Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste in Kürze
- Ich zeige dir meine komplette Route durch die Ostfjorde – von Höfn bis Seyðisfjörður mit lohnenswerten Abstechern abseits der Ringstraße
- Beste Zeit für Islands Osten: Juni bis August, dann ist der Öxi-Pass am ehesten befahrbar und die Papageientaucher sind da
- Karte: Hier findest du meinen Island Guide mit allen Sehenswürdigkeiten, Wasserfällen und Geheimtipps (die ich hier auch nicht verrate)
- Anreise: Über die Ringstraße ab Reykjavík oder Anreise per Fähre nach Seyðisfjörður
Islands Osten: ein kurzer Überblick
Der Osten Islands heißt offiziell Austurland, die Ostfjorde selbst Austfirðir. Mit rund 15.700 Quadratkilometern ist die Region größer, als die meisten denken, aber nur gut 11.000 Menschen leben hier – kaum 3 Prozent der isländischen Bevölkerung. Das merkst du sofort: Du fährst hier oft kilometerweit, ohne einem anderen Auto zu begegnen.
Die meisten Islandreisenden erreichen die Ostfjorde über die Ringstraße von Süden, von Höfn kommend. Egilsstaðir ist mit rund 2.600 Einwohnern die größte Stadt der Region und für die meisten Camper-Reisenden der praktische Ausgangspunkt für Abstecher, bevor es weiter Richtung Norden nach Borgarfjörður Eystri mit seinen Papageientauchern oder Richtung Seyðisfjörður geht.
Die Ostfjorde unterscheiden sich spürbar vom Rest der Insel: kleine Fischerdörfer statt Touristenbusse, ruhige Fjordstraßen statt Ringstraßen-Stau, und eine Landschaft, die zwischen schroffen Bergen und stillen Buchten wechselt. Ein Kuriosum am Rand: Nur hier leben Islands einzige wild lebenden Rentiere, ursprünglich im 18. Jahrhundert aus Norwegen eingeführt. Mit etwas Glück siehst du sie direkt am Straßenrand, besonders auf der Strecke zwischen Höfn und Djúpivogur.
Höfn
Höfn í Hornafirði ist mit rund 1.800 Einwohnern die größte Stadt der Region und für die meisten Islandreisenden der Startpunkt in den Osten: Wer über die Südküste anreist, kommt hier zuerst durch, bevor die Ostfjorde beginnen. Bekannt ist der Ort vor allem für seinen Hummer, genauer gesagt Kaisergranat, den du in den Restaurants am Hafen frisch serviert bekommst. Anfang Juli feiert die Stadt das sogar mit einem eigenen Fest, der Humarhátíð.
Geografisch liegt Höfn in der Gemeinde Hornafjörður, die administrativ zu Austurland zählt, touristisch aber meist zu Südisland gerechnet wird – schließlich ist der Ort auch der klassische Ausgangspunkt für Touren zum Vatnajökull-Gletscher und zur Gletscherlagune Jökulsárlón. Für unsere Route durch die Ostfjorde war Höfn nur der Startpunkt. Die eigentlichen Fjorde beginnen für mich erst kurz dahinter, bei Stokksnes.
Vestrahorn und Stokksnes: "Batman-Berg"
Auf der Halbinsel Stokksnes, keine 20 Autominuten von Höfn entfernt, erhebt sich das 454 Meter hohe Vestrahorn mit seinen messerscharfen Gipfeln. Wegen der Form, die an eine Krone oder an Fledermausflügel erinnert, wenn du aus dem Osten kommst, hat sich der Spitzname "Batman-Berg" durchgesetzt. Zusammen mit dem schwarzen Sandstrand und den Dünen davor ist es eines der meistfotografierten Motive Islands.
Die Halbinsel ist Privatgelände, den Zugang regelt das Viking Café direkt an der Straße, dort zahlst du eine kleine Gebühr für Parkplatz, Strand und die Wanderwege. Bei unserem Besuch am Abend waren Duschen und Toiletten dort noch bis 18 Uhr geöffnet. Läufst du von dort noch ein Stück weiter bis zur Küste, hast du gute Chancen, Robben zu entdecken.
Geografisch liegt Stokksnes schon in der Gemeinde Hornafjörður, die heute administrativ zu Austurland zählt, auch wenn du den Ort touristisch oft unter "Südisland" oder "Südostisland" einsortiert findest. Für eine Route durch die Ostfjorde gehört er für mich trotzdem dazu, schließlich ist er der perfekte Auftakt gleich hinter Höfn.

Skútafoss
Nur rund zehn Fahrminuten hinter dem Almannaskarð-Tunnel, kurz nach Höfn, liegt mit dem Skútafoss noch ein weniger bekannter Wasserfall. Die Zufahrt ist ein holpriger Schotterweg, für den du wirklich ein geländegängiges Fahrzeug brauchst – andere Camper mussten dort schon umkehren. Vom unteren Parkplatz beim vorgelagerten Fremstifoss sind es knapp einen Kilometer zu Fuß bis zum Skútafoss selbst. Diesen Abstecher haben wir auf unserer Reise nicht gemacht, ich gebe ihn dir hier nur als Tipp mit auf den Weg.
Eystrahorn & Hvalnes
Nicht weit von Vestrahorn und Stokksnes erhebt sich das 756 Meter hohe Eystrahorn, ein schroffer Gipfel aus dunklem Gabbrogestein direkt an der Ringstraße. Zusammen mit dem benachbarten Vestrahorn prägt es die schwarze Sandküste der Lón-Bucht.
Direkt davor liegt die kleine Halbinsel Hvalnes mit ihrem Leuchtturm, dem Eystrahorn als Bergkulisse im Hintergrund einer der spektakulärsten Fotostopps der ganzen Ostfjorde. Hast du eine Drohne dabei, ist das genau der richtige Ort dafür.
Stafafell
Kurz nach Eystrahorn und Hvalnes liegt Stafafell, der Ausgangspunkt für das Naturschutzgebiet Lónsöræfi mit seinen bunten Bergen – ein lohnender Zwischenstopp, wenn du noch Zeit und Lust auf eine Wanderung hast.
Lækjavík
Zwischen Höfn und Djúpivogur lohnt sich ein Stopp in Lækjavík: In der kleinen Bucht Stapavík ragt der Felsen Stapi, eine rund 20 Meter hohe, freistehende Klippe, einsam aus dem Meer. Auch der Strand südlich davon ist einen kurzen Fotostopp wert, bevor es weiter Richtung Djúpivogur geht.
Fauskasandur
Ein Stück weiter, direkt an der Ringstraße, liegt der Fauskasandur, ein weiterer schwarzer Sandstrand mit einem gewaltigen, fast rechteckigen Felsblock, der wie ein verlorenes Stück der umliegenden Berge aus dem Sand ragt, oben und an den Seiten schon leicht bewachsen. Der Strand gilt als ruhigere Alternative zum berühmten Reynisfjara im Süden und kann es landschaftlich locker mit ihm aufnehmen.
Djúpivogur und die Eier-Skulpturen von Gleðivík
Djúpivogur zählt zu den ältesten Handelsplätzen Islands und ist heute ein ruhiger kleiner Ort – der Name bedeutet übersetzt "tiefe Bucht". Direkt an der Gleðivík-Bucht, gut 900 Meter vom Zentrum entfernt über einen Küstenweg erreichbar, stehen 34 Granit-Eier auf alten Betonsockeln einer ehemaligen Fischfabrik-Pipeline. Die Installation trägt den Namen Eggin í Gleðivík. Jedes Ei steht für eine andere heimische Vogelart, von der Eiderente bis zum Odinshühnchen, das größte Ei symbolisiert den Prachttaucher, das Wappentier des Ortes. Der isländische Künstler Sigurður Guðmundsson hat die Installation 2009 geschaffen, gefertigt wurden die Eier allerdings in China. Ich finde es eine kurzweilige Angelegenheit und kein unbedingtes Muss, aber wenn du sowieso in Djúpivogur bist, lohnt sich der kurze Spaziergang.
Papey – die unbewohnte Vogelinsel
Von Djúpivogur aus legt in den Sommermonaten ein Boot zur unbewohnten Insel Papey ab, die Überfahrt dauert rund 50 Minuten pro Strecke. Wir haben uns auf unserer Reise stattdessen für einen Ausflug zu den Vestmannaeyjar im Süden entschieden, insofern kann ich dir hier nur die Fakten liefern und keinen eigenen Eindruck von der Insel selbst. Auf Papey wartet Islands älteste und kleinste Holzkirche aus dem Jahr 1807, dazu ein Leuchtturm aus dem Jahr 1922. An den bis zu 45 Meter hohen Klippen brüten tausende Seevögel, auch Papageientaucher, dazu kommen Robben, die du vom Boot aus beobachten kannst.
Fossárdalur und der Múlafoss
Wenn du Djúpivogur Richtung Norden verlässt, zweigt am Ende des Berufjörður eine kleine Straße vom Ring ab, die sich den Hang hinaufzieht ins Fossárdalur, das "Wasserfall-Tal" – ein ruhiges Seitental mit dem gleichnamigen Campingplatz, wo wir eine Nacht verbracht haben.
Vom Campingplatz aus führt eine Wanderung zum Múlafoss, insgesamt etwa 9,4 Kilometer hin und zurück. Der Weg verläuft größtenteils flach auf einer Schotterpiste durchs Tal, feste Schuhe reichen völlig, technische Ausrüstung brauchst du nicht. Rechne für die komplette Runde etwa zweieinhalb Stunden ein. Im Gegensatz zu den bekannten Wasserfällen im Süden wie dem Seljalandsfoss oder Skógafoss triffst du hier auf weitaus weniger Menschen – fernab des Massentourismus.
Stöðvarfjörður und die Steinsammlung von Petra
Weiter Richtung Norden kommst du durch Stöðvarfjörður, einen kleinen Fischerort mit einer ungewöhnlichen Attraktion: der Steinsammlung von Petra. Ljósbjörg Petra María Sveinsdóttir hat ab 1946 ihr Leben lang Steine aus der Umgebung gesammelt, heute ist ihr Wohnhaus daraus ein kleines Naturmuseum geworden, das von Mai bis Oktober täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet hat. Im angeschlossenen Café Kaffi Sunnó gibt es Suppe, Kuchen und Kaffee für eine Pause. Ich erwähne es der Vollständigkeit halber, für mich persönlich war es aber kein Muss, ich bin einfach kein großer Steine-Fan.
Fáskrúðsfjörður
In Fáskrúðsfjörður erinnert noch heute vieles an die französischen Fischer, die seit dem 17. Jahrhundert vor Island Kabeljau fingen und ab Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg eine feste Station im Ort unterhielten. Ihr um 1900 gebautes Krankenhaus verfiel über Jahrzehnte, bis es bis 2014 aufwendig restauriert wurde. Heute ist es ein Hotel mit einem preisgekrönten Museum, das die Geschichte der französischen Fischer in Island erzählt.
Eskifjörður und der Bleiksárfoss
Der Bleiksárfoss ist das Erste, was dir auffällt, wenn du von der Hauptstraße nach Eskifjörður abbiegst: Der Wasserfall stürzt direkt am Ortsrand über die Felsen.
Egilsstaðir
Egilsstaðir, die größte Stadt der Ostfjorde, ist dein nächster größerer Stopp auf dem Weg nach Norden. Sehenswürdigkeiten hat der Ort selbst kaum zu bieten, dafür ist er praktisch als Ausgangspunkt für Abstecher und zum Einkaufen und Tanken. Das Vök Bad direkt am See haben wir uns gespart, bei 24 Grad Sommerwetter hatten wir schlicht keine Lust auf ein Hot-Pot-Bad. Für einen Kaffee zwischendurch kann ich dir das Tehúsið empfehlen, Café, Bar und Gästehaus in einem, mit dem besten Kaffee der Stadt und richtig freundlichem Personal.
Neskaupstaður
Nicht weit von Egilsstaðir entfernt liegt Neskaupstaður, mit rund 1.500 Einwohnern die zweitgrößte Stadt der Ostfjorde und ein wichtiger Fischereistandort. Bis 1949 war der Ort nur mit dem Boot erreichbar, dann kam die Passstraße über das Oddsskarð dazu, ab 1977 ein erster Tunnel darunter. Heute führt der rund 7,5 Kilometer lange Norðfjarðargöng-Tunnel direkt hin.
Lagarfljót
Südlich von Egilsstaðir liegt der Lagarfljót, ein rund 25 Kilometer langer See mit einer Fläche von 53 Quadratkilometern, in dem der Sage nach ein Ungeheuer lebt, der Lagarfljótsormur, das isländische Gegenstück zu Nessie.
Biohof Móðir Jörð
Auf dem Weg zum Lagarfljót lohnt sich ein Stopp beim Biohof Móðir Jörð in Vallanes: Café und Gästehaus auf einem Biobauernhof, der Gemüse und Getreide selbst anbaut und direkt daraus kocht. Geöffnet ist von Juni bis August täglich, im Mai und September mit kürzeren Öffnungszeiten, komm am besten im Sommer, sonst hat oft geschlossen.
Hallormsstaðaskógur
Direkt am Ufer des Lagarfljót liegt der Hallormsstaðaskógur: Mit rund 740 Hektar ist er Islands größter Wald, seine Birkenbestände wurden schon 1905 unter Schutz gestellt und machten ihn zu Islands erstem Nationalwald. Bis heute reicht der Wald an manchen Stellen bis auf knapp 30 Meter an die Ringstraße heran.
Hengifoss
Am Südufer des Lagarfljót liegt außerdem der Hengifoss, mit 128 Metern der dritthöchste Wasserfall Islands, bekannt für seine rötlichen Tonschichten zwischen den Basaltlagen. Vom Parkplatz aus wanderst du 40 bis 60 Minuten zum Wasserfall. Unterwegs kommst du am Litlanesfoss vorbei, umgeben von markanten Basaltsäulen.

Strútsfoss
Wer noch mehr Zeit mitbringt, findet mit dem Strútsfoss die "geheime Version" des Hengifoss: Der mit 120 Metern und zwei Kaskaden nur unwesentlich niedrigere Wasserfall zeigt an seiner Felswand die gleichen rötlichen Gesteinsschichten wie der Hengifoss und liegt zudem nur rund 30 bis 40 Autominuten weiter im Suðurdalur. Planst du ohnehin die Wanderung zum Hengifoss und magst Wasserfälle, lohnt sich der Strútsfoss als Ergänzung. Die Wanderung dorthin dauert anderthalb bis zwei Stunden für rund 7,5 Kilometer hin und zurück, lohnt sich also wirklich nur, wenn du genug Zeit hast.
Studlagil Canyon
Der Studlagil Canyon liegt rund 52 Kilometer nördlich von Egilsstaðir, etwa eine Autostunde entfernt. Du fährst über die Ringstraße durch das Jökuldalur-Tal und biegst dann auf die Schotterstraße 923 ab, die ganzjährig auch mit einem normalen Auto befahrbar ist. Lange war die Schlucht mit ihren Basaltsäulen unter dem Gletscherfluss Jökulsá á Dal verborgen. Erst als der Kárahnjúkar-Staudamm den Wasserspiegel senkte, kam sie zum Vorschein.
Du hast zwei Möglichkeiten: Auf der Nordseite, bei der Grund-Farm, erreichst du über einen kurzen, gesicherten Weg in 20 bis 30 Minuten eine Aussichtsplattform, kannst aber nicht in die Schlucht hinabsteigen. Willst du näher ran, startest du auf der Ostseite bei Klaustursel, vorbei am Wasserfall Stuðlafoss: Vom weiter entfernten Parkplatz sind es rund 9 bis 10 Kilometer hin und zurück, vom näher gelegenen, etwas weiter die Piste hinein, nur noch etwa 4 bis 5 Kilometer.
Mjóifjörður und die Klifbrekkufossar
Rund 26 Kilometer östlich von Egilsstaðir zweigt die Straße 953 ab und führt über einen steilen Bergpass hinunter in den Mjóifjörður, den "schmalen Fjord" – einen der ruhigsten und am wenigsten besuchten Fjorde der Ostküste. Offiziell ist die Piste kein F-Weg, trotzdem würde ich sie nur mit einem großen 4x4 fahren: eng, kurvig, mit steilen Steigungen, im Winter oft unpassierbar.
Am Ende des Fjords wartet mit den Klifbrekkufossar ein siebenstufiger Wasserfall, der auf insgesamt rund 90 Metern über die Felsen kaskadiert. Bei uns im Sommer führte er deutlich weniger Wasser, als du auf den meisten Fotos siehst.
Seyðisfjörður
Seyðisfjörður liegt abseits der Ringstraße in einem eigenen Fjordarm, die meisten Islandreisenden, die in Reykjavík landen, fahren nicht extra so weit. Für uns war der Ort Start und Ziel zugleich: Hier sind wir mit der Fähre angekommen, hier ging es am Ende auch wieder zurück. Nimm dir vor der Weiterfahrt noch Zeit für die Regnbogagata, die bunt bemalte Straße mitten im Ort. Seit einer spontanen Aktion im Sommer 2016, als Bewohner und Stadtangestellte an einem Abend die Straße in Regenbogenfarben strichen, wird sie jeden Sommer neu aufgefrischt, mitmachen kann jeder. Am oberen Ende steht die Bláa kirkjan, die blaue Holzkirche, die im Sommer auch für ihre Konzertreihe bekannt ist.
Seyðisfjörður gilt außerdem als Künstlerdorf: Im Skaftfell Art Center, einem imposanten Gebäude von 1907, findest du Ausstellungen und ein kleines Bistro, drumherum verteilen sich in den bunten Holzhäusern viele kleine Ateliers für Kunsthandwerk.
Tvísöngur
Oberhalb von Seyðisfjörður, an der Straße Richtung Egilsstaðir, lohnt sich noch ein kurzer Stopp beim Tvísöngur: fünf begehbare Betonkuppeln des deutschen Künstlers Lukas Kühne, jede auf einen eigenen Ton gestimmt und benannt nach der alten isländischen Gesangstradition. Stellst du dich hinein und singst, wird der Klang von der Wölbung verstärkt und hallt zurück.

Gufufoss
Fährst du von Seyðisfjörður aus weiter über den Fjarðarheiði-Pass, liegt noch der Gufufoss am Weg, ein letzter guter Fotostopp.
Borgarfjörður Eystri: der beste Ort für Papageientaucher
Nördlich von Seyðisfjörður liegt Borgarfjörður Eystri, auch Bakkagerði genannt: Hier brüten von Mitte April bis Mitte August rund 10.000 Papageientaucher-Paare auf dem Vogelfelsen direkt am Hafen. Über die Aussichtsplattformen in Hafnarholmi kommst du ihnen richtig nah, ohne sie zu stören. Für mich ist das der beste Ort in ganz Island, um Papageientaucher aus nächster Nähe zu sehen, ein Pflichtstopp auf deiner Route.
Geheimtipp: Auf dem Weg dorthin, auf Route 94, steht mitten im Nichts ein kleines grünes Häuschen mit einem solarbetriebenen Getränkeautomaten, der Coke Sjálfsali. Klingt kurios, ist aber ein netter kleiner Fotostopp zwischendurch.

Mitten im Ort steht außerdem Lindarbakki, ein bis heute bewohntes kleines Grasdachhaus. Es ist kein Museum und nicht für Besucher geöffnet. Von außen ist es aber ein hübsches Fotomotiv und einen kurzen Abstecher wert.
Wanderfans kommen hier ebenfalls auf ihre Kosten: Von Borgarfjörður Eystri startet das Víknaslóðir-Wanderwegenetz, das über mehrere Tage durch die menschenleeren "verlassenen Fjorde" bis nach Loðmundarfjörður führt, vorbei an bunten Bergrücken, schwarzen Stränden und verfallenen Höfen, mit Schlafplätzen in einfachen Berghütten unterwegs.
Wir hatten dafür leider zu wenig Zeit – wir waren auf unserer Islandreise viel im Hochland und anderswo wandern unterwegs. Wenn dir das wichtig ist, plane hier ruhig ein paar Tage extra ein.
Praktische Tipps für deine Route
Anreise in die Ostfjorde
Mit der Fähre über die Färöer nach Seyðisfjörður
Wir sind mit dem Camper über die Fähre angereist. Du könntest dein Fahrzeug theoretisch auch per Container verschiffen lassen, zum Beispiel ab Cuxhaven, die Überfahrt dauert dann rund 9 Tage. Für uns ergab das aber keinen Sinn, weil dann noch der Flug nach Island und zurück dazukommt, nur um das Fahrzeug abzuholen. Mit der Fähre reist du dagegen direkt mit deinem Wohnmobil mit.
Die Smyril Line fährt einmal wöchentlich von Hirtshals in Dänemark über Tórshavn auf den Färöern nach Seyðisfjörður, mit dem Schiff MS Norröna. Rechne für die Überfahrt rund 66 Stunden ein, die Fähre verkehrt saisonal von März bis November. Du landest so automatisch mitten in den Ostfjorden – ein guter Grund, sich für diese Region gleich am Anfang Zeit zu nehmen, statt direkt weiterzufahren.
Mehr zur Anreise und den ersten Schritten mit dem Wohnmobil in Island findest du in meinem Artikel für Island-Einsteiger.
Alternative: über die Ringstraße von Reykjavík aus
Fliegst du stattdessen nach Keflavík und mietest dir dort ein Fahrzeug, erreichst du die Ostfjorde über die Ringstraße. Über die Südroute (Vík, Höfn) sind das rund 650 Kilometer bis Egilsstaðir. Plane dafür mit Stopps zwei bis drei Tage ein. So sind vermutlich auch die meisten von euch unterwegs, deshalb zeige ich dir die Ostfjorde in diesem Artikel von Süden nach Norden.
Beste Reisezeit für die Ostfjorde
Am wärmsten ist es im Osten Islands zwischen Juni und August, mit Tageshöchstwerten um 12 bis 14 Grad und nachts oft nur 6 bis 7 Grad. Wir sind im Juni angekommen und hatten bei der Ankunft 24 Grad und Sonnenschein. Trotzdem: Im isländischen Sommer musst du mit allem rechnen, von Sonne bis Sturm und Regen, oft am selben Tag. Genau in den warmen Monaten ist auch der Öxi-Pass am ehesten befahrbar, außerhalb der Sommermonate raten Straßen- und Wetterdienste eher ab.
Beste Reisezeit nach Aktivität
| Jan | Feb | Mrz | Apr | Mai | Jun | Jul | Aug | Sep | Okt | Nov | Dez | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Reisewetter allgemein | − | − | − | 0 | 0 | + | + | + | 0 | − | − | − |
| Wandern | − | − | − | − | 0 | + | + | + | 0 | − | − | − |
| Öxi-Pass/Bergstraßen | − | − | − | − | 0 | + | + | + | 0 | − | − | − |
| Papageientaucher Borgarfjörður Eystri | − | − | − | 0 | + | + | + | 0 | − | − | − | − |
Die Papageientaucher brüten von Mitte April bis Mitte August in Borgarfjörður Eystri, am meisten los ist zwischen Mai und Mitte August. Der Öxi-Pass ist offiziell nur im Sommer freigegeben. Ein 4x4 ist nicht zwingend vorgeschrieben, bei trockenem Wetter kommt auch ein normales Auto durch, mehr Bodenfreiheit gibt dir aber mehr Sicherheit auf der steilen Schotterstrecke. Prüfe vor der Fahrt immer road.is und vedur.is für aktuelle Bedingungen.
Straßen und Routenplanung: Küstenstraße oder Öxi-Pass
Der Öxi-Pass – Abkürzung durch die Berge
Wir sind den Öxi-Pass (Route 939) gefahren, der Egilsstaðir über die Breiðdalsheiði-Hochebene mit dem Berufjörður verbindet. Die rund 20 Kilometer lange Schotterstrecke spart dir gegenüber der Küstenstraße über die Fjorde etwa 70 Kilometer. Ein 4x4 ist nicht vorgeschrieben, bei uns ging es auch mit einem normalen Fahrzeug, das hängt aber stark von Jahreszeit und Wetter ab. Die Steigungen liegen stellenweise bei bis zu 20 Prozent, dazu kommen enge Kurven und Schlaglöcher. Fahr den Pass nur bei trockenem Wetter, im Frühjahr und Herbst kann Schneematsch die Strecke unpassierbar machen.
Die lange Küstenstraße über die Fjorde – unsere Wahl, weil wir Zeit hatten
Weil wir sechs Wochen für ganz Island Zeit hatten, sind wir zusätzlich die normale Küstenstraße über die Fjorde gefahren, statt nur den Öxi-Pass zu nehmen. Diese Strecke führt an allen kleinen Fjorden und Dörfern vorbei, die ich dir weiter oben zeige, und ist mit rund 143 Kilometern gut doppelt so lang wie der Öxi-Pass. Hast du wenig Zeit, ist der Öxi-Pass die schnellere Option. Willst du wie wir jeden Fjord sehen, lohnt sich der Umweg.
Ich hoffe, dir hat mein Artikel gefallen und geholfen, deine Fragen zu beantworten. Falls du noch Ideen oder Fragen hast, dann freue ich mich sehr über deinen Kommentar zu diesem Beitrag hier auf dem Reiseblog.
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