo unglaublich frische, regionale und saisonale Gerichte, die vor modernem, südamerikanischen Zeitgeist nur so strotzen.

Auch die hausgemachten Backwaren und Obstsäfte sind eine echte Offenbarung zum sonst eher deftigen Chile. Ich will gar nicht zu viel verraten: unbedingt hin!

Nach der ganzen Entspannung und den vielen Kalorien geht es am nächsten Tag in die verschneiten Vulkan-Bergketten, von denen in dieser Gegend unzählige zu finden sind. Mit Schneeschuhen und dick wie wasserdicht verpackt stiefeln wir bei bestem Wetter durch den meterhohen Schnee, mitten im Wald, mit stetigem Blick auf den berühmten Vulkan Villarrica.

Der Vulkan Villarrica

Hätten wir etwas mehr Zeit, könnte man diesen auf einen zweitätigen Trip besteigen, ganz Sportliche kriegen das auch in 24 Stunden hin. Ich habe zwar nur Fotos gesehen, aber der Blick über das Land ist von dort oben, in knapp 3.000 Metern Höhe, unglaublich.

Unser Hike dauert knapp zwei Stunden, in denen wir schweigen, atmen, zur Ruhe kommen, ohne Handy-Netz und gedankenverloren. In einer lauten, geschäftigen Welt sind solche Momente rar – das wird mir erst bewusst, als ich meine Schneeschuhe ablege und mich auf den Weg zum Flughafen mache.

Ich durfte Chile, seine Vielschichtigkeit, seine herzlichen Menschen und belebte Geschichte nur wenige Tage kennenlernen, fühlte mich aber zu jeder Zeit herzlich willkommen. Es ist ein gutes Zeichen, wenn die Liste der Dinge, die man bei der Rückkehr machen will, größer ist als die bei der Ankunft.

Chile Reisetipps – häufig gestellte Fragen

Wie lange brauche ich für Chile?

In einer Woche lässt es sich durchaus „Stadt-Land-Fluss“ spielen, bedenkt man jedoch die lange Anreise wird das ein hektischer Querschnitt dieses Landes, dem man durchaus mehr Aufmerksamkeit schenken sollte. Drei Wochen, am besten im Zuge einer Südamerika-Rundreise, bringen’s hier schon eher.

Wie sieht es mit der Sprache aus?

Die Chilenen sprechen nur wenig Englisch, aber wer sich ein wenig mit der spanischen Sprache beschäftigt oder gut mit einem Reisewörterbuch umgehen kann, kommt prima durch – notfalls mit Händen und Füßen.

Wie reise ich im Land?

Dafür gibt es verschiedene Varianten. Da die Wege in diesem langen Land aber in der Regel recht weit sind, empfehlen sich die günstigen Flüge, schau am besten auf Flightconnections.com. Das Zugnetz ist kaum ausgebaut, und Busse brauchen in der Regel sehr lange.

Und wo schlafe ich? Meine Hotel-Tipps für Chile

Chile ist gut auf Touristen eingestellt, von kleinen bis großen Hotels, B&Bs und Hostels ist alles dabei. Hier eine kleine Auswahl:

Santiago de Chile

Pucón

Viel Spaß bei deiner Reiseplanung in dieses wunderschöne Land! Wenn du Fragen hast, schreib uns einfach.

Hinweis: Ich wurde vom Fremdenverkehrsamt Chile zu den Fiestas Patrias eingeladen. Vielen Dank für die tolle Zusammenarbeit. Meine Meinung ist trotzdem meine eigene.

Hi ich bin Chris

Ich bin Vollblutmusiker, vermarkte Musik, spiele Gitarre, Bass, Klavier und schreibe Songs. Als Restaurantkritiker liebe ich natürlich gutes Essen und das Reisen ist für mich der beste Weg, den eigenen Horizont zu erweitern.

Kulinarische Reisen führten mich bisher nach Japan, China, Vietnam, Sri Lanka, Mexiko, Skandinavien, Indien, Österreich, Schweiz, Großbritannien, Israel und viel mehr – und es werden noch viele weitere Ziele folgen!

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