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Ich wurde vorgewarnt – bei Lüderitz gibt es nur zwei Meinungen: Man mag es, oder man mag es nicht. Meine Einschätzung: Ich konnte keine richtige Beziehung zur Stadt aufbauen. Das mag aber auch an dem diesig-nebligen Wetter gelegen haben, der an beiden Tagen meines Besuchs an der Hafenstadt dominierte.

Diese verschlafene Hafenstadt hat definitiv ihre besten Zeiten hinter sich, auch wenn der Green-Energy-Boom und die Öl-Lobbyisten in den letzten Jahren viel investiert haben. Ein paar Gebäude wurden renoviert, ein Hangar am Flughafen gebaut – aber sonst scheint nicht viel passiert zu sein. Trotzdem: Die Umgebung hat mich überrascht.

Die Bootstour zu den bedrohten Pinguinen auf Halifax Island, Heaviside-Delfine im Atlantik, die Geisterstadt Kolmanskuppe und die raue Küstenlandschaft machen den Abstecher lohnenswert. In diesem Artikel teile ich meine ehrliche Einschätzung, alle Lüderitz Sehenswürdigkeiten und habe praktische Tipps für deinen Besuch.

Lüderitz auf einen Blick: Lage & Anreise

  • Lage: Lüderitz liegt im tiefen Südwesten Namibias an der Atlantikküste, umgeben von Namib-Wüste und Meer.
  • Ca. 19.000 Einwohner, isolierte Lage (nächste größere Ortschaft Hunderte Kilometer entfernt)
  • Anreise: über die gute Teerstraße B4 von Aus (ca. 125 km, schnurgerade durch die Wüste)
  • Auf dem Weg: die Wildpferde bei Garub und der verlassene Bahnhof Garub
  • Idealer Zwischenstopp zwischen Fish River Canyon und Sossusvlei
  • Ich kam aus: Klein-Aus Vista (Eagles Nest Cottage) und fuhr weiter zum Fish River Canyon (Gondwana Canyon Lodge)
  • Unterkunft in Lüderitz: The Cormorant House

Lüderitz Sehenswürdigkeiten

Lüderitz ist eine übersichtliche und kleine Stadt, die du gut zu Fuß erkunden kannst. Die meisten Sehenswürdigkeiten liegen nah beieinander. Für Ausflüge nach Kolmanskuppe, zur Halbinsel oder zum Diaz Point brauchst du dann allerdings ein Auto oder buchst eine Tour.

Kolonialhäuser in der Altstadt

Beim Spaziergang durch die Altstadt fallen sofort die bunten Kolonialhäuser im Jugendstil ins Auge. Viele stammen noch aus der deutschen Kaiserzeit und sind erstaunlich gut erhalten. Besonders schön ist die Bergstraße mit ihren liebevoll restaurierten Fassaden in Gelb, Blau und Rot. Die grellen Farben wirken vor der kargen Felsküste fast surreal, als hätte jemand eine Spielzeugstadt an den Rand der Wüste gestellt.

Felsenkirche

Die evangelisch-lutherische Felsenkirche ist das Wahrzeichen von Lüderitz. Sie thront auf dem Diamantberg hoch über der Stadt und ist von fast überall aus sichtbar. Die Kirche wurde zwischen 1911 und 1912 erbaut und am 4. August 1912 eingeweiht. Das Altarfenster wurde von Kaiser Wilhelm II. persönlich gestiftet, die Bibel war ein Geschenk seiner Frau.

Von oben hast du einen richtig schönen Blick über die Stadt, den Hafen und die Bucht. Allerdings sind die Öffnungszeiten etwas eingeschränkt: Du kannst die Kirche nur montags bis samstags für etwa eine Stunde am späten Nachmittag besichtigen. Sonntags ist sie für Besucher geschlossen.

Mein Tipp: Für das beste Licht durch die Buntglasfenster kurz vor Schließung zum Sonnenuntergang hinkommen. Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.

Goerke-Haus

Das Goerke-Haus gehört zu den beeindruckendsten Gebäuden der Stadt. Es wurde zwischen 1909 und 1910 vom Architekten Otto Ertl für den Diamantenmanager Hans Goerke gebaut und verbindet wilhelminischen Stil mit Jugendstilelementen. Das Haus steht erhöht auf einem Hügel und war damals eines der luxuriösesten Wohnhäuser in ganz Deutsch-Südwestafrika. Heute kannst du es besichtigen und bekommst einen Eindruck davon, wie die Oberschicht während des Diamantenbooms gelebt hat.

Hinweis: Prüfe die Öffnungszeiten, bei mir war das Haus zur Renovierung geschlossen.

Woermannhaus & Alte Turnhalle und Lesehalle

Das Woermannhaus wurde 1906 direkt auf Granitfelsen erbaut und diente als Geschäftshaus der deutschen Handelsfirma Woermann. Hier warteten Passagiere auf ihre Schiffe, denn die Bahnlinie aus Aus endete praktisch vor der Tür. Auch heute ist es noch ein markantes Gebäude mit tollem Blick aufs Meer.

Woermannhaus in Lüderitz
Woermannhaus in Lüderitz

Nur ein paar Hundert Meter weiter steht die Alte Turnhalle, ein auffälliger Bau im deutschen Jugendstil. Sie diente der Kolonialgemeinschaft als Sport- und Versammlungsort und wird bis heute für Veranstaltungen genutzt. Im Obergeschoss gibt es eine kleine Bar, in der du auf ein Bier vorbeischauen kannst. Direkt daneben findest du die Lesehalle.

Lesehalle und Turnhalle in Lüderitz
Lesehalle und Turnhalle in Lüderitz

Bahnhof

Der Bahnhof von Lüderitz wurde 1914 fertiggestellt und ist ein hübsches Stück Kolonialarchitektur. Von hier aus verband eine Schmalspurbahn die Hafenstadt mit den Diamantenfeldern im Hinterland. Die Bahnlinie durch die Dünen war eine technische Meisterleistung und der ständige Kampf gegen den Sand eine Sisyphusarbeit. Seit 2014 rollen übrigens wieder Güterzüge auf neu verlegten Schienen durch die Wüste.

Diaz Point & Diaz-Kreuz

Am südlichen Ende der Halbinsel steht am Diaz Point eine Nachbildung des Steinkreuzes, das Bartolomeu Dias hier 1488 aufstellte. Die Replika wurde 1988 zum 500. Jahrestag aus namibischem Dolerit-Gestein gefertigt – das Original überstand die Jahrhunderte leider nicht. Daneben steht der rot-weiß gestreifte Leuchtturm von 1915, der auch heute noch in Betrieb ist.

Der Weg zum Diaz Point führt über eine Piste über die Halbinsel und ist schon allein wegen der Landschaft einen Ausflug wert. Unterwegs passierst du einsame Buchten, in denen sich Robben auf den Felsen sonnen, und mit etwas Glück lässt sich auch mal ein Schakal blicken.

Namibia Maritime Museum

Recht neu in Lüderitz und definitiv einen Besuch wert: Das Namibia Maritime Museum wurde im November 2024 im restaurierten alten Kraftwerk (Lüderitz Old Power Station) eröffnet. Das Gebäude von 1911 wurde für rund 450 Millionen NAD aufwendig umgebaut und beherbergt jetzt auf drei Etagen mit Meerblick das größte maritime Museum in Subsahara-Afrika.

Auf 2.000 Quadratmetern findest du Ausstellungen zu Schifffahrt, Fischerei, Diamantentauchen, Fossilien und der maritimen Geschichte der Region. Im selben Komplex gibt es außerdem einen Uni-Campus (NUST), ein Restaurant und ein Gästehaus direkt am Wasser.

Geisterstadt Kolmanskuppe in der Wüste

Etwa 10 km östlich von Lüderitz liegt einer der faszinierendsten Lost Places Afrikas: Kolmanskuppe oder Kolmanskop. Die ehemalige Diamantenstadt wurde 1908 gegründet und entwickelte sich rasend schnell zur wohlhabendsten Siedlung im südlichen Afrika. Casino, Kegelbahn, Krankenhaus mit dem ersten Röntgengerät der Südhalbkugel – mitten in der Wüste. Frischwasser musste aufwendig herangeschafft werden.

Doch als in den 1920er-Jahren weiter südlich noch reichere Diamantenvorkommen entdeckt wurden, war der Traum vorbei. 1956 verließ die letzte Familie den Ort. Seitdem holt sich die Namib-Wüste Kolmanskuppe Stück für Stück zurück. Sand dringt durch die Türen und Fenster, füllt ganze Räume und schafft diese surrealen Bilder, die du wahrscheinlich schon auf Instagram gesehen hast.

Heute ist Kolmanskuppe ein Freilichtmuseum und eine echte Geisterstadt. Im renovierten Casino-Gebäude kannst du namibische Diamanten kaufen, und in der alten Sodafabrik gibt es eine Boutique mit lokalen Produkten.

Praktische Infos:

  • Unter der Woche ist Kolmanskuppe bis in den frühen Nachmittag geöffnet, am Wochenende nur vormittags. Geführte Touren starten am Vormittag, danach kannst du auf eigene Faust weiter durch die Häuser streifen, zum Beispiel mit dem Audioguide von VoiceMap.
  • Für Fotografen gibt es spezielle Tickets, die dir mehr Zeit in den Gebäuden geben. Von Kolmanskuppe aus erreichst du auch das Tor zum Tsau Khaeb National Park (Sperrgebiet).
Kolmannskuppe in Namibia bei Lüderitz besuchen - meine Tipps und Highlights
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Aktivitäten & Ausflüge rund um Lüderitz unternehmen

Die Stadt selbst hat mich – wie gesagt – nicht ganz so gepackt wie andere Orte Namibias. Auch wenn die Geschichte spannend ist. Aber die Ausflüge rund um Lüderitz sind ein anderes Kaliber. Hier passiert das, wofür sich die lange Anfahrt wirklich lohnt.

Bootstour zu den Pinguinen bei Halifax Island – Penguin Catamaran Tours

Das war für mich das absolute Highlight in Lüderitz. Mit Penguin Catamaran Tours geht es morgens um 8:00 Uhr vom Hafen aus auf den Atlantik. Die geführte Tour zur "Penguin Island" dauert rund 2 Stunden und 15 Minuten und kostet 650 NAD pro Person (Stand meines Besuchs – online findest du teils auch Preise ab 600 NAD, also am besten direkt beim Anbieter checken).

Die Fahrt führt entlang der wilden Küste, vorbei an Robbenkolonien und einsamen Buchten, bis nach Halifax Island. Die Insel ist ein Naturschutzgebiet und Heimat einer Kolonie Afrikanischer Pinguine (African Penguins). Und hier wird es leider traurig: Die Population ist dramatisch geschrumpft. Aktuell werden nur noch etwa 600 Brutpaare gezählt – ein Rückgang um über 50 % seit den 2000er-Jahren. Die Afrikanischen Pinguine gehören zu den am stärksten bedrohten Seevögeln weltweit. Wenn du sie hier watscheln siehst, sollte dir bewusst sein, wie fragil das alles ist.

Direkt daneben das nächste Highlight: Flamingos im flachen Wasser. Es waren nicht viele, aber egal. Immer ein toller Anblick.

Auf dem Rückweg hatten wir dann noch weitere Highlights, denn auf dem offenen Meer begleiteten uns Heaviside-Delfine. Diese kleinen, kompakten Delfine sind etwas ganz Besonderes – sie kommen nur entlang der südwestafrikanischen Küste im kalten Benguelastrom vor und sind damit endemisch in dieser Region.

In der Lüderitz-Bucht leben Studien zufolge rund 494 Individuen. Sie lieben es, in der Bugwelle des Katamarans zu reiten. Sie sind auch sehr aktiv und immer wieder aus dem Wasser gesprungen.

Mit etwas Glück bekommst du auch Dunkle Delfine (Dusky Dolphins) zu sehen.

Alternativer Anbieter:

Neben Penguin Catamaran Tours gibt es auch Zeepard Catamaran Tours, die eine ähnliche Tour anbieten. Laut Info-Flyer für N$400 pro Erwachsenem, Kinder unter 12 frei. Die Tour lässt sich auch mit dem 11-Uhr-Rundgang in Kolmanskuppe kombinieren. Am besten vor Ort vergleichen, welcher Anbieter gerade fährt.

Lüderitz-Halbinsel erkunden

Die Lüderitz-Halbinsel ist wild, windig und wunderschön. Mit dem Auto kannst du die verschiedenen Buchten und Strände abfahren. Planet dafür einen halben Tag ein. Die Landschaft ist karg und felsig, aber genau das macht den Reiz aus.

Besonders sehenswert: die Große Bucht, in der du bei Ebbe schöne Sandflächen findest, und die Sturmvogelbucht, wo die Ruinen einer ehemaligen Walfangstation aus den Jahren 1913/14 vor sich hin verfallen.

Verstreute Walknochen liegen noch zwischen den Trümmern, ziemlich eindrücklich. In den Lagunen stehen oft Flamingos, und auf den Felsen sonnen sich Robben. Halte auch die Augen nach Schakalen offen, die hier an der Küste unterwegs sind.

Agate Beach & Kite-Surfen

Agate Beach liegt etwa 6 bis 8 km nördlich von Lüderitz und ist nach den Achaten benannt, die du hier mit etwas Glück am Strand findest. Zum Baden ist das Wasser ehrlich gesagt zu kalt (Benguelastrom lässt grüßen), aber zum Spazierengehen und Steine sammeln ist es perfekt.

Für Wind- und Kitesurfer ist Lüderitz dagegen ein echtes Paradies. Der konstante Südwester-Wind macht den Ort zu einem offiziell anerkannten Revier für Geschwindigkeitsrekorde. Die Lüderitz Speed Challenge ist ein von der WSSRC anerkanntes Event, bei dem Windsurfer Geschwindigkeiten von knapp 100 km/h und mehr erreichen. Auch wenn du nicht selbst aufs Wasser willst – das Zuschauen ist beeindruckend.

In der geschützten Bucht von Lüderitz kannst du dir auch Ausrüstung für Stand-Up-Paddling leihen und es unter Anleitung ausprobieren. Die Bucht ist erstaunlich ruhig, obwohl drumherum alles vom Wind zerzaust wird.

Bogenfels- & Sperrgebiet-Touren

Wenn du Zeit und Budget hast, solltest du eine Tour ins Sperrgebiet machen. Der Tsau Khaeb National Park (ehemals Diamantensperrgebiet) ist nur mit lizenzierten Anbietern zugänglich, auf eigene Faust kommst du nicht rein.

Das Highlight ist der Bogenfels: ein 55 Meter hoher Felsbogen direkt an der Küste, rund 95 km südlich von Lüderitz. Das Ding ist gewaltig und eine der spektakulärsten Felsformationen in ganz Namibia. Unterwegs besuchst du auch die Geisterstädte Pomona und Elizabeth Bay – weitere vom Sand begrabene Überreste des Diamantenrauschs, die einen ähnlich morbiden Charme haben wie Kolmanskuppe, aber deutlich weniger besucht sind.

  • Die Touren dauern je nach Route einen halben bis ganzen Tag. Am besten vorher buchen, da die Plätze begrenzt sind.
  • Ich hätte mindestens 5 Tage vorab anfragen müssen, da das Permit so lange dauert. Leider hatte ich unterwegs zu selten Internet und mit 2 Tagen davor war es dann zu spät und spontan.

Die Geschichte von Lüderitz – Zwischen Guano, Diamantenrausch und Kolonialzeit

Wenn du dich ein wenig mit der Geschichte Namibias beschäftigst, stößt du in Lüderitz an jeder Ecke auf die Spuren der Vergangenheit. Die Stadt hat in den vergangenen 500 Jahren so ziemlich alles erlebt: Entdecker, Walfänger, einen Goldrausch um Vogelkot, Diamantenfieber und eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Kolonialgeschichte.

Die ersten Europäer: Bartolomeu Dias

Alles beginnt 1488, als der portugiesische Seefahrer Bartolomeu Dias auf seiner Rückreise in der Bucht ankerte. Am 25. Juli 1488 stellte er ein Steinkreuz (Padrão) auf der südlichen Halbinsel auf, nannte die Bucht Angra Pequena – und segelte schnell wieder weiter. Das kann man ihm nicht verübeln. Die Küste hier ist rau, tückisch und so unwirtlich, dass nach ihm jahrhundertelang kein Europäer mehr ernsthaft versuchte, sich hier niederzulassen.

Walfänger und der Guano-Wahnsinn

Mitte des 19. Jahrhunderts kamen dann erst die Walfänger und kurz darauf die Guano-Sammler. Falls du dich fragst: Guano ist der über Jahrtausende abgelagerte Dung von Seevögeln – und war damals als Dünger so begehrt, dass er als „weißes Gold" gehandelt wurde.

Auf der kleinen Insel Ichaboe vor Lüderitz spielten sich regelrecht wilde Szenen ab. Um 1844 ankerten dort bis zu 450 Schiffe mit rund 6.000 Arbeitern gleichzeitig. Abenteurer aus aller Welt, die sich um den Vogeldung prügelten. Innerhalb von nur zwei Jahren war alles abgeerntet – rund 330.000 Tonnen allein auf Ichaboe.

Was dabei unterging: Die Pinguine zahlten den Preis. Ihre Eier wurden massenhaft eingesammelt und gegessen. Und durch den Abbau der Guano-Schicht verloren die Pinguine ihre Nistplätze – ohne den Dung konnten sie keine Bruthöhlen mehr graben und waren Hitze und Fressfeinden schutzlos ausgeliefert. Das ist einer der Gründe, warum es heute so wenige afrikanische Pinguine bei Lüderitz gibt. Wenn du auf der Bootstour bei Halifax Island nur noch geschätzt 800 Stück siehst, weißt du jetzt, wie es dazu kam.

Die Deutschen kommen

1883 schickte der Bremer Kaufmann Adolf Lüderitz seinen Angestellten Heinrich Vogelsang an diese von niemandem beachtete Ecke Afrikas. Für ein paar Gewehre und etwas Geld luchste Vogelsang dem ansässigen Nama-Stamm ein riesiges Stück wasserlose Wüste ab. Beim Kauf wurde auch noch getrickst: Man handelte in „geographischen Meilen" (ca. 7,5 km) statt in englischen – und bekam so ein deutlich größeres Gebiet als vereinbart.

Lüderitz überzeugte den Reichskanzler Bismarck, dass diese Wüste eine großartige Gelegenheit für das Deutsche Reich sei, endlich auch Kolonialmacht zu werden. 1884 wurde aus Südwestafrika Deutsch-Südwestafrika – und aus Angra Pequena wurde Lüderitz.

Shark Island – Das dunkelste Kapitel

Was viele nicht wissen: Auf der Haifischinsel (Shark Island), die heute ein Campingplatz ist, befand sich eines der ersten Konzentrationslager der deutschen Geschichte. Während des Herero- und Nama-Aufstands wurde das Lager von 1905 bis 1907 betrieben. Tausende Herero und Nama wurden dort unter unmenschlichen Bedingungen festgehalten und zur Zwangsarbeit gezwungen. Ein Großteil von ihnen überlebte nicht. Lüderitz diente als Verschiffungshafen für die deutschen Truppen – und als Ort des Schreckens für die Gefangenen.

Heute erinnern Gedenktafeln auf der Insel an dieses Kapitel. Es gehört zur Geschichte der Stadt und sollte nicht verschwiegen werden.

Hinweis: Bist du mit Auto und Dachzelt unterwegs? Das solltest du dir gut überlegen, ob du wirklich auf dem Campingplatz auf Shark Island übernachten möchtest. Denn hier ist es sehr windig oder sogar stürmisch. Eine ruhige Nacht hast du hier selten.

Der Diamantenrausch

Und dann kam das, wofür Lüderitz wirklich berühmt wurde. 1908 fand der Bahnarbeiter Zacharias Lewala bei der Bahnstation Grasplatz einen seltsamen Stein und zeigte ihn seinem Vorarbeiter August Stauch. Der ließ den Fund in aller Stille analysieren – und steckte sofort seinen Claim ab.

Lange ließ es sich nicht geheim halten. Bei Lüderitz brach der Diamantenrausch aus. In der Wüste wurde plötzlich Champagner getrunken, in Kolmanskuppe entstand eine Stadt mit Casino, Kegelbahn und Schwimmbecken. Frischwasser musste aufwendig herangeschafft werden. Es war die reichste Stadt im südlichen Afrika.

Doch wie gewonnen, so zerronnen: 1928 wurden weiter südlich am Oranje-Fluss noch reichere Diamantenvorkommen entdeckt. Kolmanskuppe wurde innerhalb weniger Jahre verlassen und Lüderitz fiel in einen Dornröschenschlaf, aus dem es bis heute nicht so richtig aufgewacht ist.

Lüderitz oder !Namiǂnûs?

Übrigens: Es gibt schon länger die Diskussion, ob der koloniale Stadtname durch einen Namen in der Sprache der Nama ersetzt werden sollte. Vorgeschlagen wurde !Namiǂnûs, was so viel wie „vom Wasser umarmt" bedeutet. 2013 wurde zwar der Wahlkreis umbenannt, aber die Einwohner – die sich liebevoll „Buchter" nennen – wehrten sich dagegen, auch ihre Stadt umzutaufen.

Lüderitz heute

Heute lebt Lüderitz vor allem vom Fischfang, wobei die Langustenbestände durch jahrzehntelange Überfischung stark zurückgegangen sind. In den letzten Jahren wurde viel in die Stadt investiert: Green-Hydrogen-Projekte, Öl-Lobbyisten, ein neuer Hangar am Flughafen, ein paar renovierte Gebäude. Aber wenn du ehrlich durch die Straßen läufst, merkst du: Der große Aufschwung ist noch nicht wirklich angekommen. Lüderitz döst weiter vor sich hin: ziemlich charmant, aber verschlafen.

Beste Reisezeit für Lüderitz

Das Klima in Lüderitz unterscheidet sich komplett vom Rest Namibias. Während du im Landesinneren bei 35 °C und mehr schwitzt, ist es an der Küste durch den kalten Benguelastrom deutlich kühler. Im Sommer (Dezember bis Februar) liegen die Höchsttemperaturen bei angenehmen 20 bis 25 °C. Im Winter (Juni bis August) wird es mit Tiefstwerten um 13 °C und Höchstwerten um 19 °C frisch, vor allem abends.

Bei meiner Anreise herrschten 2 km vor dem Ort noch 35 °C. Plötzlich fielen die Temperaturen auf 17 °C. Das ging sehr schnell. Nebel zog auf und als ich ankam, war von der Sonne nichts mehr zu sehen.

Und dann ist da der Wind. Der Südwester bläst in Lüderitz gefühlt immer. Böen von 40 km/h sind keine Seltenheit, und der feine Wüstensand peitscht dir gerne mal ins Gesicht. Pack auf jeden Fall eine winddichte Jacke ein. Egal, in welchem Monat du kommst. Dafür ist der Wind übrigens auch der Grund, warum Lüderitz sich in den letzten Jahren zu einem Hotspot für Kite- und Windsurfer entwickelt hat.

Was viele überrascht: Regen fällt hier so gut wie nie. Im Schnitt sind es nur rund 17 mm pro Jahr und somit ist Lüderitz einer der trockensten Orte Namibias.

Dafür ist morgens und abends häufig Nebel vom kalten Atlantik, der der Küste eine fast mystische Stimmung gibt.

Die beste Reisezeit für Lüderitz ist grundsätzlich ganzjährig. Im Sommer hast du höhere Temperaturen und weniger Nebel. Ideal für die Bootstour zu den Pinguinen. Im Winter ist es ruhiger und kühler, aber immer noch machbar. Wirklich schlechtes Wetter im klassischen Sinne gibt es hier nicht, nur Wind. Immer Wind.

Bei unserer Pinguintour sagte man uns, dass es im Winter angenehmer ist, da die Wellen oft nicht so hoch sind. Bei uns in der 2. Aprilwoche war es tatsächlich recht mild und windstill. Dafür sehr neblig.

Übernachten in Lüderitz

Das Angebot an Unterkünften in Lüderitz ist überschaubar, aber es gibt für jedes Budget etwas. Bei mir fiel die Wahl auf das Cormorant House und kann es empfehlen.

Wichtig zu wissen: Seit den großen Ölfunden vor der Küste Namibias (unter anderem durch TotalEnergies und Galp Energia im Orange Basin) und dem geplanten Green-Hydrogen-Projekt von Hyphen sind viele Unterkünfte in Lüderitz über Monate hinweg von Mitarbeitern der Öl- und Energiefirmen belegt.

Ein Freund, der in Walvis Bay lebt, hat mir erzählt, dass der Tourismus dadurch in den letzten Jahren eingebrochen ist – und tatsächlich bestätigt die Stadtverwaltung von Lüderitz, dass die Stadt mit den Unterkünften nicht mehr hinterherkommt. Die Immobilienpreise sind innerhalb eines Jahres um 30 bis 50 % gestiegen, und für das Hyphen-Projekt wird sogar eine komplett neue Siedlung südlich von Kolmanskuppe geplant, weil Hotels und Gästehäuser den erwarteten Ansturm von bis zu 15.000 Arbeitern nicht auffangen können.

Kurz gesagt: Buch deine Unterkunft so früh wie möglich. Spontan in Lüderitz aufzutauchen und ein Zimmer zu finden, kann schwierig werden. Falls du campst: Buche dir in Lüderitz ein Zimmer, denn hier ist es meist so windig, dass die Übernachtung im Dachzelt kein Spaß macht.

Mein Tipp und Wahl: Cormorant House

Das Cormorant House ist ein Selbstversorger-Gästehaus mit 8 Zimmern, direkt auf Shark Island gelegen. Die Lage ist besonders: Du hast von hier aus einen tollen Blick auf den Atlantik und bist trotzdem in wenigen Minuten in der Stadt. Die Zimmer haben kleine Küchenzeilen, was praktisch ist, da die Restaurantauswahl in Lüderitz begrenzt ist.

Preislich liegt es bei ab ca. 68 USD pro Nacht (je nachdem, wann du hier bist)

Wenn dich das Rauschen des Meeres stört, solltest du dir eine andere Unterkunft aussuchen. Ich mag es, zum Meeresrauschen einzuschlafen und wieder aufzuwachen.

Weitere Unterkünfte in Lüderitz

Für mehr Komfort:

Das Lüderitz Nest Hotel ist die erste Adresse in der Stadt – ein 4-Sterne-Hotel mit 70 Zimmern, eigenem Strand, Pool, Sauna und Restaurant. Mit Preisen ab ca. 265 USD pro Nacht ist es allerdings auch die teuerste Option. Wer sich etwas gönnen will, ist hier richtig.

Gute Mittelklasse:

Das Hotel Sea-View zum Sperrgebiet bietet 22 Zimmer mit beheiztem Pool und Sauna, dazu ein gutes Fischrestaurant. Ab ca. 83 USD pro Nacht ein solides Preis-Leistungs-Verhältnis. Die Alte Villa ist ein kleines Boutique-Gästehaus in einem historischen Gebäude von 1909 – nur 5 Zimmer, dafür mit Abendessen vom hauseigenen Koch und Weinverkostung. Charmant und persönlich.

Budget-freundlich:

Kairos Cottage hat 5 Zimmer mit eigenem Bad und ein angeschlossenes Café – perfekt für den entspannten Start in den Tag.

Die Kratzplatz Accommodation liegt zentral, hat 12 Zimmer, ein Restaurant und eine Bar mit Live-Musik (zweimal pro Woche). Und das Zur Waterkant Gästehaus ist ein familiäres B&B mit 6 Zimmern, alle mit Blick auf den Atlantik – ab ca. 114 USD.

Mein Tipp: Buch rechtzeitig, besonders wenn du in der Hochsaison oder zum Crayfish Festival im April kommst. Die Auswahl ist klein, und die guten Unterkünfte sind schnell voll.

Restaurants & Cafés in Lüderitz

Die Restaurantszene in Lüderitz ist klein, aber dank des kalten Benguelastroms gibt es hier richtig guten Fisch und Meeresfrüchte. Langusten, Austern und Kingklip stehen auf fast jeder Karte. Die Auswahl an Lokalen ist überschaubar, aber die Qualität stimmt.

Meine Empfehlungen

Ritzi's Seafood Restaurant ist die erste Adresse für Fisch und Meeresfrüchte in Lüderitz. Das Restaurant liegt an der Hafenstraße und serviert frischen Fang aus dem Atlantik: von Kingklip über Hake bis zu Langusten und Austern. Lass dich vom optischen Aussehen des Gebäudes nicht abschrecken.

Das Diaz Coffee Shop and Oyster Bar befindet sich im historischen Gebäude Krabbenhoft & Lampe, einem nationalen Denkmal im Zentrum von Lüderitz. Tagsüber ist es ein gemütliches Café, abends eine Oyster Bar – perfekt für einen Kaffee am Nachmittag oder Austern zum Sundowner. Der Kaffee kommt übrigens von den Slowtown Coffee Roasters aus Swakopmund – meinem Lieblingscafé in Namibia.

Wer Lust auf deftiges deutsches Essen hat, geht in den Barrels Pub in der Nachtigal Street. Das Lokal ist legendär für sein Eisbein und hat eine lebhafte Atmosphäre – manchmal wird hier auch gesungen und getanzt.

Im Nest Hotel hast du gleich zwei Optionen: Das Penguin Restaurant (täglich 7:00–22:00 Uhr, sonntags Brunch-Buffet 12:30–15:00 Uhr) und die Crayfish Lounge (täglich ab 12:00 Uhr) mit Blick aufs Meer.

Für schnelle Fish & Chips zum Mitnehmen: Captain Macarena an der Waterfront. Und wer nach dem Besuch in Kolmanskuppe hungrig ist, kann in der Kolmanskop Tavern vor Ort frühstücken oder zu Mittag essen. Der Kuchen ist auch lecker (Mo–Sa 8:30–13:00/14:00 Uhr).

Einen Sundowner mit Meerblick bekommst du im Lüderitz Yacht Club an der Waterfront . Bei mir wars leider überhaupt nicht sonnig.

Crayfish Festival

Jedes Jahr Ende April/Anfang Mai findet in Lüderitz das Crayfish Festival statt – das größte Event der Stadt. 2026 läuft es vom 28. April bis 3. Mai unter dem Motto „Harvesting Sustainability, Empowering Communities". Wenn du zu dieser Zeit in der Gegend bist, lohnt sich ein Abstecher – aber buch deine Unterkunft dann noch früher als sonst.

Praktische Reisetipps für Lüderitz

Anreise

Die Anreise erfolgt über die B4 ab dem Ort Aus. Eine tolle und schnurgerade Teerstraße führt dich über 125 km durch die Wüste.

Auf dem Weg solltest du unbedingt bei Garub einen Fotostopp für die berühmten Wildpferde der Namib einlegen, die hier direkt an der Straße stehen. Es führt nur eine einzige Straße nach Lüderitz, die regelmäßig mit einem Schneepflug von Sand freigeräumt werden muss. Das sagt eigentlich alles über die Abgeschiedenheit.

Weiterfahrt

Für die Weiterfahrt empfehle ich die Schotterpiste D707, die als eine der schönsten Strecken Namibias gilt und ich ebenfalls wundervoll fand

Kleidung

Pack auf jeden Fall warme und winddichte Kleidung ein, auch im Sommer. Ich kam aus 35 Grad und wurde mit kühlen 17 Grad und Nebel empfangen. Der Südwester bläst hier fast immer, bei mir zum Glück nicht, dafür herrschte das typische Nebelwetter.

Erkundung der Stadt

Die Sehenswürdigkeiten in der Stadt erreichst du problemlos zu Fuß, für Ausflüge zu Kolmanskuppe, Diaz Point oder zur Halbinsel brauchst du allerdings ein Auto. Kolmanskuppe und Sperrgebiet-Touren solltest du frühzeitig buchen, da die Plätze begrenzt sind.

Wie viel Zeit einplanen?

Ich empfehle 2 Nächte in Lüderitz, damit du genug Zeit für die Ausflüge hast, ohne zu hetzen. Falls du die Sperrgebiet-Tour machst, solltest du eine 3. Nacht einplanen.

Lüderitz Namibia: Mein Fazit

Hand aufs Herz: Die Stadt selbst hat mich nicht gepackt. Sie ist zwar echt skurril und interessant, verschlafen und irgendwie aus der Zeit gefallen, aber irgendwie konnte ich keine richtige Beziehung zu Lüderitz aufbauen. Die Umgebung macht es aber mehr als wett.

Die Bootstour zu den bedrohten Pinguinen auf Halifax Island, die Heaviside-Delfine im Atlantik, die surreale Geisterstadt Kolmanskuppe und die raue, windgepeitschte Küste sind Erlebnisse, die mir in Erinnerung bleiben.

Lüderitz lohnt sich vor allem für Naturliebhaber, Fotografen und Geschichtsinteressierte.

Wenn du auf deiner Namibia-Rundreise genug Zeit hast, nimm den Umweg in Kauf. Plane den Fokus aber auf die Ausflüge statt auf die Stadt selbst. Und bitte vergiss nicht, wie fragil diese Natur ist: Die Afrikanischen Pinguine brauchen unseren Schutz.

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Katrin Lehr, Gründerin Reiseblog viel-unterwegs.de und Reise-Expertin
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