Inhalt
Kreuzfahrten haben mich grundsätzlich immer abgeschreckt. Zu groß, zu laut, zu durchgetaktet, zu weit entfernt von dem, was ich am Reisen schätze. Als ich zum ersten Mal von einer Flussreise auf dem Mekong hörte, war ich entsprechend skeptisch.
Nicht, dass mich Laos oder der Fluss an sich nicht interessieren würden. Im Gegenteil! Viele Orte entlang des Mekong sind auf dem Landweg nur schwer oder gar nicht erreichbar. Trotzdem hatte ich mir über Jahre ein bestimmtes Bild von Kreuzfahrten zurechtgelegt, von dem ich nur schwer loskam.
Rückblickend war es vermutlich genau diese Skepsis, die die Reise so überraschend gemacht hat. Denn eine Flusskreuzfahrt in Laos hat mit dem klassischen Bild von Kreuzfahrten nur wenig zu tun – und sehr viel mit Nähe und dem bewussten Reisen.
Anreise nach Laos
Laos erreicht man von Deutschland aus nur über einen Zwischenstopp, meist via eines der großen Drehkreuze in Südostasien: Bangkok, Ho-Chi-Minh-Stadt, Singapur oder Kuala Lumpur. In meinem Fall führte mich der Weg über Hanoi nach Laos, mit einem eintägigen Stop-Over in der vietnamesischen Hauptstadt. Für mich war das ein idealer Einstieg in die südostasiatische Zeitzone. Wer kann schon zu Pho oder Banh Mi als kulinarischem Einstieg in eine Asienreise Nein sagen?

Ankunft in Luang Prabang
Von Hanoi ging es am nächsten Tag dann nach Luang Prabang. Obwohl der Flug nur eine Stunde dauert, könnte der Kontrast nicht großer sein. Während Hanoi von Hupen, hektischer Bewegung und permanenter Geräuschkulisse geprägt ist, empfängt mich Luang Prabang selbst sehr leise, fast unscheinbar.
Entlang der zentralen Straße reihen sich kleine Cafés, Bars und Kolonialhäuser aneinander, das Leben spielt sich ruhig und offen auf den Gehwegen ab. Ich habe das Gefühl, dass die Zeit hier still bleibt, sobald man ankommt.

Luang Prabang gilt als spirituelles Zentrum des Landes. Tempel gehören hier selbstverständlich zum Stadtbild, nicht als Sehenswürdigkeiten, sondern als Teil des Alltags. Einer der wichtigsten ist der Wat Xieng Thong, ein Tempel aus dem 16. Jahrhundert, der über Jahrhunderte eine zentrale Rolle bei königlichen Zeremonien spielte. Noch heute nimmt er einen festen Platz im religiösen Leben der Stadt ein.



Buddha-Statue im Inneren des Haupttempels (Sim) von Wat Xieng Thong.
Am späten Nachmittag geht es hinauf auf den Mount Phousi, der sich mitten im Zentrum erhebt. Rund 300 Stufen führen nach oben, vorbei an kleinen Schreinen und Aussichtspunkten. Der Aufstieg ist spürbar, verliert aber schnell an Bedeutung, sobald sich oben der Blick öffnet. Von hier aus reicht die Sicht weit über die Stadt und den Mekong hinaus. Ein erster Moment, in dem man die Dimension dieses Flusses erahnt – und gleichzeitig spürt, wie ruhig sich alles anfühlt.

Einschiffen auf der Mekong SUN
Der Zugang zur Mekong SUN erfolgt über eine unscheinbare Treppe am Ufer von Luang Prabang. Kein Terminal, keine sichtbare Abfertigung. Das Gepäck wartet bereits an Bord. Wir werden freundlich empfangen und bekommen ein nasses Handtuch zur Erfrischung nach der Hitze und dem Aufstieg auf den Mount Phousi.

Die Mekong SUN ist ein Barfußschiff. Schuhe bleiben am Eingang, Schmutz und Sand draußen. Das warme Holz unter den Füßen fühlt sich gut an und gibt mir ein vertrautes, wohles Gefühl.
Schon nach kurzer Zeit bewege ich mich an Bord selbstverständlich. Die Wege erklären sich von selbst, Kabine, Restaurant und Deck sind klar angeordnet. Nichts wirkt unnötig kompliziert oder versteckt. Und wenn doch eine Frage auftaucht, ist immer jemand vom Personal in der Nähe.




Die erste Nacht verbringen wir noch in Luang Prabang, die eigentliche Flussreise beginnt erst am nächsten Tag. Trotzdem fühlt sich der Abend an Bord bereits wie ein Übergang an. Noch vor dem Abendessen wird uns die gesamte Besatzung vorgestellt. Vom Kapitän über den Koch bis hin zum Servicepersonal sind es insgesamt 18 Menschen, die sich um unser Wohl und eine sichere Reise kümmern werden.
Zum Abendessen gibt es vier Gänge, eine Mischung aus laotischer und westlicher Küche. Dazu Beerlao, das heimische Premium-Lager. Alternativ stehen auch eine Weinkarte und Cocktails zur Auswahl. Der Abend ist gemütlich, aber nicht lang. Am nächsten Morgen wollen wir früh aufstehen. Die Nacht an Bord ist ruhig. Trotz der schmalen Betten schlafe ich gut und vergesse schnell, dass ich auf einem Schiff bin.
Tak Bat und Morgenmarkt in Luang Prabang
Noch vor Sonnenaufgang verlassen wir das Schiff und laufen in die Stadt. Die Luft ist überraschend kühl und es herrscht absolute Stille. Um diese Uhrzeit würde man leere Straßen erwarten, aber der Gegenteil ist der Fall. Mit dem Tak Bat beginnt der tägliche Almosengang der Mönche. In langen Reihen ziehen sie schweigend durch die Straßen, in safranfarbenen Roben, begleitet vom leisen Rascheln ihrer Körbe.




Die Szene wirkt ruhig und konzentriert. Einheimische knien am Straßenrand, legen Reis und kleine Gaben in die Schalen. Der Tak Bat ist tief im Alltag der Stadt verankert, kein Schauspiel, sondern Tradition. Diese Ruhe und Selbstverständlichkeit berühren mich.
Gleichzeitig bleiben gemischte Gefühle. Entlang der Straßen sitzen zunehmend Touristen, viele davon ohne erkennbaren kulturellen Bezug zur Zeremonie. Manche versuchen, selbst Teil des Rituals zu werden, Kameras und Smartphones stets griffbereit. Was für die einen spiritueller Alltag ist, wird für andere zur Attraktion. Die Grenze zwischen Beobachten und Eingreifen verschwimmt, und genau das stört mich.
Wir halten Abstand, bleiben still, Fotografien aus der Distanz. Das ist der Kompromiss, den ich bereit bin zu gehen. Der Tak Bat entfaltet seine Wirkung meiner Meinung nach eben nicht durch Teilnahme, sondern durch Zurückhaltung.
Wenig später verändert sich die Stadt. Auf dem Morgenmarkt herrscht bereits geschäftiges Treiben. Frisches Obst, Kräuter, Gemüse, Fisch und Fleisch, darunter auch Ratten und Einhörnchen, liegen dicht nebeneinander aus. Ein für meine Nase noch gewöhnungsbedürftiger Eindruck. Händlerinnen sitzen auf kleinen Hockern oder auf dem Boden, alles wirkt ungezwungen. Der Markt zeigt eine andere Seite Luang Prabangs.



Mit diesen Bildern kehren wir zurück an Bord. Die Stadt ist inzwischen wach, für uns beginnt gleich etwas Neues. Die eigentliche Flussreise steht kurz bevor.
Unterwegs auf dem Mekong
Die Mekong SUN legt endlich ab und Luang Prabang rückt in den Hintergrund. Der Fluss liegt offen vor uns und übernimmt nun die Hauptrolle. An diesem Morgen liegt Nebel über dem Wasser. Die grün bewachsenen Berge sind nur schemenhaft zu erkennen, als würden sie sich bewusst zurückhalten. Ich mag diese Stimmung. Der Nebel nimmt dem Ganzen die Schärfe und verleiht dem Beginn der Reise etwas Ungewisses.



Der Tagesrhythmus an Bord ist einfach und klar. Jeden Abend liegt ein Ablaufplan für den kommenden Tag in der Kabine. Feste Zeiten für Frühstück, Mittagessen und Abendessen geben Orientierung, dazwischen bleibt viel Freizeit. Ergänzt wird das Ganze durch optionale Programmpunkte wie Ausflüge oder kurze Vorträge, alles ohne Verpflichtung.
Zu den Ausflügen gehört der Besuch der Kuang-Si-Wasserfälle. Mehrere Kaskaden ziehen sich durch dichten Dschungel und sammeln sich in türkisfarbenen Becken. Die Gelegenheit für ein Bad lassen wir uns nicht entgehen. Das kühle Wasser, die Geräusche des Waldes, der Blick nach oben zu den Bäumen. Momente wie dieser machen deutlich, warum solche Orte in Erinnerung bleiben.




Ein anderer Eindruck entsteht beim Besuch eines Hmong-Dorfs. Schon beim Anlegen stehen Kinder am Ufer, zunächst auf Abstand. Nach und nach kommen sie näher, lachen, beobachten uns genauso, wie wir sie. Die Hmong sind Bergvölker, viele leben heute aber entlang des Mekong, auch infolge staatlicher Umsiedlungsprogramme. Das Dorf wirkt schlicht und der Alltag läuft weiter, unabhängig von unserem Besuch. Genau da macht den Moment so authentisch.




Ein Abend hebt sich besonders ab. Die Mekong SUN legt an einer Sandbank an. Während wir den Sonnenuntergang noch vom Deck aus beobachten, bereitet die Crew ein Barbecue direkt am Ufer vor. Stühle stehen im Sand, Lichterketten hängen in den Palmen, ein großes Lagerfeuer wird entzündet. Es wird gegessen, getrunken und gelacht. Später beginnen Crewmitglieder zu singen und zu tanzen. Keine Vorführung, eher ein gemeinsamer Moment bei dem wir eingeladen werden mitzumachen. Als das Feuer kleiner wird, klingen Musik und Stimmen langsam ab. Zurück bleibt Stille, unterbrochen nur vom Knistern der Glut und dem Fluss, der weiterzieht. Unter klarem Sternenhimmel gehe ich zurück an Bord. Es ist spät, und genau richtig so.





Zugfahrt nach Vientiane
Der Abschied von der Mekong SUN fällt unspektakulär aus. Ein letztes Frühstück, ein Dank an die Crew. Dann geht es zurück an Land. Die Reise auf dem Fluss endet für mich ja nicht, aber eine neue Etappe beginnt.
Von Luang Prabang fahren wir mit dem Zug in die Hauptstadt Vientiane. Die Strecke ist modern, schnell und bildet einen deutlichen Kontrast zu den Tagen auf dem Mekong. China hat hier massiv in die Infrastruktur investiert, was mit strengen Sicherheitskontrollen einhergeht. Selbst Taschenmesser im aufgegebenen Gepäck werden bei der Sicherheitskontrolle aussortiert und dürfen nicht mitreisen. Wer das nicht weiß, erlebt schnell eine unangenehme Überraschung.
Im Zug ziehen Landschaft vorbei, Orte wechseln, der Rhythmus verändert sich. Für uns ist es ein Übergang, mehr nicht, aber er zeigt eine andere Seite des Landes. Mit der Ankunft in Vientiane steht die zweite Hälfte der Reise bevor, auf demselben Fluss, aber mit einem anderen Schiff.

Die Mekong STAR
Schon vom Ufer aus wird das größere Ausmaß der Mekong STAR deutlich. Mit ihren drei Etagen wirkt sie wesentlich großzügiger als die Mekong SUN. Alle Kabinen verfügen über einen eigenen Balkon. Auch das Sonnendeck bietet viel Platz und ist mit Solarpaneelen ausgestattet, die sich unauffällig in das Gesamtbild einfügen.




Noch bevor wir unsere Kabinen beziehen oder das Schiff erkunden, beginnt der Aufenthalt an Bord der Mekong STAR mit einer Baci-Zeremonie: Ein lokaler Gastgeber leitet das laotische Willkommensritual, während zwei junge Frauen uns weiße Baumwollfäden um die Handgelenke binden. Sie sollen Schutz geben und den Übergang in die nächste Reisephase einläuten.




Erst danach beginnt das eigentliche Ankommen an Bord. Im Vergleich zur Mekong SUN wirkt die STAR offener und großzügiger. Mehr Raum, mehr Licht, klarere Linien. Die Kabinen sind größer geschnitten. Rückzug ist hier ebenso möglich wie der Blick nach draußen. Beides existiert nebeneinander.








Gleichzeitig liegt eine besondere Stimmung in der Luft. Wir sind die ersten Gäste an Bord, die Mekong STAR tritt ihre erste offizielle Fahrt an. Man spürt eine gewisse Aufregung, bei der Crew ebenso wie bei den Gästen. Vieles sitzt bereits, manches wird noch mit besonderer Aufmerksamkeit begleitet. Es ist das seltene Gefühl, Teil eines Anfangs zu sein.







Auch in den Gemeinschaftsbereichen setzt sich dieses Raumgefühl fort. Das Restaurant öffnet sich nach außen, der Spa-Bereich liegt ruhig im Schiff. Eine Massage, während der Mekong vorbeizieht, fühlt sich einfach nur richtig an. Ergänzt wird das Bordleben durch einen Kochkurs, bei dem wir gemeinsam einen laotischen Papayasalat zubereiten. Ein direkter, unkomplizierter Zugang zur lokalen Küche.




Der Mekong ist dabei kein einfacher Fluss. Strömungen, Sandbänke und wechselnde Wasserstände verlangen Erfahrung und Aufmerksamkeit. Dass die Kapitäne diesen Fluss seit ihrer Kindheit genau kennen, wird schnell spürbar. Die Fahrt wirkt ruhig, aber nie beiläufig.



Die Mekong STAR erzählt dieselbe Reise mit einer anderen Handschrift. Der Fluss bleibt derselbe, der Rahmen verändert sich. Komfort und Weite treten stärker in den Vordergrund, ohne den Mekong zu übertönen.
Fazit
Die Mekong SUN und die Mekong STAR lassen sich nicht eindeutig gegeneinander ausspielen. Beide Schiffe schaffen Nähe, sowohl zur Crew als auch zum Fluss. Der Unterschied liegt weniger im Miteinander als im Raum, den man für sich selbst hat.
Die SUN lebt vom Boutique-Charakter, von kurzen Wegen und einer Atmosphäre, in der man sich schnell als Teil des Ganzen fühlt. Die STAR setzt auf Weite, Komfort und Rückzugsmöglichkeiten. Wer eine Flussreise gerne auch auf dem eigenen Balkon oder im Zimmer verbringt, findet hier mehr Platz und Ruhe. Beides funktioniert, je nach Persönlichkeit und Erwartung.
Am Ende ist es weniger eine Frage des besseren Schiffs als der eigenen Art zu reisen. Der Mekong bleibt der verbindende Faktor. Er gibt den Takt vor, unabhängig davon, wie viel Raum man um sich braucht. Und genau darin liegt die Stärke dieser Reise.
Disclaimer: Ich wurde von Lernidee zu dieser Reise eingeladen. Vielen Dank dafür, meine Meinung und Ansichten bleiben trotzdem meine eigenen. Möchtest du diese Reise selber erleben, dann kannst du sie direkt hier bei Lernidee buchen.
Nützliche Links: Unsere Empfehlungen, hier buchen wir
Wenn du deine Reisen oder Ausrüstung über meine Links buchst, erhalte ich eine kleine Provision. So kannst du mir helfen, diesen Reiseblog (Technik & Hosting) zu finanzieren. Danke für deine Unterstützung und dass du Teil meiner Community bist. Herzlichen Dank für deine Unterstützung!
Hat dir der Artikel geholfen? Dann freue ich mich über dein Feedback!
Hinterlasse gern einen Kommentar, wenn du Fragen oder Anregungen hast – oder teile den Beitrag mit Freunden, denen er auch weiterhelfen könnte.
Für mehr Reisetipps und persönliche Empfehlungen:
Folge mir auf Facebook, Instagram, Pinterest oder Threads – oder melde dich für meinen Newsletter an, um regelmäßig neue Artikel und exklusive Tipps zu erhalten.
