Inhalt
Das Wichtigste in Kürze
- Offizielle Gesamtstrecke der Tour du Mont Blanc: ca. 170 km auf 10 bis 11 Etappen; die Travelbase-Highlights-Route umfasst 5 Etappen mit ca. 85 km
- Höchster Punkt: Col de la Croix du Bonhomme, 2.490 m
- Wandersaison: Mitte Juni bis Mitte September, ideal im Juli und August
- Offizieller Startpunkt der TMB ist Les Houches bei Chamonix (Rundweg, individuell startbar); die 5-Tage-Route von Travelbase startet in Les Contamines-Montjoie und endet in Chamonix
- Übernachtung wahlweise im Zelt oder in Hütten, z. B. buchbar über Travelbase (Gepäcktransport optional, ebenso wie das Essen)
- Hier kannst du die Termine & Preise bei Travelbase ansehen
Die Tour du Mont Blanc im Überblick
Die Tour du Mont Blanc (kurz TMB) führt einmal komplett um das Mont-Blanc-Massiv, durch Frankreich, Italien und die Schweiz. Die klassische Route ist rund 170 km lang, unterteilt in 10 bis 11 Tagesetappen, mit insgesamt etwa 10.000 Höhenmetern im Auf- und Abstieg. Damit zählt sie zu den bekanntesten und anspruchsvollsten Weitwanderwegen der Alpen.
Offiziell beginnt die Tour in Les Houches bei Chamonix, als Rundweg lässt sie sich aber an praktisch jedem Punkt starten, gängige Alternativen sind Les Contamines, Courmayeur oder Champex-Lac. Die meisten Wandernden gehen die Route gegen den Uhrzeigersinn, dann hast du das Mont-Blanc-Massiv die meiste Zeit vor statt hinter dir. Genau so ist die Route von Travelbase konzipiert.
Wer nicht die komplette Runde laufen möchte, kann sich, wie ich, auf eine Auswahl der schönsten Etappen konzentrieren, dazu mehr im nächsten Abschnitt.
Warum 5 Tage reichen
Ich habe für den Mont Blanc Trail bewusst nicht die komplette Umrundung gewählt. Die volle Tour du Mont Blanc dauert zehn bis elf Tage. Als Selbstständige entscheide ich zwar selbst, wann ich mir freie Tage nehme, aber so viele Tage am Stück muss ich nicht wandern.
Mit der 5-Tage-Route von Travelbase bekommst du trotzdem die dramatischsten Momente der ganzen Tour: den höchsten Punkt am Col de la Croix du Bonhomme, das Panorama am Col de la Seigne, den Grenzübertritt am Grand Col Ferret, den ersten Blick auf das Mont-Blanc-Massiv vom Col de Balme aus. Übersprungen werden per Shuttle vor allem ruhigere Talabschnitte. Ein Mitreisender ist alle unsere Shuttle-Strecken (La Fouly–Champex) als Trainrun gelaufen und meinte danach, wir hätten dort nichts verpasst. Kleine Genugtuung.
Mein Fazit: Für einen ersten Eindruck der Tour du Mont Blanc reichen fünf Tage völlig aus.
Anreise zum Startpunkt
Der Startpunkt der Wanderung ist der Bahnhof Saint-Gervais-le-Fayet, von dort bringt dich ein optionaler Shuttle (19 €) zum Basecamp in Les Contamines-Montjoie, Abfahrt um 17:30 Uhr. Wer selbst anreist, sollte um 18 Uhr im Basecamp sein, dort findet das erste Briefing statt.
Der Startpunkt der Wanderung ist der Bahnhof Saint-Gervais-le-Fayet, von dort bringt dich ein optionaler Shuttle (19 €) zum Basecamp in Les Contamines-Montjoie, Abfahrt um 17:30 Uhr. Wer selbst anreist, sollte um 18 Uhr im Basecamp sein, dort findet das erste Briefing statt.
Mit dem Auto oder Camper wird es etwas komplizierter: Der kostenlose Parkplatz in Les Houches (Parking du Prarion) war bei unserer Anreise voll. Am Parking du Stade direkt am Bahnhof in Saint-Gervais gab es zwar reichlich Platz, dort sind Camper aber nicht erlaubt. Wir sind deshalb auf einen Stellplatz in Saint-Gervais-les-Bains ausgewichen. Im Nachhinein hätte ich eher im letzten Hotel in Chamonix nachgefragt, ob dort ein Parkplatz für die Woche frei ist, das wäre unkomplizierter gewesen.
Mit einem normalen Auto hast du an beiden Parkplätzen gute Chancen.
Alternativ parkst du kostenlos am Parking du Prarion in Les Houches oder nutzt einen der Parkplätze in Chamonix, teils kostenpflichtig, teils mit begrenzten kostenlosen Plätzen. Je nachdem, wo dein Auto steht, brauchst du am ersten oder letzten Tag zusätzlich den Zug zwischen Chamonix und Saint-Gervais.
Die 5 Etappen im Detail
Tag 1: Les Contamines-Montjoie – Les Chapieux (17,6 km, 1.350 Hm)
Daten & Fakten – Tag 1 (Komoot)
- Strecke: 17,6 km
- Aufstieg: 1.350 Hm | Abstieg: 990 Hm
- Gesamtzeit: 7:07 Std. (mit Pausen)
- Start: Les Contamines-Montjoie | Ziel: Les Chapieux
- Tour auf Komoot ansehen
Der erste Tag hat es direkt in sich. Um 8 Uhr morgens starte ich in Les Contamines-Montjoie, mitten im Naturreservat Contamines-Montjoie, dem höchstgelegenen Naturschutzgebiet Frankreichs. Von dort geht es fast nur noch bergauf.
Gegen halb zwölf überquere ich ein Schneefeld, welches es bis Mitte Juli im heißen Sommer geschafft hat. Nach vier Stunden erreiche ich den Col du Bonhomme auf 2.329 Metern und mache eine kurze Pause, in dem Glauben, den höchsten Punkt des Tages geschafft zu haben.
Weit gefehlt: Es geht noch fast zwei Kilometer weiter bergauf, bis ich nach fünf Stunden den Col de la Croix du Bonhomme erreiche, mit 2.490 Metern der höchste Punkt der gesamten Route. Der Ausblick von dort oben ist beeindruckend.
Danach geht es nur noch bergab, hinein ins Vallée des Glaciers. Nach 7 Stunden, 17,6 Kilometern und 1.350 Höhenmetern komme ich in Les Chapieux an, erschöpft, aber glücklich. Als Belohnung gibt es Pasta und ein Radler, danach hänge ich meine Füße in den eiskalten Gletscherbach. Falls du zeltest, ist das dein Endziel. Wunderschön gelegen, aber ohne Handyempfang.
Wir hingegen werden von einem Shuttle zu unserer Unterkunft gebracht. Übernachtet wird im Chalet de Roselend, direkt am türkisblauen Lac de Roselend. Das ist mit Abstand die schönste Unterkunft des Trips. Genieße es. Für mich ein kleines "Revival", denn ich war im Herbst zuvor mit meinem Camper schon hier am Stausee und fand es hier traumhaft schön. Die Abfahrt zum Stausee ab dem Zeltplatz ist ein kleines Paradies. Wie im Auenland fühle ich mich und warte, dass ein Hobbit ums Eck hüpft.
Tipp: Ich war zu diesem Zeitpunkt komplett untrainiert, und der erste Tag hat das gezeigt. Der Aufstieg war hart, und am nächsten Morgen hatte ich ordentlich Muskelkater vom steilen Abstieg. Lass dich trotzdem nicht von schneller wandernden Leuten stressen. Es ist genug Zeit für die Etappe eingeplant, geh dein eigenes Tempo.
Tag 2: Les Chapieux – Courmayeur (19,6 km, 870 Hm)
Daten & Fakten – Tag 2 (Komoot)
- Strecke: 19,6 km
- Aufstieg: 870 Hm | Abstieg: 1.150 Hm
- Höchster Punkt: 2.540 m
- Gesamtzeit: 7:43 Std.
- Start: La Ville des Glaciers | Ziel: Courmayeur (Italien)
- Tour auf Komoot ansehen
Ein Shuttle bringt uns von Les Chapieux nach La Ville des Glaciers, dem Start dieser Etappe. Ich lasse es an diesem Morgen ruhig angehen und steige langsam auf. Vorbei am Mottets-Hof, wo der traditionelle Beaufort-Käse hergestellt wird, führt der Weg durch blühende Alpwiesen. Immer wieder stehen Kühe am Wegesrand, und schon von Weitem ist der Blick auf den Glacier des Glaciers im gleichnamigen Tal zu sehen.
Am Col de la Seigne, auf 2.516 Metern, ist der höchste Punkt des Tages erreicht: ein großer, metallener Kompass mit 360-Grad-Panorama. Auf der einen Seite das Tal in Frankreich, aus dem ich komme. Auf der anderen das Val Veny und die italienische Seite des Mont-Blanc-Massivs mit Mont Blanc de Courmayeur, Noire de Peuterey und den Grandes Jorasses. Richtig genießen kann ich die Aussicht kaum: Oben pfeift ein eisiger Wind, und in der verschwitzten Kleidung wird es schnell kalt.
Der Abstieg auf der italienischen Seite führt uns erst mal zum Rifugio Elisabetta, wo es Lasagne, Radler und Espresso gibt. Weiter geht es hinunter ins Tal, vorbei an einem weiteren Refugio, entlang des Gletscherflusses, wo du deine Beine ins kalte Wasser hängen kannst, und teilweise durch schattige Waldpassagen. Die letzten Kilometer führt uns die Karte leider auf einer Teerstraße statt auf dem eigentlichen Wanderweg entlang.
Da gab es leider ein technisches Problem und wir haben die falsche Karte heruntergeladen. Schade, aber kein Beinbruch, denn die Aussichten dieser Etappe werden schwer zu toppen sein. Kurz vor dem Tagesziel (Campingplatz) stoppen wir am Campingplatz davor und gönnen uns ein Eis.
Nach dem steilen Aufstieg vom Vortag brennen mir beim Abstieg die Oberschenkel, der Trainingsrückstand lässt grüßen. Trotzdem: einer der schönsten Wandertage der ganzen Woche.
Übernachtet wird auf dem Campingplatz in einem Armeezelt mit acht Feldbetten, deutlich einfacher, als ich mir unter "Hütte" vorgestellt hatte, aber für eine Nacht völlig okay. Abends essen wir gemeinsam im Restaurant des Campingplatzes: richtig gute Pizza, und ein Salat, an dem wir zu zweit fast scheitern.
Tag 3: Courmayeur – La Fouly (16 km, 830 Hm)
Daten & Fakten – Tag 3 (offizielle Angabe)
- Strecke: 16 km
- Aufstieg: 830 Hm | Abstieg: 1.000 Hm
- Gehzeit: 5–6 Std.
- Start: Val Ferret (Courmayeur) | Ziel: La Fouly (Schweiz)
Es ist ein sonniger Tag, morgens beim Aufstieg noch leicht bewölkt, was gut passt: Die Sonne knallt nicht von oben herab, dazu weht ein kühler Wind, ideales Wanderwetter.
Das Frühstück auf dem Campingplatz ist für Vegetarier eine Enttäuschung: labbriges Toastbrot, dazu Käse, Joghurt und Marmelade, alles andere ist nicht inbegriffen und liegt fein aufgereiht mit Preisschildern auf dem Tisch. Die Nichtvegetarier haben es besser: richtiges Brot, gute Wurst und Käse. Ein Getränk ist immerhin inklusive. Warum bin ich diese Tour bloß als Veggie angetreten?
Nach dem Transfer geht es direkt durch eine Kuhweide bergauf. Links von uns liegen die Grandes Jorasses und der Glacier de Pré de Bar, mächtige Nachbarn gleich zu Beginn des Tages. Nach dem ersten steilen Stück erreichen wir das Rifugio Elena auf 2.062 Metern und gönnen uns ein zweites Frühstück: Cornetto mit Schokocreme und Kaffee, mit Blick auf den Gletscher.
Danach geht es weiter bergauf. Serpentinenartig schlängelt sich der Weg zum Col du Grand Ferret, mit 2.537 Metern der höchste Punkt des Tages. Wir halten immer wieder an und blicken hinab ins Tal. Fantastische Aussichten bieten sich uns auch heute wieder. Oben machen wir die obligatorischen Gipfelfotos, dazu kommen wir ins Gespräch mit einer chinesischen Wandergruppe samt Guide. Wir sind generell überrascht, wie viele US-Amerikaner, Koreaner und Chinesen hier unterwegs sind. Auf Deutsche treffen wir sehr selten.
Der Abstieg führt auf die Schweizer Seite, wo wir im Gîte d'alpage de La Peule Pause machen. Auf dem weiteren Weg halten wir immer wieder an, um Murmeltieren zuzusehen. Sie sind zu niedlich, um daran vorbeizulaufen.
In La Fouly checken wir in ein Sechser-Zimmer mit Balkon und Blick auf den Gletscher ein. Im kleinen Supermarkt im Erdgeschoss gönnen wir uns ein isländisches Skyr und ein Bier, das wir auf unserem Balkon mit Gletscherblick genießen. Zum Abendessen gibt es Zürcher Geschnetzeltes. Mit dem Original hat das zwar wenig zu tun, hungrig wie wir sind, schmeckt es trotzdem sehr gut. Die Duschen sind eher mittelmäßig, insgesamt aber ein guter Tag.
Tag 4: Champex-Lac – Trient (18,4 km, 850 Hm)
Daten & Fakten – Tag 4 (Komoot)
- Strecke: 18,4 km
- Aufstieg: 850 Hm | Abstieg: 1.000 Hm | Höchster Punkt: 2.050 m | Tiefster Punkt: 1.310 m
- Gesamtzeit: 7:06 Std.
- Start: Champex-Lac | Ziel: Trient
- Tour auf Komoot ansehen
Nach dem guten Frühstück bringt uns der Shuttle nach Champex-Lac, wo wir den Tipp für eine richtig gute Bäckerei bekommen. Die meisten aus der Gruppe kehren dort noch ein, decken sich mit Snacks ein oder frühstücken vor Ort. Wir haben in unserer Unterkunft schon gut gegessen und wandern gleich los.
Der Start am Lac de Champex ist schön, was danach kommt, wird zäh. Es ist brutal schwül, der Schweiß läuft, immerhin ist der Himmel beim Aufstieg wie immer noch bewölkt. Der Weg führt durch dichten Wald bergauf. Ohne die Aussichten der vorherigen Tage zieht sich diese Etappe, der Anstieg endet gefühlt nie. Es ist a´nstrengend und zermürbend.
Pause machen wir an der Hütte Alpage de Bovine (1.987 m), mit Blick hinunter nach Martigny, dieses Mal Zivilisation statt Natur pur. Für die einzige Toilette stehen wir schätzungsweise 30 Minuten an, dafür gibt es ein Getränk und die Aussicht ist toll.
Tipp: Lass dich am Eingang der Hütte nicht abschrecken, dass man nur mit Reservierungen hereinkommt. Wir sind trotzdem rein und haben sogar Liegestühle ergattert. Andere von unserer Gruppe chillen im Gras. Bei diesem Sommerwetter solltest auch du dir hier eine Pause gönnen und einfach genießen.
Danach geht es weiter zum höchsten Punkt des Tages, der wenig spektakulär aus einem Tiergatter besteht. Wir gehen direkt weiter.
Der Abstieg durch einen schattigen Wald bringt uns – geschützt vor der Sonne – zum Col de la Forclaz, wo uns Verkehr und Touristenmassen wieder in die Zivilisation zurückholen. Im Shop gönnen wir uns ein Eis, ein paar Kilometer liegen noch vor uns.
Am Campingplatz in Trient warten erst ein Radler und eine Portion Pommes, dann das Briefing für den nächsten Tag. Wir genießen die sommerlichen Temperaturen, bevor es weiter zur Unterkunft geht, vorbei an der auffällig rosafarbenen Kirche von Trient.
Im 10-Bett-Zimmer unserer Auberge geht es zu viert in die Männerdusche, vier Duschen statt zwei wie bei den Frauen, und neuer noch dazu. Weil sie gerade frei ist, beeilen wir uns, sehr zur Irritation eines Inders, der kurz nach uns duschen will. Er wartet geduldig, wir machen schnell.
Vor dem Essen gibt es das obligatorische Radler, nach einer zähen Wanderung muss das sein. Laut Google-Rezensionen soll das Essen in der Auberge richtig gut sein, wir fragen uns, wer das geschrieben hat. Der Salat kommt ohne Dressing, Essig und Öl gibt es nicht. Dazu Spaghetti Bolognese, bei denen eigentlich wenig schiefgehen kann, die Nudeln sind trotzdem teilweise angebrannt. Hungrig wie immer essen wir trotzdem alles auf. Die Suppe davor erwähnen wir lieber gar nicht erst, das war eher Wasser als Erbsensuppe, auch mit reichlich Parmesan nicht zu retten.
Nach dem Essen fallen wir müde ins Bett und freuen uns auf den letzten Wandertag morgen.
Tag 5: Trient – Chamonix (15,2 km, 1.080 Hm)
Daten & Fakten – Tag 5 (Komoot)
- Strecke: 15,2 km
- Aufstieg: 1.080 Hm | Abstieg: 1.000 Hm
- Gesamtzeit: 6:25 Std.
- Start: Trient | Ziel: Montroc-Le-Planet (+ Zug nach Chamonix)
- Tour auf Komoot ansehen
Das Frühstück heute Morgen war genauso mittelmäßig wie das Abendessen gestern Abend. Die Guides raten uns, früh zu starten, angeblich soll es heiß werden. Im Nachhinein fragen wir uns, ob sie einfach nur früher Feierabend machen wollten. Schließlich müssen sie am Etappenziel mit unseren "Belohnungs-Badges" am Bahnhof auf uns warten. Wer keinen Gepäcktransport gebucht hat, nimmt hier außerdem sein Gepäck wieder in Empfang. Wir haben in Chamonix über Travelbase ein Hotel gebucht, unser Gepäck liegt also schon dort.
Wir gehen zurück zum Campingplatz, aber vorbei und direkt in den Aufstieg zum Col de Balme. Die letzten Höhenmeter der Tour lassen sich überraschend gut meistern, wir sind zügig unterwegs im geschützten Wald. Es geht serpentinenartig auf einem tollen Weg nach oben. Am höchsten Punkt angekommen, ist es noch eiskalt, kaum Sonne, vielleicht sind wir wirklich zu früh dran. Wir gönnen uns ein Stück Kuchen an der Hütte und der Blick auf das Mont-Blanc-Massiv ist überwältigend. Die ersten Blicke bekommst du genau dann, wenn du um die letzte Kurve vor der Hütte biegst.
Wir essen schnell, ziehen alles an, was wir haben, das nasse T-Shirt erstmal aus. Tschüss Schweiz, der Abstieg ist auf französischem Boden. Der Weg hinunter ist einer der schönsten der ganzen Woche. Wir kehren in eine weitere Hütte ein, die Alpage de Balme, dieses Mal auf französischer Seite: hier gönnen wir uns eine Käseplatte und Limo mit Aussicht. Wir wärmen uns in der Sonne.
Danach schlängelt sich der Weg weiter auf der Gegenseite des Mont-Blanc-Massivs, mit Blick auf mächtige Gletscher. Wir bleiben immer wieder stehen, um sie auf uns wirken zu lassen. Die letzten Kilometer führen durch Wald, geschützt vor der Sonne, ideal nach der Hitze der letzten Tage. Irgendwann erreichen wir den Bahnhof Montroc-Le-Planet, von wo aus es die letzten Kilometer mit dem Zug nach Chamonix geht.
Auf dem Weg zum Hotel gehen wir erstmal essen, hungrig, wie wir sind, und freuen uns den ganzen Tag schon auf einen Aperol. Wir checken im Hôtel Arveyron ein, beziehen unser Doppelzimmer und gönnen uns eine ausgiebige Dusche. Abends essen wir mit einer neuen Bekanntschaft aus Polen. Hundemüde fallen wir danach ins Bett.
Am nächsten Tag geht es für uns mit dem Zug zum Parkplatz, um unseren Camper abzuholen. Andere Teilnehmer reisen mit Auto, dem Zug oder ab Genf per Flugzeug ab. Wer möchte, kann hier seinen Aufenthalt verlängern oder einen Roadtrip auf der Routes des Grandes Alpes. Ich reise weiter in die Schweiz.
Übernachten: Zelt oder Hütte?
Bei Travelbase hast du die Option: Zelten oder Übernachten in Hütten.
Wir waren mit der Hütten-Option unterwegs, meist in Schlafsälen für sechs bis zehn Personen. Bei unserem durchgehend guten Sommerwetter sage ich im Nachhinein: Das Zelt wäre schöner gewesen, mehr Privatsphäre, und auf den meisten Campingplätzen gab es richtig gutes Essen, sodass man nicht nur auf Trekkingnahrung (kannst du selbst mitbringen oder dazubuchen) angewiesen gewesen wäre.
Bei Regen oder kalten Nächten, was in den Bergen jederzeit passieren kann, ist die Hütte klar komfortabler: trocken, warm, kein Zeltabbau im Regen. Die Unterkünfte selbst waren unterschiedlich, vom Sechserzimmer mit Balkon und Gletscherblick in La Fouly bis zum einfachen Armeezelt mit Feldbetten auf dem Campingplatz in Courmayeur, das offiziell als "Glamping" beworben wird, aber eher Grundausstattung war. Klarer Favorit war das Chalet de Roselend am ersten Abend, direkt am türkisblauen Lac de Roselend, die schönste Unterkunft der ganzen Woche. Duschen reichten von richtig gut bis lauwarm und knapp. Die lauteste Unterkunft war der große Schlafsaal in der ersten Nacht direkt vor dem ersten Wandertag. Ein riesengroßer Campingplatz mit Schlafsaal. Zwar immer abgetrennt durch dünne Wände, sodass nur 6 Betten im Raum waren, trotzdem hat man alle anderen ebenfalls gehört.
Mein Rat: Bei stabiler Wetterprognose würde ich das nächste Mal das Zelt wählen. Wer auf Nummer sicher gehen will oder nachts nicht campen möchte, ist mit der Hütten-Option besser bedient.
Verpflegung unterwegs
Einen Gaskocher brauchst du für diese Tour nicht zwingend, an fast jedem Etappenende gibt es eine Hütte oder einen Campingplatz mit Restaurant. Wir haben uns dort regelmäßig eine Mahlzeit gegönnt, auch wenn nicht jede kulinarisch überzeugt hat.
Tagsüber auf dem Trail sind Snacks Pflicht: Energy Balls, Nüsse, Riegel, Äpfel oder Bananen, wobei frisches Obst nicht an jeder Hütte zu bekommen ist, also lieber selbst mitbringen. Wer sparen will oder unabhängig unterwegs sein möchte, kann sich für das Essenspaket mit Kocher und gefriergetrockneten Mahlzeiten entscheiden und komplett selbst kochen.
Ausrüstung & Packliste
Hier eine Liste dessen, was sich für mich bewährt hat, plus ein paar Tipps aus eigener Erfahrung.
Kleidung
- Wanderklamotten im Zwiebellook
- Zip-Hose zum wandern (schnell trocknend)
- Kurze Wanderhose (bei uns durchgehend stabiles Sommerwetter, Regenjacke und -hose blieben ungenutzt, aber das ist Glückssache)
- Funktionsunterwäsche, idealerweise Merino
- Gute Wandersocken (ich war mit Falke-Socken unterwegs)
- Cap und/oder Mütze
- Handschuhe, wasserabweisend oder wasserdicht (wenns kalt wird)
Schuhe
- Knöchelhohe Wanderschuhe werden empfohlen, ich hatte meine nur an Tag 1 an
- Ab Tag 2: flache Trailrunner-Schuhe, wie 80 % der anderen Wandernden auch
- Adiletten oder Flip-Flops für die Dusche
Rucksack & Technik
- Rucksackgröße: 35 bis 45 Liter für die Hüttentour, 50 bis 60 Liter fürs Zelten ohne Gepäcktransport
- Ich selbst war mit einem Deuter Aircontact Ultra 35+5 L SL unterwegs, durch die Kamera etwas schwerer bepackt als andere
- Wasserdichte Hülle für den Rucksack
- Trinkblase mit 2 l (Camelbak-Tipp, spart das Anhalten für die Flasche)
- Powerbank, mindestens 10.000 mAh (die ultraleichten von Flextail sind eine gute Wahl)
- Wasserdichte Packbeutel (z. B. von Patagonia) für Ordnung in Duffelbag und Rucksack
- Wanderstöcke, Pflicht, bei Travelbase auch leihbar
Gesundheit & Hygiene
- Sonnenschutz 50+
- Blasenpflaster, Tape
- Lippenbalsam
- Allergietabletten, Ende Juli waren in den Bergen noch erstaunlich viele Pollen unterwegs
- Elektrolyte (Tipp: Elotrans gibt es inzwischen auch mit Orangengeschmack)
- Kulturbeutel so klein wie möglich
Sonstiges
- Reisepass oder Personalausweis (nicht gebraucht, wird aber generell immer empfohlen)
- EC- oder Kreditkarte (wir konnten überall mit Karte bezahlen)
- Müllbeutel (Leave No Trace)
- Kleines Vorhängeschloss für Hütten und Unterkünfte
- Aufblasbares Kissen oder ersatzweise ein zusammengerolltes Fleece
- Sitzkissen (optional, hatte ich nicht dabei)
- Schlafbrille und Ohrstöpsel
Mein Tipp zum Gepäcktransport: Ich muss mir nichts mehr beweisen und gebe das Geld für den Gepäcktransport gerne aus. Wer die Wahl hat und nicht unbedingt mit vollem Rucksack laufen will, sollte diese Option in Betracht ziehen, die Travelbase anbietet.
Für wen eignet sich die Wanderung?
Grundvoraussetzung ist eine gute Grundfitness, die Etappen verlangen Ausdauer, und das Wetter in den Bergen kann schnell umschlagen. Offiziell liegt die Altersgrenze bei 16 bis 65 Jahren, unter 18 nur in Begleitung Erwachsener.
Aus eigener Erfahrung: Ich hatte kaum Vorbereitung, davor eine Hitzewelle mit 40 Grad, bei der an Training nicht zu denken war, dazu berufsbedingt viele Roadtrips ohne Wandern, unter anderem in Namibia, und einen Bänderriss davor. Trotzdem ging es. Wer sich nicht hetzen lässt und im eigenen Tempo geht, kommt auch ohne perfekte Vorbereitung durch. Empfehlen würde ich trotzdem, vorher viel zu Fuß zu gehen und die Übungen zu machen, die Travelbase im Trainingsplan vorschlägt.
Selbstgeführt wandern mit Travelbase
Der Mont Blanc Trail ist selbst geführt, du wanderst ohne Guide, aber nicht auf dich allein gestellt. Route, Unterkünfte und Logistik sind organisiert, jeden Abend gibt es ein Ranger-Briefing mit den Etappenzielen, bei Fragen ist der Ranger vor Ort ansprechbar. Alle Infos, Karten und die Route findest du zusätzlich in der Travelbase-App.
Für mich war das genau richtig: Gepäcktransport und leihbare Ausrüstung nehmen dir die Organisation ab, und als Alleinreisende findest du in der Gruppe Anschluss, wenn du willst, musst aber niemandem hinterherlaufen. Pro Abreisetermin sind etwa 20 Teilnehmende dabei.
Beste Reisezeit
Die Wandersaison auf der Tour du Mont Blanc reicht von Mitte Juni bis Mitte September, am beliebtesten sind Juli und August: Die Pässe sind dann größtenteils schneefrei, die Hütten geöffnet, das Wetter stabiler. Zu Saisonbeginn können auf den höheren Abschnitten trotzdem noch Schneefelder liegen, wie ich es an Tag 1 selbst erlebt habe. Im September wird es ruhiger auf dem Trail, dafür steigt das Risiko für Wetterumschwünge.
Die konkrete 5-Tage-Tour von Travelbase wird nur in den Monaten Juni, Juli und August angeboten.
Kosten im Überblick
Der Grundpreis schwankt je nach Termin, aktuell zwischen 595 € und 615 € pro Person. Die genauen, tagesaktuellen Preise findest du direkt bei Travelbase.
So viel würde meine persönliche Zusammenstellung kosten:
| Was | Preis |
|---|---|
| Grundpreis (Zelt) | 595–615 € |
| Hüttenübernachtungen | 425 € |
| Essenspaket vegetarisch (Hütte) | 44 € |
| Gepäcktransport | 145 € |
| Shuttle vom Bahnhof | 19 € |
| Letzte Nacht im Hotel Chamonix | 95 € |
| Gesamt | ca. 1.320–1.340 € |
Mein Fazit
Fünf Tage reichen für die Highlights der Tour du Mont Blanc völlig aus, du musst nicht die komplette Umrundung gemacht haben, um die schönsten Seiten der Region zu sehen. Mit Travelbase war die Organisation unkompliziert, vom Gepäcktransport bis zur Ausrüstung, und ich konnte trotz wenig Vorbereitung im eigenen Tempo wandern.
Nützliche Links: Unsere Empfehlungen, hier buchen wir
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