Inhalt
Das Wichtigste in Kürze
- Der Große Aletschgletscher ist mit 20 km Länge und 79 km² Fläche der längste und mächtigste Gletscher der Alpen und UNESCO-Welterbe.
- Die geführte Aletschgletscher-Rundtour startet in Fiesch, dauert rund 6 bis 7 Stunden und führt seilgesichert über das Gletschereis bis zu den Mittelmoränen.
- Buchbar direkt beim Bergsteigerzentrum Aletsch in Fiesch, inklusive Leihmaterial wie Klettergurt und Steigeisen, Bergbahnticket nicht inklusive.
- Geeignet für gute Wanderer und Familien. Keine Klettererfahrung nötig, aber Kondition und Trittsicherheit sind gefragt.
- Angeboten wird die Tour von Juni bis Oktober, im Hochsommer täglich.
Was ist die Aletsch Arena und warum ist der Aletschgletscher so besonders?
Die Aletsch Arena liegt im Wallis. Zu ihr gehören unter anderem die autofreien Bergdörfer Riederalp, Bettmeralp und Fiescheralp direkt oberhalb des Großen Aletschgletschers.
Mit rund 20 Kilometern Länge und 79 Quadratkilometern Fläche ist der Große Aletschgletscher der längste und mächtigste Eisstrom der Alpen. Sein Einzugsgebiet reicht in der Jungfrau-Region bis auf rund 4.000 Meter hinauf.
Am Konkordiaplatz auf etwa 2.750 Metern fließen der Große Aletschfirn, der Jungfraufirn und das Ewigschneefeld zusammen. Dort ist der Gletscher an seiner dicksten Stelle rund 800 Meter mächtig. Sein Gewicht wird auf etwa 10 Milliarden Tonnen geschätzt.
Seit 2001 gehört der Große Aletschgletscher als Teil des Gebiets „Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch“ zum UNESCO-Welterbe.
Seinen letzten großen Hochstand hatte der Gletscher um 1860. Damals reichte er noch etwa 3 Kilometer weiter ins Tal. Gerade weil der Aletschgletscher so mächtig ist, reagiert er träger auf Veränderungen als kleinere Gletscher. Wie deutlich der Rückgang trotzdem ist, sehe ich auf meiner Tour an mehreren Stellen.

Meine Gletscherwanderung auf dem Aletschgletscher
Am Morgen trifft sich die Gruppe in Fiesch an der Talstation. Da ich auf der Fiescheralp (Hotel Alpina) übernachtet habe, stoße ich erst an der Bergstation dazu. Hier startet dann die eigentliche Wanderung. Von hier geht es zunächst etwa 1,5 Stunden bergauf Richtung Märjelensee und Gletscherstube. Noch laufen wir auf einem normalen Bergweg, das Eis sehen wir von hier noch nicht. Der Blick ins Tal bleibt uns verwehrt: Nebel.
An der Gletscherstube machen wir eine kurze Pause. Es ist Zeit für einen Kaffee, Snacks oder die Toilette. Unser Bergführer Ivan verteilt Klettergurte und Steigeisen und erklärt uns, was uns auf dem Gletscher erwartet.
Denn eine Gletscherwanderung ist kein normaler Spaziergang. Die Oberfläche verändert sich ständig. Schmelzwasser frisst Rinnen und Löcher ins Eis, Spalten öffnen sich und Wege, die gestern noch funktioniert haben, können heute schon anders aussehen. Darum gehen wir als Seilschaft. Nicht, weil es super gefährlich ist, aber Sicherheit geht vor und Spalten sind manchmal tiefer, als man denkt.

Der Weg hinunter zum Eis wird immer länger
Nach einer kurzen Einweisung an der Gletscherstube steigen wir etwa 40 Minuten über Fels und Geröll hinunter zum Aletschgletscher.
Und schon auf diesem Weg wird sichtbar, wie stark sich das Eis zurückgezogen hat. Vor 50 Jahren hätte der Einstieg noch deutlich weiter oben gelegen. Heute müssen wir immer tiefer hinunter, um überhaupt auf den Gletscher zu gelangen.
Der Gedanke bleibt bei mir hängen: Wer diese Tour in einigen Jahren macht, wird vermutlich noch weitergehen müssen, bis das Eis beginnt.




Dort, wo früher eine Eishöhle war
Von der früheren großen Eishöhle an der Seite des Aletschgletschers ist nichts mehr übrig. Genau an deren Ende steigen wir heute auf den Gletscher, erklärt Ivan.
Auf älteren Bildern im Internet sieht man noch, wie weit sich die Höhle ins Eis zog. Ich stehe auf meinem Foto an derselben Stelle des Eingangs und fotografiere dorthin, wo sie einmal war. Heute sind dort nur noch Fels und Geröll. Bis zum Gletscherrand liegen einige Meter Distanz.

Am Gletscherrand ziehen wir die Steigeisen an und werden angeseilt. Ab jetzt sind wir als Seilschaft unterwegs. Ich gehe als Letzte. Dank ein paar Absagen sind wir nur fünf Teilnehmer, was für die Gruppe super ist.
Das Gehen auf dem Eis finde ich unkompliziert, dank Steigeisen hat man einen hervorragenden Halt. Viel schwieriger ist für mich das Fotografieren. In der Seilschaft läufst du im Tempo der Gruppe und kannst nicht einfach stehen bleiben, sobald du ein Motiv siehst. Ich bin die Letzte am Seil und versuche deshalb, möglichst viel im Gehen zu fotografieren.
Natürlich legen wir immer wieder Stopps ein, denn Ivan erzählt uns jede Menge. Wir wundern uns beispielsweise über Glasscherben, gar ganze Bierflaschen aus dem Eis. Die Erklärung ist einfach: Damals beim Bau der Konkordiahütte trank man das Bier und warf es einfach auf den Gletscher hinab. Dieser bewegt sich ins Tal und entsprechend alle Gegenstände, die damals hinterlassen wurden.
So auch Holzlatten, Holzstangen und andere Gegenstände, die ich wahrnehme.





Mitten auf dem Aletschgletscher
Je weiter wir auf das Eis hinauslaufen, desto deutlicher verändert sich die Landschaft. Aus der Entfernung wirkt die Gletscheroberfläche relativ eben. Bist du erstmal auf dem Gletscher unterwegs, siehst du erst, wie stark er durchfurcht ist.
Schmelzwasserrinnen ziehen sich durch das Eis, daneben öffnen sich tiefe Spalten. Stellenweise laufen wir an Eiswänden vorbei, die 10 Meter steil abfallen. Das passiert vor allem am Rand.
Überrascht hat mich auch, wie leise der Aletschgletscher ist. Bei anderen Gletschern habe ich immer wieder Eis krachen und brechen gehört. Hier hören wir hauptsächlich das Prasseln des Regens und das Knirschen unserer Steigeisen. Dazwischen rauscht Schmelzwasser, mal direkt neben uns, mal gedämpft irgendwo unter dem Eis.
Ivan erklärt uns unterwegs immer wieder, was wir sehen. Richtung Konkordiaplatz erkennst du die drei großen Firnfelder, aus denen der Aletschgletscher gespeist wird. Dort fließen die Eismassen zusammen.
Dabei wird auch Gestein mitgeführt. Wo die Eisströme zusammentreffen, sammeln sich diese Gesteinsmassen zu zwei dunklen Mittelmoränen. Von den Aussichtspunkten oberhalb des Aletschgletschers sehen sie aus wie lange dunkle Traktorspuren. Auf dem Eis selbst wirken sie viel mächtiger.





Unsere Rundtour führt bis zur westlichen Mittelmoräne. Dort machen wir Mittagspause, packen unsere Lunchpakete aus und ich kann meine Drohne fliegen (bitte prüfen, wo es erlaubt ist. Auf dem Gletscher ist es legal).

Erst wenn du mitten auf dem Gletscher sitzt, merkst du seine gewaltigen Ausmaße. Ich schaue nach oben, ich schaue nach unten, ein Ende des Eises ist in beide Richtungen nicht zu sehen.
Diese Perspektive bekommst du von keinem Aussichtspunkt. Nach der Pause machen wir uns wieder auf den Rückweg Richtung Märjelensee.










Unterwegs zeigt uns Ivan einen riesigen Gesteinsbrocken auf dem Eis und erklärt daran, wie ein Gletschertisch entsteht.
Der Fels schützt das Eis direkt unter sich, während die Umgebung schneller abschmilzt. Dadurch bleibt unter dem Stein allmählich ein Sockel aus Eis stehen. Wird dieser zu schmal oder instabil, kippt der Fels herunter und landet ein Stück tiefer auf dem Gletscher. Dort kann das Ganze von vorn beginnen.
Bei unserem Gletschertisch sieht man sogar noch Reste des alten Eissockels dahinter. So lässt sich direkt nachvollziehen, wie sich der Stein mit der schmelzenden Gletscheroberfläche immer weiter nach unten bewegt.

5 Zentimeter Eis seit gestern
Kurz bevor wir den Gletscher wieder verlassen, kommen wir an der Messstation des Geographischen Instituts der Universität Zürich (GIUZ) vorbei.
Ivan zeigt uns anhand der Messstäbe, wie hoch das Eis an dieser Stelle noch vor zehn Monaten stand. Seit dem Vortag fehlen schon wieder 5 Zentimeter.
Laut Ivan können hier bei gutem Wetter täglich 10 bis 15 Zentimeter Eis wegschmelzen.
Diese 5 Zentimeter seit gestern haben mich geschockt. Dass unsere Gletscher schrumpfen, weiß ich. Aber hier sehe ich mit eigenen Augen, wie schnell es passiert.
Wir verlassen das Eis und steigen über nasses Geröll und Fels zurück zur Gletscherstube. Dafür brauchen wir etwa 50 Minuten.

Der Märjelensee früher und heute
Zurück an der Gletscherstube zeigt uns Ivan zwei historische Postkarten vom Märjelensee.
Kaum zu glauben: Der See war früher so groß, dass Touristen im 19. Jahrhundert mit Booten bis an den Gletscherrand fuhren. Zwischen 1813 und 1915 brach der See immer wieder aus und sorgte im Tal für schwere Überschwemmungen. Erst ein Stollen und später der Tälligrat-Tunnel entschärften das Problem.
Heute ist von dem großen See auf den alten Postkarten nur noch eine kleine, saisonale Wasserfläche übrig.


Von der Gletscherstube geht es anschließend wieder hinunter zur Fiescheralp. Für den Rückweg brauchst du noch einmal etwa 1,5 Stunden. Bei gutem Wetter kannst du alternativ die längere Panoramaroute nehmen.
Insgesamt kommen bei der Rundtour rund 15,6 Kilometer und 600 Höhenmeter zusammen.
Praktische Tipps für deine Aletschgletscher-Rundtour
- Wann: Die Tour wird von Juni bis Oktober angeboten, im Juli und August täglich, in den Randmonaten Juni, September und Oktober jeweils dienstags, freitags, samstags und sonntags.
- Anmeldung: Gebucht wird direkt beim Bergsteigerzentrum Aletsch in Fiesch. Am besten meldest du dich rechtzeitig an. Aktuelle Preise und freie Termine findest du direkt auf der Buchungsseite.
- Dauer: Für die Rundtour solltest du etwa 6 bis 7 Stunden einplanen. Insgesamt sind es rund 15,6 Kilometer und 600 Höhenmeter.
- Für wen geeignet: Die Tour richtet sich an gute Wanderer und Familien. Klettererfahrung brauchst du keine. Wichtiger sind Kondition für die mehrstündige Tour und Trittsicherheit auf Fels und Geröll. Wenn du mit Kindern unterwegs bist, prüfe das aktuell geltende Mindestalter direkt beim Bergsteigerzentrum Aletsch.
Ausrüstung für die Gletscherwanderung
Diese Dinge solltest du dabeihaben:
- Wasserdichte Wander- oder Trekkingschuhe mit Profilsohle, keine Joggingschuhe. Ich empfehle knöchelhohe Schuhe. Sie geben mehr Halt auf dem unebenen Eis und Geröll, außerdem lassen sich die Steigeisen besser befestigen.
- Lange Hose
- Wind- und wasserdichte Jacke
- Pullover oder eine weitere Schicht zum Überziehen
- Mütze mit Ohrenschutz oder Stirnband
- Handschuhe
- Sonnenhut und gute Sonnenbrille
- Trinkflasche
- Lunch oder kleine Zwischenverpflegung
Klettergurt und Steigeisen werden gestellt und sind im Preis der Tour enthalten. Mütze und Handschuhe brauchst du auch im Hochsommer. Auf dem Eis und bei Wind kühlt es schnell ab. Bei uns hat es geregnet und es war kühl. in der Pause habe ich daher sogar meine Wollmütze aufgesetzt. Handschuhe sind kein muss, aber wenn du auf dem Eis doch mal hinfällst, schützen Handschuhe deine Hände.
Packe unbedingt wetterfeste Kleidung ein, unabhängig von der Vorhersage. Unsere Tour war streckenweise regnerisch und neblig, das gehört im Hochgebirge dazu. Nachdem es aber wochenlang davor nie geregnet hat, habe ich die Regenhose ausgepackt. Ein Fehler.
Anreise nach Fiesch und auf die Fiescheralp
Am einfachsten reist du mit dem Zug nach Fiesch. Der Bahnhof liegt direkt in der Talstation der Gondelbahn zur Fiescheralp. Du musst also nicht erst noch umsteigen oder weit laufen.
Gerade in der Schweiz ist die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln unkompliziert und nachhaltiger als mit dem Auto. Wenn du einen Swiss Travel Pass nutzt, kannst du die Zugfahrt gut in deine Reise integrieren.
Falls du mit dem Auto anreist, parkst du unten im Tal auf dem großen Parkplatz und fährst anschließend mit der Bergbahn nach oben. Die Bergdörfer der Aletsch Arena, darunter Riederalp, Bettmeralp und Fiescheralp, sind autofrei.
Wenn du auf der Fiescheralp übernachtest, nimm dein Gepäck für die nächsten Tage direkt mit nach oben. Prüfe vorab die Fahrpläne der Bergbahnen.
Hotel-Tipp auf der Fiescheralp
Wenn du direkt auf der Fiescheralp übernachten möchtest, ist das Boutique Hotel Alpina direkt an der Bergstation eine gute Wahl. Die Lage ist praktisch für die Gletscherwanderung, weil du am nächsten Morgen direkt oben starten kannst.
Das Frühstück war sehr umfangreich. Du kannst das Hotel mit Halbpension buchen, musst aber nicht. Wenn du lieber flexibel bist, buchst du nur Frühstück und wählst dein Abendessen später selbst von der Speisekarte.
Für die Gletscherwanderung kannst du dir außerdem ein Lunchpaket mitgeben lassen.

Was du rund um die Fiescheralp noch machen kannst
Wenn du mehr Zeit in der Aletsch Arena hast, lohnt sich der Aletsch Panoramaweg. Wir sind die 1. Etappe von Belalp nach Riederfurka gewandert.
Zusätzlich solltest du dir mindestens einen der Aussichtspunkte über dem Aletschgletscher ansehen. Mein Favorit ist der View Point Eggishorn auf 2.869 Metern. Der View Point Eggishorn ist bequem mit der Seilbahn ab der Fiescheralp erreichbar. Von hier siehst du fast die kompletten 20 Kilometer des Großen Aletschgletschers, dazu den Konkordiaplatz sowie Eiger, Mönch und Jungfrau.



Aber auch die anderen View Points Hohfluh, und Moosfluh sowie die Bergstation Bettmerhorn sind einen Besuch wert, denn von jedem Aussichtspunkt hast du eine andere Perspektive.
Ich würde die Fahrt aufs Eggishorn nach Möglichkeit für den Abschluss einplanen. Nachdem du vorher mitten auf dem Eis gestanden hast, siehst du den Gletscher von hier noch einmal aus einer vollkommen anderen Perspektive.
Am Eggishorn findest du außerdem das rote Fotozeichen der „Grand Tour of Switzerland“.
Mein Fazit: Lohnt sich die Aletschgletscher-Rundtour?
Für mich war die Tour eines der eindrücklichsten Erlebnisse meiner Schweiz-Reisen. Mich faszinieren Gletscher schon lange. Ich will sie sehen, mehr über sie erfahren und ihre Strukturen mit eigenen Augen ansehen, solange es sie noch gibt.
Wenn du einigermaßen fit und trittsicher bist, lohnt sich die Gletschertour. Nimm dir einen Tag Zeit, packe wetterfeste Kleidung ein und geh am besten bald: Der Große Aletschgletscher schrumpft Jahr für Jahr.
Hier siehst du mit eigenen Augen, was der Klimawandel mit unseren Gletschern macht. Das geht mir nah.

Hinweis: Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit der Aletsch Arena. Meine Ansichten sind wie immer meine eigenen.
Ich hoffe, dir hat mein Artikel zur Wanderung hat dir gefallen und geholfen, deine Fragen zu beantworten. Falls du noch Ideen oder Fragen hast, dann freue ich mich sehr über deinen Kommentar zu diesem Beitrag hier auf dem Reiseblog.
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